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Aus den Augen, aus dem Sinn?

März 2009: Werner Bader mit dem damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck vor der soeben enthüllten Fontane-Büste in Görne.
März 2009: Werner Bader mit dem damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck vor der soeben enthüllten Fontane-Büste in Görne. © Foto: MZV/Schmidt
Irene Krieger / 03.10.2015, 09:56 Uhr
Görne (MOZ) Nach einer Fülle kulturpolitischer Aktivitäten ist der Journalist und Autor Werner Bader 92-jährig am 4. Oktober 2014 gestorben. Er wurde an seiner letzten Wirkungsstätte in Kleßen-Görne begraben. Da er kein Testament hinterließ, fällt sein Anwesen im Ortsteil Görne an das Land, sofern sich nicht noch ein Erbe findet. Der Nachlassprozess dauert offenbar noch an. Denn laut Auskunft aus dem Finanzministerium ist die Immobilie noch nicht als sogenannte Fiskalerbschaft an das Land gefallen.

Werner Bader war bis zu seinem Tode äußerst aktiv im Havelland und im Land Brandenburg. So gründete er den Kulturförderverein Mark Brandenburg mit Sitz in Görne, dessen Vorsitzender er bis zu seinem Tode war. Unter dem neuen Vorsitzenden Michael Schönberg zog der Verein nach Premnitz um.

Die Idee zur Errichtung eines Birnengartens im Dorf Ribbeck, dem Fontane, durch sein Birnengedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" ein Denkmal gesetzt hatte, lieferte Werner Bader. Auf seine Anregung hin pflanzte dort jedes Bundesland einen Birnenbaum und auf Anregung des Landrats Burkhard Schröder wird in diesem Jahr dort schon nach großem Erfolg im Vorjahr nun das zweite Birnenfest gefeiert. Die Birne steht am 4. Oktober von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Mittelpunkt.

Nach der politischen Wende war Werner Bader mit seiner Frau nach Görne in die Lindenstraße gezogen, nachdem er etwa 30 Jahre lang in Köln als Journalist bei der Deutschen Welle gearbeitet hatte. Das heutige 150-Seelen-Dorf, in dem die Bredows Anfangs des 18. Jahrhunderts eine kleine Fachwerkkirche und später auch ein Gutshaus errichten ließen, wurde zwei Mal von Fontane besucht, um Material über das Adelsgeschlecht zu sammeln.

Vor dem Herrenhaus, das längst leer steht, ließ Werner Bader 2009 eine Fontane-Bronzebüste aufstellen. Und dort wird an Baders erstem Todestag, ebenfalls 4. Oktober, der Kulturförderverein an seinen Gründer erinnern. Beginn ist um 14.00 Uhr.

Werner Bader war ehrenamtlicher Stadtschreiber von Spremberg, denn er war in Haidemühl, einem Ort der wegen darunter lagernder Braunkohle abgebaggert und 2006 in Spremberg neu entstanden ist, geboren. Er schrieb zahlreiche Artikel über die Stadt und erhielt 2012 die Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die Stadt Spremberg. Auf seinem Grundstück in Görne lag ein Backstein seines nicht mehr existierenden Elternhauses.

In dem ehemaligen Kuhstall neben seinem Haus in Görne, besser als Grafenstall bekannt, gründete er die Leserast. In mehr als 10.000 gesammelten Büchern konnte der Besucher bei Kaffee und Kuchen schmökern, so lange er Lust hatte. Der Inhalt der Scheune gehört nun dem Kulturförderverein, doch die Scheune muss geräumt werden. Was aus den Büchern werden soll, steht noch in den Sternen. Sie stehen im Anschluss an die Gedenkveranstaltung am Sonntag zum schalen Taler zum Verkauf.

Darüber hinaus recherchierte Kultur- und Literaturfreund Werner Bader 142 Brandenburger Schriftsteller und sammelte deren Bücher, darunter mehrere Erstausgaben. Das gab ihm die Idee zu einer Märkischen Dichterstraße, die durch Brandenburg zu den Geburts- und Wirkungsstätten der Schriftsteller und nach Görne führen sollte. Zum Zeitpunkt der Idee war Bader bereits knapp 90, dennoch warb er unermüdlich für sein Projekt.

Frankfurt/Oder mit Heinrich von Kleist, Cottbus mit Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Neuruppin mit Theodor Fontane, Rheinsberg mit Kurt Tucholsky, Lehnitz mit Friedrich Wolf, Erkner mit Gerhart Hauptmann oder Nennhausen mit Friedrich de La Motte Fouqué waren für das Projekt prädestiniert. Das Interesse wuchs in den Kommunen, die Zahl der Bücher auch. 700 Bände - extra verpackt - befinden sich im Besitz des Kulturfördervereins, der sie in Premnitz ausstellen will. Auch alle Jahrgänge ab 1950 des Magazins Der Spiegel sind vorhanden.

Werner Bader initiierte einen Kinder-Malwettbewerb über "Schlösser, Burgen, Herrenhäuser in Brandenburg - ihre Geschichten, Sagen, Märchen & Geister". Der Kulturverein stellte die entstandenen Arbeiten in der Rathenower Sankt-Marien-Andreas-Kirche aus, was zu einem großen Erfolg wurde.

Bader war auch künstlerischer Nachlassverwalter von Gustav Büchsenschütz, der das bekanntes märkische Lied 1923 in der damaligen Jugendherberge Wolfslake bei Neu-Vehlefanz gedichtet hatte. "Märkische Heide, Märkischer Sand sind des Märkers Freude, sind sein Heimatland" - das wird überall im Land Brandenburg gesungen. Es ist längst die inoffizielle Hymne. Kurz vor seinem Tode hatte Büchsenschütz noch eine Strophe für ein geeintes Bundesland Berlin-Brandenburg angefügt: "Steige hoch du roter Adler, und reich dem Bär die Hand, lass' uns gemeinsam wieder wandern durchs schöne Brandenburger Land".

Im Jahr 2013 veröffentlichte Bader ein Buch über "Steige hoch du roter Adler". Anfang 2014 protestierte er gegen den weißen Adler im Plenarsaal des Landtags des neu gebauten Stadtschlosses in Potsdam.

Im Jahr 2010 hatte Werner Bader den Verdienstorden des Landes Brandenburg und zwei Jahre später das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern erhalten, nachdem ihm in den Jahren 1982, 1987, und 1993 die vorigen Stufen verliehen worden waren. Sowohl Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe als auch sein Nachfolger Matthias Platzeck besuchten wegen Werner Bader das Dorf Görne. Sogar der damalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, weilte beim märkischen Kulturförderer. Natürlich auch Kulturstaatssekretär Martin Gorholt.

Wieso ein umtriebiger und des Schreibens so kundiger Mann wie Bader kein Testament hinterließ, wird ein Rätsel bleiben. Die Immobilie fällt an das Land, wenn sich kein Erbe findet. Prominente Besucher wird es im Dorf wohl so schnell nicht mehr geben.

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