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Gersdorfer Kirche ist ein Ort vielfältiger Begegnungen / Erhaltung des historischen Gebäudes beschäftigt Kurmarkverein

Musik und Kunst zwischen Granitmauern

Sonaten auf dem Barockcello: Ludwig Frankmar zu Gast in der Gersdorfer Kirche am vergangenen Freitag. Zusammen mit Pfarrerin Jutta Biering, die eigene Texte rezitierte, begeisterte der gebürtige Schwede das Publikum.
Sonaten auf dem Barockcello: Ludwig Frankmar zu Gast in der Gersdorfer Kirche am vergangenen Freitag. Zusammen mit Pfarrerin Jutta Biering, die eigene Texte rezitierte, begeisterte der gebürtige Schwede das Publikum. © Foto: MOZ/Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 26.08.2015, 06:42 Uhr
Gersdorf (MOZ) Handeln gegen den Verlust der Einzigartigkeit - unter diesem Motto hat Otto Schack vor 20 Jahren die Aktion "Rote Liste" initiiert. Seitdem kämpft er für die Erhaltung bedrohter Kleindenkmale. Die MOZ stellt sie in einer Serie vor. Heute geht es um die Gersdorfer Kirche.

Zwei dicke Linden zieren den kleinen Seiteneingang des nördlichen Anbaus der Gersdorfer Kirche. Zwischen den alten Gemäuern und den Bäumen bleibt nicht mehr viel Platz. Besonders im Sommer werden die ziegelroten Steine vom saftigen Grün überdeckt. So idyllisch es auch aussehen mag - Künstler Otto Schack sieht in den imposanten Gewächsen auch eine Bedrohung für das Bauwerk. Als Mitglied des Kurmarkvereins setzte er sich dafür ein, dass zumindest eine Linde am Osttor gefällt werden konnte. "Im vergangenen Jahr gab es diesbezüglich Diskussionen mit Naturschützern", erzählt Otto Schack. "Das Problem ist auch, dass die Gemäuer feucht werden können, wenn die Bäume zu wenig Luft heranlassen." Auch die Rinnen, durch die das Wasser vom Dach abfließen kann, haben ihre besten Tage bereits hinter sich.

Für den historisch bewanderten Künstler ist die Gersdorfer Kirche ein besonders schützenswertes Objekt. Staunend steht er vor dem Sandstein-Epitaph für den 1718 verstorbenen Carl Wilhelm Nikolaus von Roebel, seinerzeit Gutsherr und Patron der Gersdorfer Kirche. "Kunstgeschichtlich betrachtet ist das Epitaph sehr bedeutsam, ein Paradestückchen", sagt Otto Schack. "Aber es müsste mal restauriert werden." Der hölzerne Rahmen blättert schon ein wenig ab und die Schrift verliert nach und nach die Tiefe der Konturen. Aus Sicht des Kurmarkvereins soll das Epitaph in jedem Fall erhalten werden. Denn es sei wie eine "steinerne Chronik" der Geschichte, sagt Otto Schack.

Im Kirchenschiff gibt es weitere Schätze zu entdecken. Der hölzern gefasste Kanzelaltar, der mit beiden seitlichen Zugängen die gesamte Ostwand ausfüllt, stammt aus dem Jahr 1772. Die an der nordöstlichen Wand stehende achtseitige Sandstein-Taufe entstand im 19. Jahrhundert. Die Dorfkirche ist ein rechteckiger Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1699 bekam die Kirche den Westturm, der 1774 einen verbretterten Aufsatz mit Schweifhaube erhielt. Die Anbauten an der Nord- und Südseite der Kirche wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.

Das historische Granit-Mauerwerk, das die Kirche kühl und alt-erwürdig erscheinen lässt, wird durch moderne Kunst in hellen bunten Farben wieder zum Leben erweckt. Die Bilder stammen von der Künstlergruppe "Landgang", die regelmäßig ihre Werke in der Kirche ausstellt. "Wir freuen uns, dass die Kirche auf diese Weise verziert wird", erzählt Pfarrerin Jutta Biering. Durch die künstlerische Vielfalt ist das Gotteshaus nicht nur ein Ort der stillen Andacht und tröstender Worte, sondern bietet auch eine Bühne für Kunst und Kultur. Am vergangenen Freitag begeisterte der gebürtige Schwede Ludwig Frankmar mit seinen Cellosonaten, Jutta Biering rezitierte Texte.

Nicht immer ging es in Gersdorf so friedlich und besinnlich zu. Während des 30-jährigen Krieges wurde das Dorf und die Kirche zerstört. Vom Gotteshaus blieben nur die Feldsteinmauern mit der Plinte erhalten.

Carl Wilhelm Nikolaus von Roebel soll sich nach dem Krieg sehr um den Wiederaufbau der Gersdorfer Kirche bemüht haben. In erster Linie aber widmete er sich dem Kriegshandwerk. Siegestrophäen wie Fahnen, Schwerter und Hellebarden bilden den Rahmen für das Sandstein-Epitaph. "Allhier ruhet in Gott der hochwohlgeborene Herr, Herr Carl Wilhelm Nikolaus von Roebel", ist in den Stein graviert.

Als steinerne Chronik bezeichnet Otto Schack auch die Gräber auf dem von der Kirche betriebenen Friedhof auf dem Gelände. Doch auch diese Gräber laufen irgendwann ab. Damit dennoch eine Chronik der an diesem Ort begrabenen Personen erhalten bleibt, setzt sich der Kurmarkverein seit etwa zehn Jahren dafür ein, dass die alten Grabsteine nicht verschwinden, sondern aufbewahrt werden.

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