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200-Seelen-Ort will mit Fotos von jedem Haus Historie bewahren / Lutz Wedegärtner ist von Idee begeistert

Brunow porträtiert sich selbst

Fototermin: Alexander Zuckrow (l.), der gebürtige Engländer ist freier Fotograf und lebt in Leuenberg, hält die Brunower mit ihren Häusern in Bildern fest.
Fototermin: Alexander Zuckrow (l.), der gebürtige Engländer ist freier Fotograf und lebt in Leuenberg, hält die Brunower mit ihren Häusern in Bildern fest. © Foto: Heike Stachowiak
Heike Stachowiak / 09.08.2015, 18:29 Uhr
Brunow (MOZ) Das Foto-Projekt in Brunow ist gestartet. Damit will sich der 200-Seelen-Ort selbst porträtieren und seine Geschichte für die Nachwelt erhalten. Am Sonnabend machten Heckelberg-Brunows Bürgermeister Heiko Liebig und Fotograf Alexander Zuckrow Station am Haus von Lutz Wedegärtner.

Noch etwas verschlafen gibt sich das kleine Höhendorf an diesem Sommermorgen. Erste Bewohner gießen ihre Blumen vor dem Haus. Eine Radlerin hat sich auf ihren Drahtesel geschwungen und lenkt durch die Freudenberger Straße. Dort, am Haus Nr. 11, wartet Heiko Liebig. Der Bürgermeister von Heckelberg-Brunow, mit Hut und Sonnenbrille bestens für den heißen Tag gewappnet, plaudert bereits mit Lutz Wedegärtner und Fotograf Alexander Zuckrow. Der gebürtige Engländer lebt jetzt in Leuenberg und will möglichst viele der Häuser in Brunow mit ihren Besitzern im Bild festhalten. "Wir haben uns die Anregung in der Nachbarschaft geholt, in Klobbicke-Tuchen", erzählt der Bürgermeister. Es sei eine gute Möglichkeit, Geschichte zu bewahren. Denn ein Dorf verändert im Laufe der Jahre sein Gesicht. Menschen ziehen weg oder sterben und nehmen ihre Geschichte bzw. ihrer Häuser mit. Und das wollen die Brunower mit ihrem Projekt verhindern. Zunächst bis zum 22. August stehen die Fototermine fest. "Wir kommen nur zu jenen, die es auch wirklich wollen. Es wird niemand gezwungen", so Heiko Liebig.

Bei Lutz Wedegärtner bedurfte es keiner Überredungskunst. Der 44-Jährige war sofort von der Idee begeistert. Mit dem Haus, das er und seine Lebensgefährtin Sogi Mischig und die aus der Patchwork-Beziehung stammenden Kinder Charlotte (16), Shagai (12) und Emil (11) zur Hälfte seit 2001 bewohnen, beginnt das Shooting. Das Haus wurde 1911 erbaut und bot damals, als sich das Leben meist auf dem Feld abspielte, vier Familien Platz. Mit viele Liebe zum Detail und jeder Menge Muskelhypothek und Geld renovierte der Berliner das Ensemble nach eigenen Wünschen. Seine damalige Frau und er wollten neben ihrer kaufmännischen Tätigkeit auch etwas Handwerkliches tun und raus aus der Großstadt, erzählt Wedegärtner von den Gründen, sich nach Brandenburg, ins beschauliche Brunow zu orientieren. Und der Name "Brunow" habe ihn neugierig gemacht.

Nachdem sich damals die Erbengemeinschaft einig war und das 350 Quadratmeter Fläche bietende Wohnhaus gekauft war, konnte sich der Berliner verwirklichen. Das Haus wurde komplett entkernt, Heizung und Kamin eingebaut, das Dach saniert. Und nicht nur das. Durch das Öffnen des Daches konnten höhere Räume geschaffen werden. Die in einem Sandton gehaltene Fassadenfarbe entspreche der, die für das Neuhardenberger Schlossensemble verwendet worden sei, so Wedegärtner. Aus dem dazu gehörigen früheren Viehstall, der hinter dem Wohnhaus liegt, wurde ein Schuppen mit kleiner Werkstatt für seine zweite Leidenschaft - Mopeds aus DDR-Zeiten. In dem weitläufigen Garten finden sich idyllische Plätze für lauschige Sommernächte. Der Berliner scheint in Brunow angekommen zu sein. Offen redet er mit Fotograf Alexander Zuckrow, posiert gemeinsam mit seiner Partnerin Sogi Mischig und Tochter Charlotte vor der Kamera. Mal vor dem Haus auf der wunderschönen Steintreppe, mal im Garten auf den zweirädrigen Oldtimern aus ostdeutschen Zeiten. "Die Brandenburger sollten sich mehr mit ihrer Geschichte identifizieren und sich nicht ein Image aufdrücken lassen", meint der 44-Jährige. Er jedenfalls lebe gern in Brunow, auf dem Land.

Solche Begegnungen wie mit Lutz Wedegärtner erhofft sich Bürgermeister Heiko Liebig in nächster Zeit noch viele. Für die Fotos sorgt Alexander Zuckrow. Schwarz-Weiß-Aufnahmen sollen es werden. Am Ende wird es eine Ausstellung geben. Zudem sollen die Fotos später auch als Buch aus dem Internet heruntergeladen werden können - als einmaliges Porträt von Brunow.

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