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In Görlsdorf verwurzelt

Erinnerung pflanzen: Marikka Wittek und Gerhard Schwanebeck setzen eine Blutbuche im Park.
Erinnerung pflanzen: Marikka Wittek und Gerhard Schwanebeck setzen eine Blutbuche im Park. © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 08.10.2015, 06:12 Uhr
Görlsdorf (MOZ) Wenn dieser Baum weiten Schatten spendet, werden die, die ihn gepflanzt haben, nicht mehr sein. Ein Angermünder Paar hat aus Liebe zum Görlsdorfer Lenné Park eine Blutbuche und damit auch Erinnerung für ihre Kinder und Enkel gepflanzt. Die Idee könnte Nachahmung finden.

Wenn man bis hierher gewandert ist, ticken die Uhren schon langsamer, ist der Alltag ausgeschaltet. Es ist ein Ort, wo sich Vergangenheit und Zukunft umarmen, umgeben von Stille und sattem Grün. Eine einsame Bank lädt zum Verweilen, der Blick kann schweifen, den Weg hinauf zum Teepavillon, über die Wiese zu den uralten Eichen, um dann an der Blutbuche Ruhe zu finden.

Die ist noch ganz jung, geradezu winzig neben den mächtigen 200 Jahre alten Baumveteranen. In diesen fast magischen Ort haben sich Andreas und Marikka Wittek aus Angermünde verliebt und sich hier buchstäblich verwurzelt. Sie spendeten und pflanzten einen Baum, eine Blutbuche. "Wir spazieren sehr oft durch diesen wunderschönen Park. Und wir möchten deshalb bei der Erhaltung und Weitergestaltung mithelfen", berichtet Andreas Wittek.

Diese Faszination kann Gerhard Schwanebeck nur zu gut nachempfinden, denn die treibt ihn seit vielen Jahren an, das natur- und kulturhistorische Kleinod in Görlsdorf zu retten, ihm wieder seine alte Handschrift des berühmten Landschaftsgestalters Joseph Peter Lenné zurückzugeben und zu erhalten. 2003 gründete er mit anderen Mitstreitern den Verein der Freunde des Görlsdorfer Lenné-Parks, dessen Vorsitzender er ist. Was der Verein gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern und Teilnehmern aus verschiedenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in den Jahren aus dem verwilderten 100 Hektar großen Gelände gemacht hat, reicht dem alten Lenné sehr zu Ehren. Nach seinen Ideen, Park und Landschaft fließend miteinander zu verbinden, wurden Wildwuchs entfernt, Sichtachsen freigelegt, Wege und Brücken gebaut, Bäume nachgepflanzt.

Gerhard Schwanebeck schätzt, dass bisher vielleicht ein Drittel der Fläche wieder in einen Park verwandelt wurde. "Das Problem dabei ist, je mehr wir freilegen, desto mehr müssen wir auch pflegen. Die Arbeit hört nie auf", sagt Gerhard Schwanebeck, der trotz Krankheit unermüdlich selbst mit anpackt und mit Herzblut und Fachkompetenz Besucher durch die Görlsdorfer Perle führt. Herzstück des Parks ist der Teepavillon, der auf den Fundamenten seines historischen Vorbildes auf einem Hügel neu errichtet wurde und nun ein willkommener Ort zum Verweilen bei Führungen oder Veranstaltungen ist. Es ist übrigens in ganz Brandenburg der einzige ovale Pavillon mit zwei Türmchen, hatten Landesdenkmalpfleger herausgefunden.

Rund um diesen Pavillon als das Zentrum des Parks ist die alte Pracht bereits sichtbar wieder hergestellt. Freiwillige Helfer und MAE-Kräfte der MAQT sind derzeit dabei, eine weitere Fläche in Richtung Welse von Wildwuchs zu beräumen. Schwanebeck vermutet unter dem Gestrüpp verborgen eine alte Sichtachse vom Rundweg an der Welse zum Pavillon, die dann auch freigelegt werden soll.

Und eben dort wird die junge Blutbuche von Familie Wittek noch in 100 oder 200 Jahren als markanter Blickpunkt getreu Lennés Intentionen zum Innehalten anregen. "Lenné hatte an Stellen, wo er Aufmerksamkeit auf etwas Besonderes lenken wollte, auch ungewöhnliche Solitärbäume gepflanzt, wie den berühmten Bänderbaum. Die Blutbuche ist ebenso besonders", erklärt Gerhard Schwanebeck.

Nach und nach muss der Verein alten Baumbestand verjüngen. Die Mittel in der Vereinskasse sind begrenzt. "Wir freuen uns besonders, wenn wir so schöne private Unterstützung bekommen", freut sich der Vereinsvorsitzende.

Marikka und Andreas Wittek treibt neben der Unterstützung des Vereins auch eine andere Motivation: "Wir wollten einen etwas anderen bleibenden Ort erschaffen, an dem sich unsere Kinder und Enkel an uns erinnern können."

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