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Schlussstrich unter Kapitel Oderschrott

Unter maroden Dächern: Müll lagert seit 1991 in der ehemaligen Jungrinderanlage, die bis 1990 in Betrieb war. Der dort seitdem gehortete Abfall soll nun entsorgt werden. Reifen, Bauschutt und Hausmüll gehören dazu.
Unter maroden Dächern: Müll lagert seit 1991 in der ehemaligen Jungrinderanlage, die bis 1990 in Betrieb war. Der dort seitdem gehortete Abfall soll nun entsorgt werden. Reifen, Bauschutt und Hausmüll gehören dazu. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 10.11.2015, 06:37 Uhr
Groß Pinnow (MOZ) Die Deponie Friedrichsthal ist eine der schlimmsten illegalen Mülldeponien. Minister Jörg Vogel-sänger hat dort am Montagnachmittag die symbolische erste Baggerschaufel für die ersehnte Sanierung gefüllt. Damit zeichnet sich für einen der größten Umweltskandale im Land Brandenburg ein Ende ab.

Im Wald bei Groß Pinnow und in schönster Nachbarschaft zum Nationalpark Unteres Odertal befindet sich eine der größten Deponien des Landes Brandenburg. Rund 54 000 Kubikmeter Altlasten lagern dort seit Jahren ungeschützt: Schrott, Bauabfälle und Berge von Altreifen.

Der zur Sicherung dienende Zaun, der einst durch das Umweltministerium finanziert worden war, wurde gestohlen. Kriminelle Akte gehören seit 1991 zur Geschichte dieses 22 Hektar großen Geländes. Es ist als Mülldeponie Friedrichsthal und in Verbindung mit der Firma Oderschrott seit 1998 wiederholt in die Schlagzeilen geraten.

Endlich soll das berüchtigte Mülllager sachgerecht beräumt werden. Das Land Brandenburg stellt dafür mehr als 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Umweltminister Jörg Vogelsänger war für den symbolischen Akt des Baubeginns extra auf diese Deponie gekommen: "Die Entscheidung, hier für das Beräumen öffentliche Gelder einzusetzen, war richtig. Die Mittel sind gesichert, auch wenn es schmerzt, dass wir sie für die Beseitigung krimineller Machenschaften einsetzen müssen."

Vogelsänger spielte damit auf die Geschichte dieses Geländes an, die sich zu einem Umweltskandal ausweitete und den jetzt der Steuerzahler ausbaden muss. In den Dörfern des Amtes Gartz diskutiert man das in Sportvereinen und Familien, dass die kriminellen Entsorger nie gefasst werden konnten, ihren Reibach gemacht haben aber ihre Hinterlassenschaften nun auf Kosten von Otto Normalbürger beseitigt werden müssen.

Der Skandal ist: Mehrere Firmen, darunter die berüchtigte Oderschrott GmbH, haben den Müll dort gelagert, ohne ihn zu entsorgen. Abkassiert haben sie aber trotzdem. Nach mehreren Pleiten sind die Firmen verschwunden. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten der Müllmafia nicht habhaft werden.

"Dass wir hier mit öffentlichen Geldern helfen, ist eine politische Entscheidung. Außerdem haben wir gemerkt, dass die Region Gartz an einem Strang zieht", sagte der Minister. Er lobte den Mut der Gemeinde Hohenselchow/Groß Pinnow, das belastete Gelände zu erwerben, und die Kooperation mit dem Landkreis Uckermark.

Die kleine Gemeinde im Amt Gartz hat das Oderschrott-Gelände bei Zwangsversteigerungen für 240 000 Euro erworben. Damit waren die Eigentumsverhältnisse klar - aber auch das Risiko. Jetzt hatte die Gemeinde den Schwarzen Peter. Doch Bürgermeister Norbert Dittmann sieht das anders. "Wir haben pro Jahr rund 70 000 Euro für Feuerwehreinsätze ausgegeben. Der Erwerb rechnet sich. Das größte Problem waren doch die Altreifen. Sie brannten ja nie von allein, aber zufällig immer dann, wenn große Trockenheit herrschte. Den Förstern und Landwirten standen die Haare zu Berge. Wir freuen uns, dass wir als erstes die brennbaren Teile wegkriegen."

Norbert Pfeiffer ist Abteilungsleiter der mecklenburgischen Abbruchfirma Dörner. Sie hat den Auftrag der Beräumung in einem öffentlichen Verfahren erhalten. "Wir sind schon ein paar Tage hier und auf dem besten Weg, ein vernünftiges Bauvorhaben abzuwickeln", sagte er. Weitere Firmen wie die Schwedter TSH werden den Beton aufarbeiten und für den Straßenbau wiederverwertbar machen.

Überwacht werden sämtliche Arbeiten vom Eberswalder Ingenieurbüro UWEG. Mitarbeiter Rudi Knappe erläuterte: "Wir kontrollieren, dass die Abfälle nach Gesetz demontiert und entsorgt werden und rechnen mit einer Abrisszeit bis Juni 2016." Förster Jörg Kabelitz würde dann am liebsten Bäume pflanzen.

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