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Berliner Fahrlehrer kommt einmal pro Woche mit Schülern nach Dannenberg und füllt seine Vorräte auf

Tankstopp an der Milchtankstelle

Frisch gezapft: Norbert Vogel genehmigt sich mit Fahrschülerin Nadine Schulze einen Becher Milch. Der "Tankstopp" an der Dannenberger Milchtankstelle ist bei dem Berliner zum Ritual geworden.
Frisch gezapft: Norbert Vogel genehmigt sich mit Fahrschülerin Nadine Schulze einen Becher Milch. Der "Tankstopp" an der Dannenberger Milchtankstelle ist bei dem Berliner zum Ritual geworden. © Foto: MOZ/Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 10.09.2015, 06:54 Uhr
Dannenberg (MOZ) Für Norbert Vogel, der eine Fahrschule in Berlin-Weißensee betreibt, gehören die Orte entlang der B 158 zum Berufsalltag. Für seine Schüler sind die Sonderfahrten dagegen manchmal kleine Abenteuerreisen. Die Milchtankstelle Dannenberg wird regelmäßig angesteuert.

"Hier war ich noch nie", erzählt Fahrschülerin Nadine Schulze aus Berlin. "Interessant, dass es hier so etwas gibt." Für ihren Lehrer Norbert Vogel ist die Milchtankstelle Dannenberg eine feste Adresse. Der Blumberger betreibt eine Fahrschule in Berlin-Weißensee und schwört auf die Rohmilch mit dem hohen Fettgehalt.

Wenn es für seine Schützlinge auf ihren Sonderfahrten quer durchs Land geht, ist die Strecke über die Bundesstraße 158 geradezu prädestiniert, um den Stadtverkehr hinter sich zu lassen und die Herausforderungen der Landstraße zu meistern.

Auf der langen Strecke zwischen Berlin und Polen sind viele Fahrschulautos unterwegs, in den Orten links und rechts der großen Straße hingegen sieht man sie selten. Doch Norbert Vogel legt regelmäßige Tankstopps in Dannenberg ein. Dabei tankt er kein Benzin, sondern Milch. Seit knapp drei Jahren können Kunden täglich frische Milch selbst "zapfen". Ein Liter kostet einen Euro. Pfandflaschen können für einen Euro vor Ort gekauft werden. Es dürfen auch eigene Gefäße genutzt werden. Die Milch kommt direkt von den 160 Kühen des Betriebes und wird unbehandelt im Automaten gekühlt. "Solche Automaten kannte ich bis vor zwei Jahren nur aus Österreich und der Schweiz", sagt Norbert Vogel.

Sechs bis sieben Flaschen zapft er sich ab. "Das reicht genau für eine Woche - für meine Frau und mich." Aber auch die Enkelkinder lieben die frische Milch. "Diese kleinen Milchmonster", scherzt der Fahrlehrer. In der Familie wird die Milch meistens pur getrunken und eher selten zu anderen Lebensmitteln weiterverarbeitet. "Mir gefällt, dass die Milch unbehandelt ist und einen hohen Fettgehalt hat." "Das ist kein Vergleich zu der haltbaren Milch aus dem Supermarkt", sagt Fahrschülerin Nadine Schulze. Bevor es mit dem Auto weitergeht genehmigen sich die beiden noch einen Becher frische Milch. "Sehr lecker", sagt die 29-Jährige. Der Fettgehalt beträgt gut 3,6 Prozent, schwankt aber von Tag zu Tag ein wenig. Der aktuelle Fett- und Eiweißgehalt ist auf einer Tafel gegenüber vom Automaten notiert.

Die Milchviehanlage der Produktivgesellschaft Dannenberg stammt aus dem Jahr 1968. 150 Liter Milch kommen täglich direkt vom Melkstall in den Kühltank. Etwa fünf Prozent wird als Rohmilch über die Milchtankstelle verkauft. Der Rest geht an eine große Molkerei bei Dresden. Der Milchpreis ist gerade auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Für viele Landwirte ist die aktuelle Situation existenzbedrohend. Die Proteste häufen sich. Im Betrieb der Milchtankstelle sieht Geschäftsführer Jens Petermann eine Möglichkeit, das Problem des geringen Preises, den die Molkerei bezahlt, zumindest ein bisschen abzufangen. "Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, die Verbraucher haben, Milch zum fairen Preis zu kaufen", sagt Petermann. Dafür bekommen sie ein unbehandeltes Naturprodukt, das weder sterilisiert noch pasteurisiert ist.

Für Nadine Schulze ist klar: "Wenn ich meinen Führerschein habe, werde ich wiederkommen."

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