Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ende der Mescheriner Maifeier

Blasmusik gehörte zum Standardprogramm der Maifeier in Mescherin: Zu den Besuchern der vergangenen Jahre zählten Minister und Bundestagsabgeordnete, polnische Gäste und zahlreiche linke Initiativen, Vereine und Organisationen.
Blasmusik gehörte zum Standardprogramm der Maifeier in Mescherin: Zu den Besuchern der vergangenen Jahre zählten Minister und Bundestagsabgeordnete, polnische Gäste und zahlreiche linke Initiativen, Vereine und Organisationen. © Foto: Paul Lötzke
Oliver Schwers / 06.11.2015, 06:24 Uhr
Mescherin (MOZ) Das große Mai-Fest in Mescherin ist Geschichte. Nach 25 Jahren und tausenden Besuchern wird es 2016 keine Neuauflage am Tag der Arbeit geben. Das hat der Kreisvorstand der Uckermark-Linken entschieden. Ursachen sind Personalmangel und immer höhere Auflagen.

Es war eines der größten Feste im Landkreis und auch eines der ältesten. Jeweils am 1. Mai rollten Autos aus der gesamten Uckermark in das beschauliche Mescherin. Direkt an der Oder feierte die Linke mit ihren Mitgliedern und vielen Gästen, mit Politprominenz, mit der Gewerkschaft und den Einwohnern den Tag der Arbeit. 25 Jahre lang.

Nun ist Schluss. "Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören", sagt Heiko Poppe, Kreisgeschäftsführer der Linken in der Uckermark. Er meint es doppeldeutig. Der Kreisvorstand der Partei hat auf seiner jüngsten Beratung entschieden, das Friedensfest nicht weiterzuführen. "Der Vorstand hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht", so Poppe. "Bereits in den vergangenen Jahren wurde es für uns immer schwieriger, dieses Fest in der gewohnten Qualität abzusichern."

Was musste passieren, dass die Linken den entscheidenden Höhepunkt des Kreisverbands nach einem Vierteljahrhundert aufgeben? "Wir hatten schon diesmal so viele Auflagen wie in den vergangenen 24 Jahren nicht", erklärt Heiko Poppe frustriert. "Durch den Ortsvorsteher von Mescherin wurde sogar veranlasst, unsere Plakate abzunehmen. Während andernorts jedes Dorffest von der Verwaltung unterstützt wird, geht es mit dem Dorf Mescherin zusammen gar nicht."

Außerdem gehen der Linken gerade hier in der Region die Mitstreiter aus oder sie werden immer älter. Drei Leute hatten in der Vergangenheit die Vorbereitungen für die Polit-Fete in ihren Händen. Schon das war ein Kraftakt. Nun sind gleich zwei Ehrenamtler ausgefallen. Aufgrund der äußerst schwierigen Parksituation im Dorf, die schon in den Vorjahren bei Anwohnern zu berechtigtem Ärger geführt hatte, sind inzwischen auch mehr Ordner und Parkplatz-Einweiser für die Gäste erforderlich.

"Wir haben die Entscheidung lange vor uns hergeschoben", berichtet der Kreisgeschäftsführer. In vier Sitzungen diskutierte der Kreisvorstand über die Zukunft der Maifeier. "Doch wir haben einfach nicht mehr die Leute zur Absicherung einer so großen Veranstaltung." Auch finanziell kann die Partei nicht mehr Geld hinzuschießen, um mehr Leistungen anstelle des Ehrenamts einzukaufen. Rund 6000 Euro kosteten Technik, Bühne, Beschallung und sonstiger Aufwand sowie das Kulturprogramm schon jetzt.

Abstriche an den Inhalten wollte die Linke nicht machen. Es sollte weiter eine Mischung aus Kultur, Unterhaltung und politischer Information sein. "Die Entscheidung tut uns selbst am meisten weh", sagt Heiko Poppe. "Und glücklich ist damit auch keiner."

Wie Mescherin mit der Sache umgeht, bleibt abzuwarten. Auch andernorts ist innerhalb der Organisationsstruktur der Partei keine zusätzliche Veranstaltung auf die Beine gekommen. Also mussten die Mitglieder aus dem Raum Prenzlau und Templin weite Wege in Kauf nehmen. An welcher Stelle der Kreisvorstand den Tag der Arbeit künftig begehen will, steht in den Sternen. Es gibt noch keinen Plan.

"Vielleicht findet sich ja auch in Mescherin ein neuer Betreiber oder eine Initiative", meint Heiko Poppe. "Wir jedenfalls bedanken uns bei allen, die kamen, und bei allen, die geholfen haben, für die langjährige Treue."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Volker Schmidt-Roy 06.11.2015 - 09:00:16

Schade

Als Mescheriner bedaure ich die Entscheidung der Linken, sehr sogar. Unser Dorf hatte damit lange Jahre eine große Veranstaltung mit ordentlicher Außenwirkung. Es gab gute Synergien mit dem gleichzeitig stattfindenden Reitertag und Anfang Mai herrschte immer gute Laune. Aber entgegen der Äußerung von Heiko Poppe war es eben kein Dorffest. Es war immer eine Parteiveranstaltung (in zugegeben wunderschöner Umgebung) zunächst der PDS und dann der Linken, welche sich den Charakter eines Volksfestes gab. Ich kenne auch keine andere Partei welche außerhalb der Wahlsaison unbeschadet über 40 Original-Wahlplakate in Orten verteilt. Es ist einfach erbärmlich, das Abhängen der Wahlplakate als weiteren Grund für die Beendigung zu nennen. Aber jedem Ende wohnt ein kleiner Anfang inne.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG