Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neue Eigentümer wollen Dampfmaschine als Denkmal der Industriegeschichte für Öffentlichkeit zugänglich machen

Brennerei wechselt Besitzer

Wiebke Wollek / 18.08.2015, 05:30 Uhr
Cöthen (MOZ) Lange war die Zukunft der über 150 Jahre alten Cöthener Brennerei ungewiss. Nun hat ein Künstlerpaar aus Berlin das Objekt ersteigert. Die neuen Eigentümer wollen die Dampfmaschine als Denkmal der Industriegeschichte erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Bäume und Sträucher wachsen aus dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Cöthener Brennerei gen Himmel. Ein richtiges Dach gibt es schon lange nicht mehr. Doch der wilde Bewuchs ist das geringere Problem für die neuen Eigentümer. Johanna Frohberg und Falk Richwien ärgern sich viel mehr über die Müllablagerungen im und vor dem Gebäude, das sich zuletzt in Privatbesitz befunden hat.

Die beiden Künstler aus Berlin haben den Gebäudekomplex erst vor wenigen Wochen ersteigert. Während sich der westliche Teil mit drei Wohnungen in gutem Zustand befindet, ist der Ostteil nur noch eine Ruine. Wo vor knapp 100 Jahren Kartoffelschnaps gebrannt wurde, türmen sich nun meterhohe Berge von Autoreifen, Elektrogeräten, Matratzen, Kabeln und anderem Unrat. Teile der alten Dampfmaschine sind noch erhalten, darunter das Antriebsrad und ein meterhoher Kessel.

"Dass der Müll ausgerechnet neben einem Denkmal abgeladen wurde, verschärft die Situation noch", sagt Falk Richwien. "Wir haben uns das Objekt zwar vor der Versteigerung angesehen, aber mit diesen Ausmaßen haben wir trotzdem nicht gerechnet", sagt der Künstler. "Die Gemeinde ist zwar nicht für den Müll verantwortlich, aber sie hätte doch den Eigentümer anzeigen können", findet Johanna Frohberg.

Falkenbergs Bürgermeister Christian Ziche hingegen weist die Vorwürfe zurück. "Das Gebäude war und ist in Privatbesitz, dafür trägt die Gemeinde keine Verantwortung", sagt Ziche. "Wir können auch nicht einfach den Eigentümer zum Aufräumen auffordern." Die neuen Besitzer bedauern außerdem, dass direkt vor dem Gebäude Glascontainer stehen. "Wir haben sie extra dort aufgestellt, wo kein Wohnhaus steht", erklärt Ziche. Über einen neuen Platz könne man aber noch mal reden, versichert er.

Die Pläne des Künstlerpaares, die Dampfmaschine zu erhalten, begrüßt der Bürgermeister. "Wir wollen hier weder ein Wohnzimmer noch ein Restaurant draus machen", erklärt Falk Richwien, der eine Leidenschaft für alte Maschinen hegt. Stattdessen sollen die erhaltenen Bestandteile der Industrie restauriert werden. "Vielleicht lassen wir ein interessiertes Publikum sogar an den einzelnen Schritten teilhaben." Am Ende sollen sich Technik und Kunst zu einem anziehenden und informativen Ort für Besucher vereinen. "Bis es soweit ist, können aber noch gut fünf bis zehn Jahre vergehen", sagt Falk Richwien. Die beiden wollen sich noch nicht zu sehr festlegen. Das ehemalige Industriegebäude wird renoviert und neu überdacht, aber auf eine Weise, die den Charme des einstigen Adelssitzes bewahrt. 1842 gehörte die Brennerei zum Gut der Adelsfamilie Wilhelm von Jena. 1933 wurde sie von der Brennereigenossenschaft übernommen. Bis in die 1970er-Jahre war die Brennerei in Betrieb.

Der westliche Teil des Gebäudekomplexes soll weiterhin als Wohnraum genutzt werden. Es gibt bereits Interesse von potenziellen Mietern.

Im Amtsgericht Strausberg waren mehrere Termine zur Zwangsversteigerung angesetzt. Der vorherige Besitzer hatte zwar große Pläne, konnte sie aber wegen einer geplatzten Finanzierung nicht in die Tat umsetzen. Monatelang wurde kein passendes Gebot abgegeben. Erst beim dritten Termin kam es schließlich zu einem Vertragsabschluss.

Johanna Frohberg und Falk Richwien waren schon länger auf der Suche nach einem Objekt, das vielseitig nutzbar ist. Ein Besuch im beschaulichen Falkenberg hat das Paar letztlich überzeugt. "Es ist sehr ruhig hier, die Lage hat uns begeistert", sagt Johanna Frohberg.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG