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Heiko Seibt ist Klavierstimmer in dritter Generation / In Carzig betreibt er Pianohaus mit Laden und Werkstatt

Er sorgt für den richtigen Klang

In der Werkstatt: Fachmann Heiko Seibt arbeitet an einer Klaviertastatur.
In der Werkstatt: Fachmann Heiko Seibt arbeitet an einer Klaviertastatur. © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 15.11.2015, 08:13 Uhr
Carzig (MOZ) Seit über hundert Jahren und über drei Generationen gibt es Piano-Seibt, seit 1999 mit Laden und Werkstatt ansässig in Carzig, später auch in Frankfurt. Und in der Werkstatt erklingen nicht nur reparaturbedürftige Instrumente. Mit den Werkstattnächten gibt es interessante Kulturangebote.

Waagebalkenstifte und Pilote, Repetierschenkel und Stoßzungen, Hammerstiele und Hammerköpfe - ein Laie versteht wenig, wenn Klavierstimmer Heiko Seibt seinen Beruf erklärt. Der 48-Jährige, der aus einem seiner Werkstattfenster auf die Reste der Carziger neugotischen Backsteinkirche schauen kann, lebt und liebt seinen Beruf.

Seit mehr als hundert Jahren und über drei Generationen gibt es Piano-Seibt. Mit Opa Georg, der ab 1911 in Görlitz ein Pianomagazin mit Reparaturwerkstatt besaß, fing alles an. "Wir Seibt`s haben fast alle Musik im Blut", erzählt Heiko Seibt. In Frankfurt, wo der gebürtige Berliner ab dem fünften Lebensjahr Kindheit und Jugend verbrachte, war Vater Wolfgang im Philharmonischen Orchester Cellist, Mutter Heide Cellistin. Das Philharmonische Orchester entstand 1971 aus der Zusammenlegung des Orchesters des Kleist-Theaters und des Frankfurter Orchesters - der Vorgänger des Brandenburgischen Staatsorchesters. Das übrigens seit 1991 mehr als zwanzig Jahre lang von Heiko Seibt betreut wurde. Gearbeitet wird jetzt für die Stiftung Schloss Neuhardenberg, fürs Konservatorium Cottbus und für die Musikschulen in Eisenhüttenstadt und Frankfurt, um nur einige Beispiele zu nennen.

"Ich lernte ab 1983 den wirklich sehr schönen Beruf eines Klavierbauers. Im VEB Möbelfabrik im thüringischen Eisenberg." 200 Beschäftigte arbeiteten zu DDR-Zeiten in diesem Betrieb, den 7000 Klaviere pro Jahr verließen, meist für den Export und gegen harte Währung. Klaviere in der DDR waren Mangelware!

Viel gelernt, erzählt der Vater zweier Kinder, habe er nach der Ära Eisenberg im Praktikum bei der Firma August Förster. Das Unternehmen wurde bereits 1859 im sächsischen Löbau gegründet. Ab 1972 ging die DDR-Fabrik im VEB Flügel- und Pianobau Löbau auf. Seit 1991 ist das Unternehmen wieder in Familienbesitz. Heiko Seibt erzählt, wie er als Klavierstimmer die Spannung der Saiten reguliert und so die Töne harmonisch aufeinander abstimmt. Hinzu kämen sonstige Servicearbeiten vorwiegend beim Kunden und im Konzertbetrieb wie die Optimierung der Intonation (des Klanges) durch Bearbeiten der Hammerfilze, das Aufziehen neuer Saiten und die Regulierung der Klaviermechanik. Der Fachmann erklärt, dass ein Klavier bis 250, ein Konzertflügel bis 500 Kilo wiegen kann.

Die Blütezeit der Klavierbauer war um 1900. Mit dem Grammophon in den 1920er-Jahren kam die große Konkurrenz.

In das alte Backsteinhaus in Carzig hat sich Heiko Seibt Ende der 1990er-Jahre verliebt. "Meine Lebensgefährtin und ich zogen hier im Juni 1999 ein." Im selben Jahr gründete er dort sein Pianohaus Seibt "mit Laden und eigener Werkstatt mit ständigen Vertretungen der Firmen August Förster, Rönisch und Irmler", wie er auf seiner Internet-Plattform erklärt. "Zwölf Jahre haben wir als Familie hier gelebt. Doch ein Umzug nach Frankfurt - keine 20 Autominuten von hier entfernt - wurde notwendig. Die Kinder kamen in die Schule, brauchten ihr festes Umfeld." Längst hat sich Seibt auch einen Namen durch die Carziger Werkstattnächte gemacht. Es gab Lesungen, so mit Karl-Ludwig von Klitzing, Musik von Soren Gundermann, Thomas Strauch, Hermann Naehring und Stephan Noé und Ausstellungen mit Bildern von Adrian Wylezol.

Die sechste Werkstattnacht mit dem Fotografen Uwe Behrends und den Musikern Hilary Jeffery (Posaune), Niko Meinhold und Antonis Abissegos (beide Piano) fand am 10. Oktober statt. "Mittlerweile ist auch der Carziger Kirchenverein mit im Boot. Ein Geben und Nehmen. Wir werden von den Bewohnern unseres Dorfes respektiert und Gäste rücken bis aus Berlin an.

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