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Schläge statt 1000 Euro

Christian Schoenberg / 18.11.2015, 19:50 Uhr
Dreetz/Neuruppin (mzv) "Kabbeleien" und "sich richtig in die Wolle kriegen" - hört sich harmlos an. Das Opfer einer brutalen Gewalttat bezeichnete aber sein Martyrium genau so. Im Zeugenstand saß ChristianT. Auf der Anklagebank des Amtsgerichts Neuruppin hatten Sven Sch. und Christoph S. Platz genommen.

Grund war der Vorfall am 11.Mai vorigen Jahres. Sch. hatte von T. einen Lampensatz gekauft, aber die Rechnung nie beglichen. T. fuhr an jenem Maisonntag zu dem Dreetzer, um sich die 1000Euro zu holen. "Auf die Summe hatten wir uns eigentlich geeinigt", so T.

Doch auf dem Grundstück ging es gleich hoch her. T. klingelte und Sch. öffnete die Tür. "Ich hab nur gefragt, wo mein Geld geblieben ist - da habe ich schon einen Schlag abbekommen", sagte T. im Zeugenstand.

Die Waffe war ein Teleskop-Schlagstock. Richter Gerhard Pries präsentierte den Verhandlungsteilnehmern das Gerät. Es lässt sich ausziehen wie eine Radio-Antenne. Wer damit zuschlägt, fügt seinen Opfern schwerste Schmerzen zu.

Er habe nicht mitbekommen, wie oft er geschlagen wurde, sagte T. Aber er habe Reißaus genommen, fuhr zurück zu seinem Grundstück nach Großderschau(Havelland). Doch Sch. verfolgte ihn - zusammen mit seinem Kompagnon Christoph S. Offenbar fuhr der Dreetzer selbst - obwohl er keinen Führerschein hatte. T. konnte oder wollte das vor Gericht nicht bestätigen, obwohl er das in Vernehmungen gesagt hatte. "Da hat die Polizei Druck gemacht, dass ich das so sage", sagte T.

Jedenfalls kletterten die Beiden über den Zaun von T.s Grundstück. Zu einer Unterhaltung sei es nicht mehr gekommen, so der Großderschauer. Stattdessen wurde gleich losgeprügelt - Sch. mit dem auch Totschläger genannten Gerät, S. mit einer Dachlatte.

T. war durchaus nicht wehrlos, hatte Pfefferspray dabei. Allerdings blieb diese Waffe wirkungslos. Stattdessen zeigten die Schläge der beiden Angeklagten Wirkung. T. war geradezu übersät von Verletzungen - insbesondere am Unterarm, an den Beinen, am Rücken und am Kopf. Schwellungen, Schürfwunden und Kratzspuren notierte der Arzt, als die beiden Angreifer abgerückt waren. Zuvor hatten sie dem irgendwann ins Haus Flüchtenden einen Stein hinterhergeworfen, so dass die Scheibe in der Tür zu Bruch gegangenen war. Irgendwann war Ruhe und T. rief Polizei und Krankenwagen. Er kam in die Notaufnahme. Dort wurde ihm unter anderem eine Schiene für den Fuß verpasst. Sechs bis acht Wochen habe es gedauert, bis die Verletzungen ausgeheilt waren, schätzt T. ein. So lange sei er auch arbeitsunfähig gewesen. "Und Sie nennen das Kabbelei?", fragte die Staatsanwältin. "Nee, war doch schon etwas schwerwiegender", räumte T. darauf hin ein.

Zu einem Urteilsspruch ist es am Dienstag, dem ersten Verhandlungstag, noch nicht gekommen. Die Verhandlung wird am Dienstag, 1.Dezember, fortgesetzt. Eine Zeugin, Sch.s Lebensgefährtin, soll noch befragt werden.

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