Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Leben lang im Kunstbetrieb

Teilen fünf Jahrzehnte Erinnerungen: Rosemarie und Otto Schack. Das Künstlerpaar aus Ackermannshof gestaltete zu DDR-Zeiten Kinderheime neu und gab Kunstkurse - bis heute.
Teilen fünf Jahrzehnte Erinnerungen: Rosemarie und Otto Schack. Das Künstlerpaar aus Ackermannshof gestaltete zu DDR-Zeiten Kinderheime neu und gab Kunstkurse - bis heute. © Foto: moz
Mandy Timm / 27.11.2015, 06:21 Uhr
Ackermannshof (MOZ) Vor 50 Jahren starteten Rosemarie und Otto Schack ihre Künstlerkarriere. Er beendete damals - 1965 - sein Studium an der Kunsthochschule Weißensee. Sie war indes schon fertig mit ihrer Ausbildung. Ihren Beruf nutzten sie, um Kindereinrichtungen zu unterstützen und historische Orte zu bewahren.

Hätte die Zeitschrift NBI nicht die unsäglichen Zustände in den DDR-Kinderheimen an die Öffentlichkeit gebracht, Schacks wären womöglich nicht geworden, was sie heute sind: nämlich begeisterte Anhänger davon, Kinder und Jugendliche mit Kunst zu füttern. So früh wie möglich.

Rosemarie und Otto Schack sitzen in ihrem Haus in Ackermannshof in geschmeidigen grünen Polstern und spielen sich die Erinnerungen zu wie einen Pingpong-Ball. Er sagt: Sein Bruder, der Kunsterzieher am Bernauer Gymnasium war, sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass sie die Aufträge damals bekommen hätten. Sie sagt: Ihr Mann sei ein Multitalent, handwerklich und künstlerisch gleichermaßen begabt. Das hätte den Auftraggebern imponiert. Am Ende ist es vermutlich eine Mischung aus vielen Umständen. Fest steht, dass Schacks die Lebenssituationen in Kinderheimen in Brandenburg umgekrempelt haben.

50 Jahre liegt das zurück. 1965 machte Otto Schack, der aus Bitterfeld stammt, sein Diplom an der Kunsthochschule Weißensee. Seine Frau war da schon fertig mit ihrer Ausbildung an der Fachschule für angewandte Kunst in Oberschöneweide. Später fing auch sie ein Kunststudium an.

Die Schacks haben sich wie etliche Weißenseer Absolventen und Dozenten dauerhaft im Brandenburgischen verheimatet. So wie Sonja Eschefeld, Sophie Natuschke, Dietmar Polloks, Werner Stötzer (1931-2010) und Peter Hoppe (1938-2010).

1962 lernten sich Schacks in Berlin kennen. 200 Mark erhielt der Student vom Staat, plus fünf Mark Berlinzulage. Die Wohnungssituation war mies. Aber Dachböden ausbauen, war trotzdem verboten. Schacks sprachen 1966/67 so lange beim zuständigen Baudezernenten vor bis sie sich doch ein Stübchen unterm Dach herrichten konnten. Danach, sagt Otto Schack, sei das Verbot aufgehoben worden. "Wir bekamen dann jede Menge Post, wie wir das mit den Fenstern gemacht hätten zum Beispiel", erzählt seine Frau Rosemarie. Das Haus in Ackermannshof haben sie in den 1970-er Jahren bezogen. Da war längst klar, dass sie bleiben würden.

Viel Arbeit lag vor ihnen. Der Innenausbau des Kinderheims Schluft in Groß Schönebeck war einer ihrer ersten Aufträge. Bett an Bett stand dort. Wände waren beschmiert, Möbel kaum vorhanden. Die Kinder seien aggressiv gewesen, erzählt Otto Schack. "Kein Wunder bei den Zuständen." Er sieht Parallelen zur aktuellen Flüchtlingssituation. "Im Grunde", sagt er, "könnte man in den Auffangstellen und Notunterkünften wieder von vorn anfangen. Die Aufgabe hat sich nicht geändert." Er meint damit, Enge braucht Gestaltung.

Er hat das bei der Arbeit für die Kinder gesehen. Rosemarie Schack baute Regale aus Ästen mit ihnen. Bunte, kinoleinwandgroße Wandbilder entstanden in der Zeit. Viele auch im öffentlichen Raum in Berlin. Überall, wo sie Unterkünfte kindgerecht umgestalteten, riefen sie eine Kunstwerkstatt ins Leben. Die Kinder von damals besuchen das Ehepaar noch heute. Aus Dankbarkeit.

Rosemarie Schack, 75, gibt noch immer Kunstkurse in Werneuchen. Ihr Mann ist stets dabei. Aus den Kindern sind dort ältere, kunstinteressierte Damen geworden. "So haben wir es uns immer vorgestellt", sagt Rosemarie Schack. "Wir wollten eine dauerhafte Freude an der Kunst vermitteln."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG