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Traditionelle Bauweise anschaulich für Besucher/ Ausstellung zeichnet Leben der Gräfin von Dönhoff nach

Historisches Lehmhaus als Museum

Besucher erwünscht: Otto Schack vom Kurmarkverein öffnet die Tür zum frisch sanierten Lehmhaus in Beerbaum.
Besucher erwünscht: Otto Schack vom Kurmarkverein öffnet die Tür zum frisch sanierten Lehmhaus in Beerbaum. © Foto: MOZ/Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 14.08.2015, 07:24 Uhr
Beerbaum (MOZ) Handeln gegen den Verlust der Einzigartigkeit - unter diesem Motto hat Otto Schack vor 20 Jahren die Aktion "Rote Liste" initiiert. Seitdem kämpft er für die Erhaltung bedrohter Kleindenkmale. Die MOZ stellt sie in einer Serie vor. Heute geht es um das Lehmhaus in Beerbaum.

Großgewachsene Menschen müssen besonders vorsichtig sein, doch selbst mit 1,70 Meter Körperlänge muss man den Kopf einziehen, wenn man sich nicht stoßen will. Die Türrahmen im Beerbaumer Lehmhaus wären für die heutigen Ansprüche viel zu niedrig. Früher hingegen wollte man Material sparen, erklärt Otto Schack, der sich als Mitglied des Kurmarkvereins jahrelang um den Wiederaufbau des Hauses bemüht hat, der nun abgeschlossen ist. "Damals musste man sich eben ducken, das war ganz normal", erzählt Otto Schack, der bereits zu DDR-Zeiten von der Geschichte des Gebäudes fasziniert war.

Sophie Juliane Gräfin von Dönhoff kaufte die Gutsanlage in Beerbaum Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Lehmhaus ließ die Gräfin für ihre Landarbeiter errichten. Es blieb über mehrere Generationen in Familienbesitz bis es schließlich Volkseigentum wurde. Bis Ende der 1960er-Jahre soll das Gebäude noch von einer Frau bewohnt worden sein, danach stand es jedoch leer. 1987 sollte das inzwischen sehr marode Lehmhaus schließlich abgerissen werden, doch daraus wurde nichts. Die Wende kam dazwischen und das Haus blieb stehen.

Der Kurmarkverein interessierte sich für das Objekt und wendete sich an das Amt Falkenberg-Höhe, denn das Lehmhaus war mittlerweile im Besitz der Gemeinde. Nach langen Verhandlungen mit dem damaligen Amtsdirektor Eberhard Alberti stimmte die Verwaltung schließlich einer Übereignung an den Kurmarkverein zu. Im Gegenzug musste der Verein ein Konzept vorlegen, was mit dem Haus geschehen soll. "Das war im Jahr 2009", erinnert sich Otto Schack. Zusammen mit seinen Mitstreitern wollte er den Wiederaufbau organisieren, um die alte Lehmbauweise später für Besucher anschaulich darzustellen.

"Wir mussten noch eine Weile warten, bis das Gebäude in den Katasterplan aufgenommen wurde. Dann haben wir 2011 einen Antrag auf Förderung bei der Leader-Stiftung gestellt." Doch der Antrag wurde abgelehnt, auch ein zweiter Antrag blieb erfolglos. "Wir hätten 10 000 Euro Eigenmittel aufbringen müssen, die hatten wir natürlich nicht", sagt Otto Schack, der sich noch nie von bürokratischen Hürden hat aufhalten lassen.

Doch der Verein konnte letztlich doch die nötigen finanziellen Mittel auftreiben - durch den Verkauf des ehemaligen Tagelöhnerhauses in Kruge. 2013 wurden erste Kostenvoranschläge aufgestellt. Es gab Gespräche mit drei Lehmbauern. "Das Haus war in einem üblen Zustand, es gab noch nicht mal ein Dach", erzählt Otto Schack. "Die kriegen das nie hin", bekam er oft zu hören. "Doch dann haben wir es doch geschafft", freut sich der Künstler.

Nach und nach ist das Lehmhaus saniert worden. Ein neues Dach wurde errichtet. Die Wände in den Stuben sind restauriert und neu gestrichen worden, aber nicht auf ganzer Fläche. Teile der Wände blieben unverputzt und lassen den Blick auf den Ursprungszustand frei. Ornamente aus der Antike, die zur Zeit des Klassizismus beliebt waren, zieren die niedrigen Wände. In der Mitte des symmetrisch angelegten, in Weller-Technik errichteten Hauses liegt die "Schwarze Küche". Dort wurden früher Würste und Schinken geräuchert.

Eine neue Ausstellung im Lehmhaus zeichnet das Leben der Gräfin von Dönhoff nach, die für die damalige Zeit sehr rebellisch gewesen sein soll. Feste Öffnungszeiten gibt es noch nicht. Die ersten Besucher werden am Tag des offenen Denkmals am 13. September erwartet.

Kommentare

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A. Schmidt 14.08.2015 - 11:02:40

Falschdarstellung

Und ob das Lehmhaus gefördert wurde, nämlich mit 104.500,00 € Zuschuss aus dem LEADER-Programm. Dafür hat sich der Vorstand der LAG Oderland eingesetzt, insbesondere der Landrat Gernot Schmidt.

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