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Sommerlicher Farbtupfer im Herbst

Langersehntes Kunstwerk: Reinhard Ekelmann (r.) und Ferdinand Heise gefällt, was Marco Brzozowski (l.) mit seinen Sprayfarben innerhalb von drei Tagen gezaubert hat. Hier fehlte noch der Schriftzug "Briest".
Langersehntes Kunstwerk: Reinhard Ekelmann (r.) und Ferdinand Heise gefällt, was Marco Brzozowski (l.) mit seinen Sprayfarben innerhalb von drei Tagen gezaubert hat. Hier fehlte noch der Schriftzug "Briest". © Foto: MOZ/Unger
Kerstin Unger / 04.11.2015, 06:34 Uhr
Briest (MOZ) Das triste, graue Herbstkleid von Briest hat einen bunten Farbtupfer bekommen. Der Fassadenkünstler Marco Brzozowski hat ihn nach den Vorstellungen der Einwohner gestaltet.

Der graue Kasten an der Ortsdurchfahrt hat die Briesterschon seit Längerem gestört. Er gehört zur Solaranlage eines privaten Investors, die 2012 auf die Fläche an der Kurve gesetzt wurde. "Er sollte eigentlich an eine andere Ecke kommen. 2013, zur 725-Jahr-Feier, wollten wir den Schandfleck weghaben. Wir mussten aber bis jetzt warten. Das Geld war nicht da", erzählt Reinhard Ekelmann, der damals Ortsvorsteher war. Der Betreiber der Solaranlage sei gebeten worden, sich zur Hälfte an den Kosten zu beteiligen, habe aber nicht reagiert.

Jetzt ist der Wunsch der Briester in Erfüllung gegangen. Marco Brzozowski hat in der vorigen Woche innerhalb von drei Tagen aus dem tristen Klotz ein Kunstwerk gemacht. In kräftigen Farben strahlen jetzt Kornblumen und Klatschmohn an den Wänden. "Das passt zur uckermärkischen Landschaft und soll ja der Allgemeinheit gefallen", sagt der 31-Jährige aus Brandenburg an der Havel. Seine Kunden äußern bei derartigen Projekten ihre Vorstellungen, er liefert die Entwürfe zur Auswahl. Das Motiv scheint bei den Dorfbewohnern angekommen zu sein. Während der Künstler arbeitete, schauten ihn öfter Neugierige über die Schultern. "Wir sind insgesamt mehr als zufrieden. Zum Schluss ging alles zügig", freute sich Reinhard Ekelmann. Dieses letzte Projekt wollte er als Ortsvorsteher unbedingt noch durchkämpfen.

Mit seiner Frau sowie Ferdinand Heise vom Bauamt des Amtes Oder-Welse bedankte er sich bei dem Künstler an dessen letztem Arbeitstag. Zu dieser Zeit fehlte lediglich noch der kunstvolle Schriftzug "Briest".

Marco Brzozowski hat schon an mehreren Orten in der Uckermark seine Kunstwerke hinterlassen. Vor allem in Schwedt, wo er in diesem Jahr einen ganzen Häuserblock gestaltet hat. Er arbeitete dort für Wohnungsunternehmen und die Stadtwerke. Eines der größten Auftragswerke war das "Monument der Elektrizität" mit rund 1000 Quadratmetern, das er mit zwei Kollegen zum 750. Stadtgeburtstag Schwedts gestaltete. In Angermünde verschönerte er den Giebel eines Blocks der Wohnungsgenossenschaft Uckermark in der Templiner Straße.

Der gelernte Mediendesigner hat sich Objektart und Fassadenkunst autodidaktisch beigebracht, macht das seit acht Jahren hauptberuflich, ist gut beschäftigt und kann davon leben, erzählt er. Schon als Junge sei er vom Sprayen fasziniert gewesen, was er auch in der Schule ausprobiert habe. "Zum Glück bin ich beizeiten erwischt worden. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre", meint er.

Er hatte Lust, schöne Bilder zu gestalten und schon mit 16 Jahren seine ersten Bilder auf Leinwand verkauft. Später unterrichtete er Schüler.

Seine nächsten Projekte sind Innenraumarbeiten, zum Beispiel in einer Berliner Rückenklinik und in Garagen, wo er "heiße Öfen" auf Wände zaubert. Für Arbeiten im Freien werde es nun zu ungemütlich und außerdem sowieso auch früher dunkel. Aber im nächsten Jahr, so sagt er, wird man ihn auch in der Uckermark wieder sehen.

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