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Ex-Mitglied der Hells Angels vermietete Unterkünfte für Flüchtlinge an den Landkreis - nun darf er nicht mehr

Notlösung oder plötzliche Panik

Ferienhäuser im Birkenwäldchen: Sechs wurden bis Mai für die Unterbringung von 36 Flüchtlingen genutzt.
Ferienhäuser im Birkenwäldchen: Sechs wurden bis Mai für die Unterbringung von 36 Flüchtlingen genutzt. © Foto: MOZ
Marco Marschall / 21.08.2015, 20:45 Uhr
Althüttendorf (MOZ) Frank Vacque will Flüchtlinge in Ferienhäusern am Grimnitzsee unterbringen. Sein Problem: Er ist vorbestraft und war Mitglied der Hells Angels. Ein Testlauf hat im Objekt in Althüttendorf längst stattgefunden - für den Landkreis nur eine Notlösung.

Im Herbst 2014 ziehen 36 Flüchtlinge in Häuser des Wald- und Seehotels am Grimnitzsee ein. Sie kommen aus Eritrea, Syrien, Serbien und der russischen Förderation. Bis 1. Mai können sie dort bleiben. Probleme gibt es laut Vermieter nicht. Im Sommer stehen die Wohnungen nicht zur Verfügung, da sie bereits im Vorjahr von Urlaubern gebucht wurden. Ab Oktober aber können sich Landkreis und Vermieter auch eine unbefristete Unterbringung vorstellen. "Der Landkreis war sehr zufrieden und ist auf mich zugekommen", sagt der 46-jährige Frank Vacque. Er bietet die Ferienunterkünfte nicht aus humanitären Gründen an. Der gebürtige Eberswalder weiß, wie man Geschäfte macht. In den 90er Jahren betreibt er mit gerade Mitte 20 mehrere Diskotheken. Im vergangenen Jahr pachtet er einen Teil des Hotelgeländes mit den Ferienhäusern vom Betreiber Ralf Müller (49), dem Schwager seiner Freundin. Das sichert beiden Einnahmen in der mäßigen Wintersaison.

Doch Frank Vacque ist niemand, mit dem man im Licht der Öffentlichkeit gern Geschäfte macht. 2000 wird er zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. "Völlig zurecht", wie er heute sagt. In den 90er-Jahren lässt er mehrere Diskotheken in Brand stecken. Auch Körperverletzung zählt zu seinen Vergehen.

Nach seiner Freilassung tritt er 2009 dem Rockerclub Hells Angels bei. Vor dreieinhalb Jahren steigt er wieder aus. Wegen räuberischer Erpressung, die er bis heute bestreitet, kommt er erneut ins Gefängnis. Für Vacque, der heute in Althüttendorf wohnt, ist klar: Sein Ruf war daran Schuld. Hinter den muss nun auch der Landkreis Barnim gekommen sein. Vacque ist überzeugt, dass dieser deshalb einen Rückzieher macht und keine Flüchtlinge mehr auf dem Gelände des Wald- und Seehotels unterbringen will.

Angeblich wurde eine Gefahrenbewertung des Objekts gemacht. Dass es die tatsächlich gibt, bestätigt Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß auf Anfrage der MOZ. Was drin steht? "Interna", so die Sprecherin. Um bauliche oder andere Mängel der Anlage gehe es aber nicht. Bleibt eigentlich nur noch die Person Frank Vacque selbst. Die Bewertung der Polizei sei für den Kreis aber nicht bindend. "Die Entscheidung trifft der Landkreis", sagt Cotte-Weiß.

Der will offenbar nicht in Verruf geraten, mit einem Kriminellen Geschäfte zu machen. Doch aussprechen will das niemand. Beim Objekt Wald- und Seehotel in Althüttendorf habe es sich um eine "Notvariante" gehandelt, die nun nicht mehr benötigt wird, heißt es aus dem Büro des Landrats. Nur einen Kilometer entfernt sind im April 90 Flüchtlinge im ehemaligen Kinderferienlager der Stadt Leipzig untergebracht worden. Die Bungalowanlage gehört zu Joachimsthal und liegt ebenfalls am Grimnitzsee. "Die Umbaumaßnahmen zur qualifizierten Betreibung wurden schneller umgesetzt als geplant. Bis Jahresende können dort 115 Personen untergebracht und betreut werden", lautet der Kommentar aus dem Landratsamt. 605 Flüchtlinge müssen in diesem Jahr noch im Barnim aufgenommen werden. Für Frank Vacque war angesichts dieser Notlage klar, dass beide Objekte am Grimnitzsee nebeneinander betrieben werden sollten. "Vor drei Wochen wollte der Kreis mit mir noch eine Umnutzung der Ferienhäuser als permanente Wohnungen beim Bauamt beantragen", sagt er.

Den Pachtvertrag mit Ralf Müller hat Vacque mittlerweile beendet. Der Hotelbetreiber, der nicht vorbestraft ist, will nun selbst an den Landkreis vermieten. Eine klare Absage habe er bis heute nicht erhalten, sagt er.

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