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Warmes Wasser bei Hitzewelle

Ausgetrickst: Damit Ouragan (schwarz) und Alérion, wie die anderen Pferde auf dem Hof in Görlsdorf auch, genügend Flüssigkeit zu sich nehmen, füttert Claudia Wirth sie mit in Wasser aufgeweichten Pellets. Am Kopf tragen sie Fliegenmasken.
Ausgetrickst: Damit Ouragan (schwarz) und Alérion, wie die anderen Pferde auf dem Hof in Görlsdorf auch, genügend Flüssigkeit zu sich nehmen, füttert Claudia Wirth sie mit in Wasser aufgeweichten Pellets. Am Kopf tragen sie Fliegenmasken. © Foto: MOZ
Marco Marschall / 06.08.2015, 04:28 Uhr
Görlsdorf (MOZ) Die 40 Grad, die am Freitag erwartet werden, haben in der Region längst die Runde gemacht. Nicht nur Menschen müssen dann Vorkehrungen treffen und darauf achten, ausreichend zu trinken - Tieren geht es nicht anders.

"Mit alten Tieren ist es wie mit alten Menschen", sagt Claudia Wirth. "Sie haben ein vermindertes Durstempfinden und vergessen zu trinken". Das könne bei Hitze zum Schlaganfall führen. Die Görlsdorferin kennt sich vor allem mit der Versorgung alter, nicht mehr reitbarer und kranker Pferde aus. Gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Peter-Karl Wirth betreibt sie im Vierlindener Ortsteil eine Zufluchtstätte für Vierbeiner, die besonderer Pflege bedürfen - eine Art Seniorenresidenz für Pferde. Einige davon sind lediglich zur Erholung auf dem Hof und gehen nach der Genesung wieder zurück an den Besitzer.

Damit die 18 bis 32 Jahre alten Tiere bei ihr ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, bekommen sie vier Mal am Tag in Wasser aufgeweichte Pellets. Auf diese Weise nimmt jedes Pferd täglich bis zu 40 Liter Wasser auf. Das ist bei der Hitze der vergangenen Tage wichtig. Dank kleiner Versorgungseinheiten wird das Herz geschont. Denn das muss bei viel Flüssigkeit auf einen Schlag auch ein größeres Volumen durch die Adern pumpen.

Haferbrei on the rocks, also eisgekühlt, wäre für die Tiere ebenso schädlich. "Kaltes Wasser führt im Körper zu Hitze-stau", weiß Claudia Wirth. Daher wird auf ihrem Pferdehof warmes Tränkewasser gereicht. Halter, die ihre Tiere waschen, sollten ebenfalls auf die körperwarme Temperatur des Wassers achten. Um die betagten Pferde in Görlsdorf abzukühlen, gibt es im Stall eine Windmaschine, die die Tiere indirekt mit kühler Luft anbläst.

Der Tagesrhythmus der Vierbeiner ist auf den Sonnenstand abgestimmt. Bei sengender Mittagshitze geht es in den Stall. Auf Narben und freie Körperstellen der Tiere trägt Claudia Wirth, die als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitet, eine spezielle Sonnencreme auf.

Fast noch mehr als die Sonne machen den Tieren allerdings geflügelte Plagegeister wie Fliegen oder Bremsen zu schaffen. Die sechs Pferde, die derzeit auf dem Hof betreut werden, tragen deshalb Fliegenmasken über ihre langen Gesichter. Um die Lästlinge von vornherein etwas zu reduzieren, hat das Ehepaar Wirth unweit vom Stall eine Bremsenfalle aufgebaut, die aus einer schwarzen Kugel, einem Netztrichter und einem Glas besteht.

"Die Kugel soll das Hinterteil eines Pferdes imitieren und so die Bremsen anlocken", erklärt Claudia Wirth. Diese würden nach der Landung auf der Oberfläche wieder nach oben wegfliegen, aber an der Trichterwand scheitern. So landen sie infolge ihrer Flucht schließlich im Glas, das an der Spitze der Falle angebracht ist und verenden mit der Zeit darin.

Bärbel Saß, Tierärztin im Veterinäramt des Kreises, weist darauf hin, für entsprechende Verdunstungskälte zu sorgen. Das sei zum Beispiel möglich, indem das Stalldach mit Wasser befeuchtet wird. "Schweine und Geflügel in der Endmastphase sind bei Hitze besonders gefährdet", sagt sie. Schweinen fehle die Thermoregulation, sie können also nicht schwitzen. Generell sei bei allen Tieren darauf zu achten, dass diese sich bei hohen Temperaturen weniger bewegen, Schattenbereiche aufsuchen können und ausreichend Flüssigkeit erhalten.

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