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Hartmannsdorf

Der Schuhmacher der Pferde

Nagelstudio in XXL: Ralph Schnur erneuert auf einem Spreenhagener Reiterhof die Beschläge bei Holsteiner "Alf.
Nagelstudio in XXL: Ralph Schnur erneuert auf einem Spreenhagener Reiterhof die Beschläge bei Holsteiner "Alf. © Foto: Cornelia Link
Cornelia Link / 17.07.2015, 07:24 Uhr
Hartmannsdorf (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Männer und Frauen sein, die schon immer hier gelebt oder die hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Ralph Schnur aus Hartmannsdorf.

Ralph Schnur hält den Vorderhuf von Holsteiner "Alf" zwischen den Beinen. Mit geübten Griffen säubert er das Innere, hobelt dann mit einer großen Feile die Kanten des Horns ab. Währenddessen wird nebenan das Stahl-Hufeisen im Brenner erwärmt, dann auf dem Amboss mit festen Hammerschlägen in Form gebracht. Mehrfach setzt Schnur das Eisen am Pferd an - es dampft und stinkt. "Beschlag ist ein notwendiges Übel", sagt der Hartmannsdorfer. Sind die Tiere auf Straßen unterwegs, laufe sich das Horn schneller ab. "Stehen sie nur auf der Weide, könnten sie auch barfuß gehen." Turnier-Pferde brauchen Eisenbeschläge. Der Holsteiner "Alf" bekommt am Donnerstagnachmittag nur zwei neue Eisen vorn. Damit endet die Arbeit auf dem Hof von Ivonne Andres in Spreenhagen. "Hier haben wir heute acht Pferde beschlagen", sagt Schnur.

"Wir sind ein Nagelstudio in XXL", sagt der 44-Jährige lachend, der schon 19 Jahre als Hufschmied unterwegs ist. Vier Tage die Woche ist er in Hoppegarten bei den Galoppern, den fünften Tag fährt er durch die Region, arbeitet auf den Reiterhöfen oder auf dem Kinderbauernhof in Erkner. Sport- und Freizeitpferde sind sein Metier. "Die Auftraggeber sehen ich selten, sie müssen tagsüber ja auch arbeiten. Da läuft viel über Telefon und viel Vertrauen", erläutert der Schuhmacher der Pferde. "Alle sechs bis zehn Wochen, je nach Saison und Rasse, müssen die Beschläge erneuert werden." Die bringt Schnur zu seinen Einsätzen mit, und zwar sowohl in unterschiedlichen Größen als auch Materialien - Aluminum, Eisen oder Kunststoff. Weit verbreitet sei eine falsche Vorstellung: "Das Befestigen der Eisen mit Nägeln tut dem Tier nicht weh."

Hufschmied ist schon lange kein Ausbildungsberuf mehr, auch Schnur hat als Metallbauer nach der Wende aus Liebe zu den Tieren umgeschult. Da lebte er noch in Altenhof bei Eberswalde. Die Liebe zu seiner Christine, mit der er schon 16 Jahre zusammen ist und zwei Kinder im schulpflichtigen Alter hat, brachte ihn in die Region.

Erst lebte das Paar in Gosen, vor 13 Jahren bauten sie in Hartmannsdorf ein Haus und fanden auch für die eigenen sechs Pferde Platz. "In unserer Familie reiten alle, ich spanne lieber den Kremser an", sagt Schnur. Zweimal im Jahr zeigt er sein Können auch bei Festen in Hartmannsdorf. "Weil ich gerne hier lebe."

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