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Per Umweg zurück aufs Land

Kennt sich mit dem Leben auf dem Land aus: Pfarrer Martin Meyer stammt aus einem Dorf nahe Dresden und lebt sich nun mit seiner Familie in Manker ein
Kennt sich mit dem Leben auf dem Land aus: Pfarrer Martin Meyer stammt aus einem Dorf nahe Dresden und lebt sich nun mit seiner Familie in Manker ein © Foto: MZV
Judith Melzer-Voigt / 26.11.2015, 18:29 Uhr
Manker (MZV) Ins Auto steigen, um Brötchen zu holen? Für Pfarrer Martin Meyer ist das keine große Herausforderung. Zwar hat er in den vergangenen Jahren in der rumänischen Stadt Brasov gelebt, die 250 000 Einwohner hat. Doch er stammt aus einem Dorf bei Dresden. Daher ist der Alltag in Manker für den 38-Jährigen gar kein Problem.

Pfarrer Martin Meyer ist in Großdittmannsdorf bei Radeburg aufgewachsen. Damals sah es dort noch ganz anders aus: 700 Einwohner, beschauliche Ruhe. Mittlerweile gehört der Ort zum Dresdner Speckgürtel. "Ich bin das Landleben gewöhnt", sagt Meyer. Wenn er heute mit dem Wagen von Manker nach Neuruppin fahren muss, um Besorgungen zu machen oder einen Arzt aufzusuchen, kommt ihm das alles bekannt vor. Daher fiel das Einleben im Pfarrhaus aus nicht schwer.

Der 38-Jährige hat sich schon als Jugendlicher in der Kirche engagiert. Er ist zwar bereits zu DDR-Zeiten getauft und konfirmiert worden, aus einem streng kirchlichen Haushalt stammt er aber nicht. Doch das eigene Interesse war stark. "Aber wenn man Sachen mit Hand und Fuß machen muss, braucht man Bildung", sagt er. Es reiche nicht, nur an etwas zu glauben. Er wollte denjenigen, mit denen er redet, auch selbst Antworten auf ihre alltäglichen Fragen anbieten. Daher studierte er Theologie in Leipzig. Es folgte ein zweijähriges Vikariat in Berlin, das er 2012 beendete.

Bereits nach seinem Studium hat er ein Praktikum in der Stadt Brasov in Siebenbürgen gemacht. Als er mit dem Vikariat durch war, ging er mit seiner Frau dorthin zurück. "Ich habe festgestellt, dass es dort viele Gestaltungsräume für mich gibt", so der Pfarrer. Dazu sei eine sehr gute Kinder- und Jugendarbeit gekommen - und auch die finanzielle Ausstattung habe gestimmt. "Ich habe dort außerdem mit zwei tollen Kantoren zusammengearbeitet", so Martin Meyer. Vier Jahre und neun Monate hielt es ihn daher im Ausland, bis die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ihn zurückrief. Zwei seiner drei Kinder sind in dieser Zeit auf die Welt gekommen - der vierjährige Emil und die zweijährige Klara.

Moritz, der Jüngste in der Familie, ist mittlerweile knapp drei Wochen alt. Er hat für eine Premiere in Manker gesorgt, denn er wurde im frisch sanierten Pfarrhaus geboren. Martin Meyers Frau ist Hebamme, daher war eine Hausgeburt für sie eine gute Alternative zum Krankenhausaufenthalt. "Sie möchte später auch in der Region arbeiten", kündigt der Pfarrer an.

"Ich habe geguckt, was es so auf dem Arbeitsmarkt gibt - und es gibt eine Menge", erklärt Meyer, wie er gerade auf die Stelle in der Gesamtkirchengemeinde Temnitz gestoßen ist. "In die Stadt wollten wir nicht. Also wollten wir es gleich ganz richtig machen, mit unseren kleinen Kindern." In Brasov hatte die Familie einen 200 Quadratmeter großen Garten. Das mag klein klingen, war aber für die dortige Altstadt riesig. Das Fußballspiel des ältesten Sohnes wollte aber trotzdem nicht recht klappen. Also haben Meyer und seine Frau dieses Mal Wert auf viel Platz gelegt - und ihn in Manker gefunden. "Wir haben jetzt noch nicht das Ende des Gartens gefunden", sagt er.

In den kommenden zehn Jahren wird der 38-Jährige nun in den 19 Dörfern der Gesamtkirchengemeinde Temnitz predigen. Doch seine Pfarrstelle hat nur einen Umfang von 25 Prozent. Dazu kommt das Engagement als Religionslehrer an der Evangelischen Schule Neuruppin und an der freien Schule in Heiligengrabe.

Ein wichtiges Projekt für die Temnitz-Dörfer hat Meyer schon im Blick: Er will wieder einen Chor in Manker aufbauen. Da sollen auch die Gemeindemitglieder aus den "Nordstaaten" - also aus Walsleben, Rägelin und anderen Orten - mitmachen. Der Chor soll seiner Idee nach im gesamten Gebiet präsent sein.

Bei all diesen Aufgaben findet Martin Meyer vor allem Entspannung in der Familie, beim Vorlesen für die Kinder. Ab und an spielt er noch Gitarre und kümmert sich um den Garten. "Ich freue mich schon darauf, im nächsten Jahr die Obstbäume blühen zu sehen", sagt er.

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