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Großer Abschied auf dem Gänsehof

Mitarbeiterin Sabrina Schobert und Bauer Hans-Ulrich Peters zeigen zwei Gänse, die in Löhme groß wurden.
Mitarbeiterin Sabrina Schobert und Bauer Hans-Ulrich Peters zeigen zwei Gänse, die in Löhme groß wurden. © Foto: MOZ/Hans Still
Hans Still / 19.12.2015, 08:00 Uhr
Löhme (MOZ) Ein gelungener Festtagsbraten gehört zum Weihnachtsfest. Aus diesem Grund herrscht auf dem Hof von Bauer Hans-Ulrich Peters in Löhme in diesen Tagen Hochbetrieb. Noch leben dort 1000 Gänse, aber nach und nach geht es ihnen wohl oder übel an den Kragen.

Peters gehört zu den Landwirten, die aus Überzeugung handeln. "Unsere Tiere bekommen keine Medikamente, dafür stehen wir mit unserem Namen ein", erklärt der 63-Jährige wie in der Werbung und ähnlich stolz. Vor Aufträgen kann er sich in diesem Jahr nicht retten, fast pausenlos klingelt das Telefon. "Heiligabend haben wir vormittags drei Stunden offen", antwortet Peters einem Anrufer, der am 24. Dezember seine Gans abholen will.

Seit August gingen bei Peters die Bestellungen für die Dithmarscher Gänse ein. Wer noch nichts geordert hat, könnte in diesem Jahr schlimmstenfalls leer ausgehen. "Die Tiere sind zum größten Teil vorbestellt, so viele freie Gänse haben wir gar nicht mehr", stellt Peters klar. Seine Freilandgänse gehören zur "schweren Linie" und bringen am Ende ihrer Tage bis zu zehn Kilogramm Lebensgewicht auf die Waage. Bei den Kunden, viele kommen selbst aus Berlin direkt zum Hof, sind auch die ganz schweren Brocken beliebt. "Das Gros der Gänse wiegt ausgenommen zwischen fünf und sechs Kilogramm, die gehen in der Mehrzahl über den Ladentisch. Aber wir haben auch Kunden, die wollen echt die zweistelligen Brocken", berichtet der promovierte Landwirt.

Seit Donnerstag beherrscht das große Abschiednehmen das Treiben auf dem Hof. "Wir haben heute den ersten großen Schlachttag, das geht jetzt bis zum Fest so weiter", bestätigt Peters, während die Helfer eine Gans nach der anderen in Transportbehälter stecken und quasi zur Schlachtbank führen. Seit April leben die Tiere auf dem Hof, die meisten kamen als eintägige Gössel und entwickelten sich anfangs drei bis vier Wochen im Stall und anschließend unter freiem Himmel dank der Fütterung mit Weizen und Hafer zu prächtigen Tieren.

Taucht ein Fremder auf, laufen die Tiere aufgeregt hin und her, anschließend siegt die Neugierde. "Gänse sind sehr intelligent und anhänglicher als ein Hund", weiß Peters, der vorsorglich kein persönliches Verhältnis zu den Tieren aufbaut. "Wir wollte ich die Gans töten, wenn ich ihr zuvor in die blauen Augen gesehen habe", fragt er völlig zu recht.

Jeder seiner Kunden bekommt übrigens einen Rezeptvorschlag mit. "Gänsebraten à la Bauer Peters verspricht eine zarte Gans und das Höchstmaß an Geschmack", behauptet der Erfinder, der insbesondere bei jüngeren Kunden "eine gewisse Scheu vor dem Gänsebraten" beobachtet haben will. "Deswegen habe ich dieses Rezept erarbeitet. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als dass die Familie am Mittagstisch sitzt und der Braten nicht schmeckt. Dann ist Weihnachten gelaufen."

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Preise kaum erhöht. 13 Euro pro Kilogramm ruft Peters auf, nach seiner Darstellung die untere Preisspanne. "Mit der Tiefkühlgans aus dem Discounter sind unsere Tiere aber auch nicht zu vergleichen. Unsere Gänse leben mindestens sechs Monate und bekommen Getreide, die Tiere aus dem Discounter wurden mit Mastfutter gerademal zwölf bis 16 Wochen alt", erläutert Peters einen Unterschied.

Bauer Peters betreibt seinen Hof im Werneuchener Ortsteil Löhme in der Dorfstraße 24. Telefonisch ist er unter 033398 69868 oder 0151 11660023 erreichbar.

Kommentare

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Heike Gleibs 23.12.2015 - 12:54:31

Ein großer Abschied wohin?

Was für ein herzerwärmendes Bild mit zwei lächelnden Menschen und prächtigen Tieren in ihren liebevoll haltenden Armen. Jawohl, Herr Peters ist auch davon überzeugt, was er tut. Muss wohl ein besonders gutherziger, terliebender Mann sein, über den berichtet wird. Erst später kommt die ganze Scheinheiligkeit zum Vorschein:Herr Peters zieht diese von ihm so bewunderten Tiere auf, um sie zu schlachten. Er kann das aber nur, wenn er diesen Lebewesen nicht in die Augen schaut. Vielleicht ist es ja auch Zeit, mit alten Traditionen zu brechen, um dann guten Gewissens so einem Tier und sich selbst in die Augen schauen zu können. Wir haben 2015! Nie war es so einfach wie heute!

Hans-Joachim Strauss 23.12.2015 - 10:52:09

Weder Kaninchen, Gans noch Ente

Die Tochter wurde gefragt "Was möchtest du zu Weihnachten; ein Kaninchen, eine Gans oder eine Ente?" Das Kind überlegte und meinte dann "Ich möchte ein Pony!" Na ja, was solls, dem Wunsch des Kindes entsprechend, kommt dieses Jahr am ersten Weihnachtsfeiertag Pony auf den Tisch.

Katrin Brandt 23.12.2015 - 09:11:05

Karnismus

"Gänse sind sehr intelligent und anhänglicher als ein Hund", weiß Peters, der vorsorglich kein persönliches Verhältnis zu den Tieren aufbaut. "Wir wollte ich die Gans töten, wenn ich ihr zuvor in die blauen Augen gesehen habe", fragt er völlig zu recht..." Ist das zynisch? Oder unüberlegt? Warum muss die Gans getötet werden? Wir leben im Europa des 21. Jahrhunderts - niemand ist mehr darauf angewiesen, sein Überleben durch den Verzehr von Tieren zu sichern. Der Bauer hat bereits erkannt, dass seine Tiere Individuen sind, er würde sicherlich davor zurückschrecken, seinen Hund zu schlachten, wenn sich ab Morgen die Sitte etablieren würde, am Weihnachtsabend in Deutschland Hund zu essen. Warum aber eigentlich nicht? Gänse sind intelligent. Und anhänglich wie Hunde. Sagt der Bauer, der die Gänse kennt und es nicht wagt, ihnen in die Augen zu sehen. Ein klarer Fall von Karnismus - hier sehr gut erklärt: http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/karnismus-die-psychologie-des-fleischkonsums Es gibt keinen vernünftigen Grund für uns, Tiere zu essen. "Weil es so lecker ist" mag für Viele als Grund herhalten, ist aber in Anbetracht der Auswirkungen des Fleischkonsums für die Tiere, die Umwelt und Menschen eben nicht vernünftig. Sondern zynisch.

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