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MOZ-Serie Märkische Bäume (17): Die Winter-Linde gedeiht im Revier Triebsch in der Nachbarschaft von Eichen und Hainbuchen

Die Haarfarbe macht den Unterschied

Anke Beißer / 14.10.2015, 18:42 Uhr
Hartmannsdorf (MOZ) Im märkischen Sand wächst ein Baum besonders gut - die Kiefer. Der genügsame Nadelbaum dominiert die Wälder der Region. Dennoch fallen bei Spaziergängen immer wieder andere imposante Bäume auf. Eine MOZ-Serie stellt einige vor. Heute: die Winter-Linde.

Linden sind traditionell eher in Ortschaften und als Straßenbaum bekannt, sie gedeihen aber auch in so genannten Eichen-Hainbuchen-Gesellschaft, wie Michael Kraft, Förster für das Revier Triebsch bei Hartmannsdorf erläutert. Als Beispiel präsentiert er drei kerzengerade gewachsene Exemplare. Zwar hat der Herbst reihum schon kräftige Farbe verteilt - vor allem die Roteichen stechen prächtig hervor. Das Winter-Linden-Trio aber bildet noch ein saftig grünes Dach in rund 25 Metern Höhe. Trotzdem liegt am Boden schon abgeworfenes Laub, teilweise grün. "Es gibt kaum bessere Nährstofflieferanten" sagt der Forstwirt und rät, statt es zu entsorgen, es auch für Haus und Garten in jedem Fall zu kompostieren.

Das sehr gut zersetzbare Blattwerk wird vergleichsweise rasch zu Humus und versorgt die Bäumen mit dem, was sie brauchen. "Jede Baumart hat ihre eigene Überlebensstrategie." Zu denen der Winter-Linde - deren Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien reicht - gehöre, dass sie auch mit der Rinde atmen können. Und dass sie sich, eben dank des eigenen Laubes, auch auf vergleichsweise armen Böden wohl fühlen kann.

Die Winter-Linde wurde im Zuge des Waldumbaus in den 1990er-Jahren im Brandenburgischen viel gepflanzt. Sie ertrage Schatten und liefere Boden verbessernde Streu, nennt Michael Kraft zwei Pluspunkte. "Die Euphorie von damals ist aber abgeklungen, das sie schon etwas bessere Standorte braucht." Heutzutage würden eher auch Eichen gesetzt. Im Revier Triebsch aber sorgt die Winter-Linde selbst für ihren Fortbestand, lässt ihre Samen als Drehflügler zu Erde sinken. Dank der Natur-Verjüngung gibt es in unmittelbarer Nähe des Trios ein dichtes Lindengebüsch.

Aber ist das die gleiche Baumart, die zahlreiche Straßen säumt, Dorfplätze als Tanzlinde schmückt? Möglich, aber das könnten auch Sommer-Linden sein, das eher im mediterranen Raum beheimatete Geschwister-Gehölz. In Form und Größe sehr ähnlich, unterscheidet sie sich sichtbar vor allem in einem Detail, das Kraft augenzwinkernd wie folgt beschreibt: Es gehe um die kleinen Härchen an der Schnittstelle von Stiel und Blatt. Die Winter-Linde habe braune, weil in der kalten Jahreszeit eher dunkle Wäsche getragen wird. Die weißen gehörten dementsprechend zur Sommer-Linde.

Der Nutzen der Winter-Linde, die übrigens bis zu 1000 Jahre alt werden kann, liegt vor allem in ihren Heilkräften. Zudem gilt sie als beliebte Bienenweide. Weil das Holz sehr weich und leicht ist, ist es für die Möbelherstellung eher ungeeignet, findet lediglich in der Plattenindustrie Verwendung. Trotzdem ist es im Alltag vielerorts präsent. "Es ist ein beliebtes Schnitzholz. Unsere Kirchen sind voll davon", erzählt er und verweist auf viele Altäre. Zudem wurden früher daraus Prothesen hergestellt.

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