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Von Eifer, Scherben und Plaketten

Scherben aus dem Umfeld von Prötzel: Mike Hille zeigt zwei seiner Funde. Ein kundiges Auge gehört dazu, wenn der Buchholzer Musiker in der Freizeit diesem Hobby mit Leidenschaft nachgeht.
Scherben aus dem Umfeld von Prötzel: Mike Hille zeigt zwei seiner Funde. Ein kundiges Auge gehört dazu, wenn der Buchholzer Musiker in der Freizeit diesem Hobby mit Leidenschaft nachgeht. © Foto: MOZ Gerd Markert
Gabriele Rataj / 25.11.2015, 03:56 Uhr
Buchholz (MOZ) Seine Bodenfunde haben die diesjährige Ausstellung "Zeugen der Vergangenheit" im brandenburgischen Landesmuseum im Paulikloster der Stadt Brandenburg bereichert. Die Spottplakette mit dem "Schwäbischen Gruß" gibt es aber auch beim Heimatverein Altlandsberg zu sehen.

Jetzt ist die Zeit des Suchens wieder vorbei. Maximal vier Wochen im Jahr sind es, in denen Mike Hille auf frisch gepflügten Äckern um seinen Wohnort herum und darüber hinaus mit einer Metallsonde, vor allem aber mit scharfem Auge unterwegs ist. Wenn er auch nicht unbedingt auf den Goldschatz aus ist, so widmet sich der Mittfünfziger aus Buchholz dennoch leidenschaftlich der Suche nach alten Scherben, steinzeitlichem Werkzeug, mittelalterlichen Münzen oder zu früherem Schmuck gehörenden Teilen.

Dass er dabei durchaus auf Bemerkenswertes stößt, ist seinem Enthusiasmus geschuldet und der zweijährigen Ausbildung zum ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger am Archäologischen Landesamt in Wünsdorf. Denn einfach mal mit dem Metalldetektor losziehen und graben, das geht nicht.

Es bedarf sowohl einer solchen Qualifizierung und eines Dienst-Ausweises als auch einer Such-Genehmigung. Und graben dürfe er ohnehin nicht, sagt der Lehrer und Fachbereichsleiter Schlagzeug an der Musikschule "Hugo Distler". "Nur auflesen", und wenn die Sonde Signal gibt, "spatentief nachsehen".

Schon als Kind habe er gern in Kieshaufen gewühlt und sei an der Ostsee später meist mit Kopf nach unten den Saum zwischen Küste und Meer abgelaufen, um Versteinerungen und Ähnliches zu finden, erzählt Hille.

Doch so richtig "Blut geleckt" hat er erst, als die Familie in den kleinen Altlandsberger Ortsteil Buchholz zog. "Bei Arbeiten auf dem Grundstück hab ich verschiedene Scherben mit Verzierungen gefunden", schildert er und von 2011 an habe er sich intensiver diesem neuen Hobby zugewandt.

Lesen, im Internet recherchieren, vergleichen, vergleichen, vergleichen, das Forum "Scherbenauge" mit Fotos von gefundenen Fragmenten bestücken und in Kommunikation darüber treten, bis er sich relativ sicher wähnt, damit ans Landesamt heranzutreten - Zeit und Geduld gehören dazu.

Über Mangel an Beschäftigung kann der sich auch als Maler betätigende Mann allerdings kaum klagen. Mit der Familienband Vanhillies gibt es an die zehn Auftritte im Jahr, die Schulband will geleitet sein, der Freundeskreis Stadtkirche erfordert Mittun, am Haus ist das eine oder andere zu tun ...

Dennoch lassen ihn die Scherben und Metallfunde nicht los. Solch wichtige Funde aus der Bronzezeit - Armreif, Halskragen, Spiralhalsreif -, auf die Mike Hille 2012 in der Nähe von Altlandsberg gestoßen ist, belohnen seinen Eifer. Sie sind in diesem Jahr Teil einer Sonderausstellung "Zeugen der Vergangenheit" im brandenburgischen Landes-Museum in der Stadt Brandenburg/Paulikloster. Die Dokumentation dazu und einige Kleinfunde sind zudem in den Vitrinen des Heimatvereins Altlandsberg zu betrachten.

Von einem Acker bei Wolfshagen geholt hat er auch die Spottplakette mit dem "Schwäbischen Gruß". Das Bild kenne man von Gemälden Brueghels, Boschs, entsprechend deftige Sprüche von Luther oder aus einem Mozart-Kanon. Und das mit dem LmaA habe sicher seinen Ursprung im Aberglauben jener Zeit. Es müsse wohl als Schutz gegen allerhand Böses verstanden werden.

"Spätes Mittelalter sagen die einen, Biedermeier andere", berichtet er davon, dass sich die Geister an dem Teil noch scheiden. "Aber alle meine Funde in der Nähe stammten aus dem frühen 16. Jahrhundert, also von vor dem 30-jährigen Krieg." Hille verweist auf die sogenannten Schiet-Äcker vor der Stadt, wohin durchaus mal ein Knopf oder eine Münze mit dem deutlichen Zeichen gelangt sein könne.

Die "Popo-Plakette" jedenfalls wurde von der Bronze-Kunstgießerei Hann aus Wegendorf abgegossen, abgestimmt mit dem Wünsdorfer Landesamt. Die Replik kann bei Hille für 30 Euro sogar erworben werden. Ein solches Geschenk muss indes die gegenwärtige Jahreszahl zeigen. Nur beim offenen Tragen des eigenwilligen Talismans, warnt der Buchholzer, sollte man vorsichtig sein. Es könnte womöglich noch missverstanden werden.

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