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Spike wird nie wieder der Alte sein

Wurde Opfer brutaler Tierquäler: Kater Spike, elf Jahre, aus dem Rheinsberger Ortsteil Linow.
Wurde Opfer brutaler Tierquäler: Kater Spike, elf Jahre, aus dem Rheinsberger Ortsteil Linow. © Foto: MZV
Anja Rütenik / 01.07.2015, 17:39 Uhr
Linow (rue) Es ist ein barbarischer Fall von Tierquälerei: In Linow ist in der vergangenen Woche ein Kater angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden - offenbar mit voller Absicht. "Bei der Polizei sagte man mir, dass so etwas mit einem Luftgewehr eigentlich nicht passieren kann, es sei denn, man hält direkt drauf", sagt Besitzerin Ulrike Liborius. Die Kugel verfehlte das Rückgrat des Katers nur knapp. Spike wurde operiert, wird aber höchstwahrscheinlich Folgeschäden davontragen. Polizei und Besitzer suchen nun nach dem Täter.

Am 22. Juni hatte Ulrike Liborius das Tier wie jeden Morgen gegen acht Uhr aus dem Haus gelassen. "Er ist wie üblich auf das Nachbargrundstück gelaufen", erzählt Besitzerin Ulrike Liborius. "Er kann nur in diese eine Richtung gehen."

Als sie am Nachmittag nach Hause kam, sei Kater Spike nicht wie sonst üblich da gewesen. Auch über Nacht blieb er verschwunden. Am nächsten Morgen habe sie sich auf die Suche nach Spike gemacht und ihn schließlich auf der Terrasse des verlassenen Nachbargrundstücks gefunden, erzählt Liborius. Da der Hauseigentümer verstorben ist und das Areal leer steht, hatte niemand den Kater zu früherer Zeit entdeckt.

"Sein Po hing herunter, er konnte nicht mehr richtig laufen", beschreibt Spikes Besitzerin den Zustand des Katers, als sie ihn fand. Sofort fuhren sie und ihr Mann den Stubentiger in die Dienst habende Tierarztpraxis nach Wesenberg. "Wir dachten zuerst an einen Biss", sagt die 46-Jährige. Durch eine Röntgenaufnahme stellte sich jedoch heraus, dass ein Diabolo-Geschoss im Rücken des Katers steckte. Die Kugel befand sich nahe am Rückgrat, erklärt Ulrike Liborius. Ein Umstand, der das operative Entfernen des Geschosses erschwerte. Mehrere Male musste das Ehepaar mit dem Kater zum Tierarzt, bis klar war, ob das Projektil überhaupt herausoperiert werden kann, ohne die Wirbelsäule zu verletzen und damit eine Lähmung zu riskieren. Mit dem Neustrelitzer Tierarzt Dr. Wadim Bekmulin fanden die Liborius' jedoch einen Spezialisten, der den Eingriff wagte.

Am Freitag, 26. Juni, wurde Spike in der Praxis von Dr. Bekmulin operiert. "Der Tag war die Hölle für mich", sagt Ulrike Liborius. Sie hängt sehr an ihrem Kater: Ihr Mann hatte ihr das Tier vor elf Jahren nach dem Tod ihres Vaters geschenkt, um die Trauernde auf andere Gedanken zu bringen.

Mittlerweile ist Spike wieder zu Hause bei seinen Besitzern: Am Montag durfte Ulrike Liborius ihn nach Tagen des Bangens aus Neustrelitz abholen. "Dr.Bekmulin hat mir wenig Hoffnung auf eine vollständige Genesung gemacht", erklärt sie. Das Geschoss habe einen Wirbelkörper beschädigt. In einigen Tagen soll das Tier noch einmal geröntgt werden, um Veränderungen auszuschließen. Auch eine zweite OP sei nicht ausgeschlossen. Doch heißt es erst einmal abwarten, wie sich das Tier erholt.

Das Ehepaar hat sofort Anzeige bei der Polizei erstattet. "In diesem Fall liegt mindestens ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor", erklärt Ariane Feierbach, Sprecherin der Polizeidirektion Nord. Strafrechtlich gesehen laufe die Tat unter "Sachbeschädigung". Dass Tieren Leid zugefügt werde, komme grundsätzlich häufiger vor, so die Polizei-Sprecherin weiter. Oft werde dies jedoch nicht angezeigt, sodass keine verlässlichen Zahlen vorlägen. "Die Dunkelziffer wird sehr hoch sein", schätzt Ariane Feierbach.

Ulrike Liborius will nun mit Wurfsendungen im Dorf die Nachbarn zur Mithilfe aufrufen und vielleicht auch den Täter erreichen. "Es ist eine Sauerei", findet auch der Linower Ortsvorsteher Burkhardt Stranz. "Es ist ja nicht der erste Fall von Tierquälerei bei uns." Er selbst habe vor einiger Zeit schon eine Katze verloren - sie wurde vergiftet. "Wenn man so etwas nicht öffentlich macht, nimmt das doch noch zu", fürchtet er. Dass der Täter gefunden wird, glaubt Stranz indessen nicht: "Zu DDR-Zeiten hatte doch jeder eine Luftbüchse im Haus. Und wahrscheinlich ist das immer noch so."

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