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Kunstkolonie für eine Woche

Etwas figürliches entsteht: Für Monika Lutz aus Chemnitz ist Bildhauerei etwas für die Seele. Sie ist zum zweiten Mal in Gersdorf dabei.
Etwas figürliches entsteht: Für Monika Lutz aus Chemnitz ist Bildhauerei etwas für die Seele. Sie ist zum zweiten Mal in Gersdorf dabei. © Foto: moz
Mandy Timm / 29.07.2015, 05:16 Uhr
Gersdorf (MOZ) Kunst selbst machen, das könne jeder, sagt Christine Hielscher. Mit ein paar Tricks, Kniffen und Musik. Die darf auf keinen Fall fehlen. Seit 16 Jahren kann man sich in ihrem Atelier ausprobieren. Gerade läuft die Sommerwerkstatt wieder. Am Freitag werden die besten Werke ausgestellt.

Der Wind erntet erste Äpfel. An Feldsteinen reifen Trauben. Bienen und Hummeln umschwärmen zwei Handvoll Wachs. Sanft wippt eine Schaukel im Geäst. Dazwischen streift Christine Hielscher umher. Helle Hose, das karierte Hemd offen. Ihr langes Haar hat sie zu einem Zopf gebunden. Die Künstlerin schaut gerade unter dem Dach der Bildhauer vorbei. In der Galerie schlüpft unterdessen eine junge Frau aus ihrem Kleid. Sie steht fürs Aktzeichnen Modell.

Es ist Sommerwerkstatt im Atelier an der Weide. Einmal im Jahr lädt Christine Hielscher zu sich nach Gersdorf ein. Für Zeichen-, Bildhauer- oder Keramikkurse. Seit 16 Jahren gibt es diese Werkstatt in ihrem Haus. Seit 16 Jahren hilft sie ihren Besuchern, Talente zu entdecken, die in ihnen schlummern.

"So, Moni. Schön senkrecht halten", ermutigt Christine Hielscher Monika Lutz. Aus Chemnitz kommt die Frau, zum zweiten Mal ist sie zum Kreativsein hier. Ein Marmorbrocken ruht auf derber Jute vor ihr. Mit Schutzbrille, Meißel und Hammer schlägt sie auf den Stein ein. "Eine meditative Arbeit", sagt Monika Lutz. "Bildhauerei ist nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für die Seele." Etwas Figürliches soll aus dem Stein werden. Ein Kopf vielleicht oder ein Gesicht. "Mal sehen, was der Stein hergibt." Heidrun Markiewitz, in Bad Freienwalde zuhause, kann währenddessen nicht ohne Modell arbeiten. Aus Ton formt sie erst, was sie später in Stein hauen will. 25 Jahre lang hat sie den Keramikzirkel "Freies Gestalten" in ihrer Heimatstadt geleitet. Jetzt orientiert sie sich neu.

Wenn Christine Hielscher von der Sommerwerkstatt spricht, ist sie schnell Feuer und Flamme. Da ist nichts Belehrendes, was sie ihren Teilnehmern mitgibt. Aber viel Begeisterung. "Ständig korrigieren", sagt sie, "da vergeht einem doch die Lust. Da hätte ich selbst keinen Spaß." Schließlich solle niemand ihre Bilder malen, sondern seinen eigenen Stil finden.

In die Galerie mit dem hohen Spitzdach flutet viel Licht durch reichlich Glas. Staffelei an Staffelei reiht sich in einem Bogen. Vier Frauen und ein Mann haben sich zum Aktzeichnen angemeldet. Gezeichnet wird mit Kohle. Das Modell sucht sich eine bequeme Pose im Stehen. Eine Viertelstunde verharrt die junge Frau so. Dann kann sie wechseln. Christine Hielscher legt zuerst eine Musik-CD ein, etwas Souliges. "Ohne Musik geht gar nichts", sagt sie. Loslassen - das ist das große Thema am Kursbeginn. Es gilt für Modell und Hobbyzeichner gleichermaßen. "Wer den Gedanken freien Raum gibt", ist sich die Künstlerin sicher, "wird automatisch kreativ. Jeder Mensch ist ein Künstler, hat Joseph Beuys schon gesagt." Christine Hielscher ist von dieser Theorie überzeugt.

Sie streut verschiedene Übungen und methodische Kniffe in den Vormittag und lässt den CD-Player immer wieder neue Musik abspielen. Berührungsängste will sie damit lösen. Nie hebt sie den Zeigefinger. "Wer hier mitmacht, muss nur Lust haben, kreativ zu sein. Mehr nicht", sagt Christine Hielscher. Es gibt keine Zauberei, keine Magie.

Am Freitag ist ein Fest samt Ausstellung auf dem Gerstenberger Hof geplant, mit den besten Werken, die während der Woche entstanden sind. Christine Hielscher freut sich schon darauf. "Weil alle stolz darauf sind, was sie geschaffen haben und mit einem Leuchten in den Augen davon erzählen." Ein bisschen ist es dann nach einer Woche Sommerwerkstatt so, als ob nicht nur der Apfelbaum seine Ernte abwirft, sondern auch die Künstler-Gesellen.

Noch bis zum 16. August ist eine Ausstellung mit Werken von Christine Hielscher in der Stadtpfarrkirche Sankt Marien in Müncheberg zu sehen. Dort stellt die Künstlerin zurzeit zusammen mit Sylvia Hagen aus Altlangsow unter dem Titel "Stakkato" aus.

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