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Generationswechsel bei der Feuerwehr

Ulrike Kirsten / 18.01.2016, 06:00 Uhr
Kurtschlag (MZV) Fast jeder Zehnte des 270-Seelen-Örtchens ist Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Vorbildlich ist die Frauenquote. Ein Drittel der 27 Aktiven ist weiblich. Zwar wird bei der Jahreshauptversammlung für 2015 durchaus positiv Bilanz gezogen. Dennoch hat die Kurtschlager Wehr Nachholbedarf.

Nach 30 Jahren ist Schluss. Siegbert Prahl ist nicht länger Ortswehrführer von Kurtschlag. "Wir machen Platz für die Jugend. Es ist Zeit für frischen Wind und neuen Schwung", sagt der 60-Jährige. Als aktive Mitglieder bleiben Prahl und sein Stellvertreter Siegfried Maaß, der sich ebenfalls zurückzieht, der Wehr erhalten.

Der Oberbrandmeister ist seit 45 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr. 30 Jahre lang war er Ortswehrführer. Nach der Wende haben er und Maaß die Wehr zusammengehalten - in einer schwierigen Zeit, in der mancherorts noch nicht einmal mehr die Sirene funktionierte. "Die Kameradschaft war immer das wichtigste. Politik hat da nie eine Rolle gespielt", sagt Prahl. Doch nun lässt die Kraft nach. "Wir werden ja nicht jünger. Die Aufgabe ist zeitaufwändig, erfordert viel Büroarbeit und das alles im Ehrenamt", sagt Prahl, der hauptberuflich als Elektriker tätig ist. Die freie Zeit will der Kurtschlager nun mit seinem Hobby füllen, der Jagd.

Auf weniger Freizeit muss sich ab sofort das neue Führungsduo der Kurtschlager Wehr einstellen. Denn der neue Ortswehrführer Carsten Pittack und sein Stellvertreter Marco Draschanowski haben sich große Ziele gesteckt. Noch gehören die Kurtschlager zu einer von vier Wehren der Freiwilligen Feuerwehr Zehdenick, die derzeit keine Jugendabteilung hat.

Daran wollen Pittack und Draschanowski schnellstmöglich etwas ändern. Sie selbst haben in der Jugendfeuerwehr des Ortes angefangen. "Ich bin da quasi durch meinen Großvater und Vater in das Feuerwehr-Leben reingewachsen. Das ist Berufung gewesen", sagt Pittack, der als Tischler arbeitet. "Wir wollen unsere Wehr verjüngen, das müssen wir dringend. Natürlich möchten wir unsere Mitgliederzahl beibehalten, wenn möglich sogar ausbauen", sagt der 34-Jährige.

Einige der 27 Mitglieder werden in den nächsten Jahren aus Altersgründen aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Mit 65 ist Schluss mit dem Lösch-Einsatz. Doch es gibt einen Lichtblick in Kurtschlag. Es werden wieder Kinder im Ort geboren. Auch über eine Kids-Feuerwehr nach Mildenberger Vorbild denkt die neue Ortswehrführung deshalb nach. Die gibt es dort seit gut einer Woche.

Sorgen muss sich Carsten Pittack hingegen nicht um die Frauenquote. Die ist seit Jahren konstant und beispielhaft in der Freiwilligen Feuerwehr Kurtschlag. Das erkennen auch die anderen Ortswehren respektvoll an. Entstanden ist die Frauengruppe der Kurtschlager Wehr bereits 1962, feierte vor drei Jahren ihr 50-jähriges Bestehen. Aber was ist das Erfolgsgeheimnis? Dafür haben auch Pittack und sein Vorgänger Prahl keine hundertprozentige Antwort. "Vielleicht, weil Kurtschlag so weit ab vom Schuss liegt", sagt Prahl und lächelt verschmitzt.

Wie im gesamten Einsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Zehdenick bleibt die Einsatzstärke auch in Kurtschlag ein Problem. Zu einem der sechs Einsätze konnte die Wehr 2015 nicht ausrücken, weil zu wenige Mitglieder verfügbar waren. Die Ursache: Viele Bewohner im Nordkreis fahren mitunter in andere Landkreise zur Arbeit, sind dann nicht einsetzbar. "Das ist aber bundesweit ein Problem", sagt Stadtbrandmeister Gerd Ritter. Neben dem Nachwuchs ist das die größte Herausforderung für die Freiwilligen Feuerwehren in der Region, auch für die kommenden Jahre.

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