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Fernöstlicher Rhythmus in Möglin

Aikido im Gemeindehaus: In Möglin fand Ishlar Smolny-Thoms (Mitte) viel Unterstützung, um eine Kinder- und Jugendklasse zu eröffnen. Bei den Kindern kommt ihr Training an. Wegen der vielen Anfragen, hat die Ihlowerin gerade noch eine Gruppe gegründet. In
Aikido im Gemeindehaus: In Möglin fand Ishlar Smolny-Thoms (Mitte) viel Unterstützung, um eine Kinder- und Jugendklasse zu eröffnen. Bei den Kindern kommt ihr Training an. Wegen der vielen Anfragen, hat die Ihlowerin gerade noch eine Gruppe gegründet. In © Foto: moz
Mandy Timm / 13.02.2016, 07:17 Uhr
Möglin (MOZ) Was mit einer Handvoll Kinder begann, entwickelt sich zunehmend zum Magnet: die Aikido-Kurse von Ishlar Smolny-Thoms. Bei den Trainings machen inzwischen so viele Kinder mit, dass sie gerade noch eine Gruppe gründete. Geplant ist ein weiterer Kurs - diesmal für Erwachsene.

Ichi, ni, san, shi, go, roku. Das sind die Zahlen auf Japanisch, eins bis sechs. Ichi. Rolle über die Schulter. Ni. Fix aufstehen. San. Wieder fallen lassen. Shi. Beine ausstrecken bis es zwickt. Go. Kerze nach oben. Roku. Beine weit über den Kopf strecken. Sitzen. Luftholen. Mittwochs in Möglin. Langsam neigt sich Abenddunkel über den Ort. Das Gemeindehaus erwacht unterdessen zum Leben. Junge Leute treffen ein, aus Batzlow, Reichenow, Herzhorn und Harnekop kommen sie. Der mit dem weitesten Weg ist aus Waldsieversdorf. Die Gruppe ist gemischt, Mädchen und Jungen sind dabei. Sie alle trainieren gleich Aikido, eine japanische Kampfkunst, eine Stunde lang. Ishlar Smolny-Thoms leitet die Gruppe. Seit anderthalb Jahren macht sie das jetzt in Möglin. Eigentlich kommt sie aus Ihlow. Vor drei Jahren zog sie mit ihrer Familie in das Dorf. Dort allerdings unterstützte das Kinder- und Jugendtraining niemand. Mehrere Anfragen bei der Amtsverwaltung blieben ohne Erfolg. Stattdessen stünde das dortige große, neu entstandene Gebäude, welches die Feuerwehr nutzt, oft leer, sagt Smolny-Thoms. In Möglin hingegen wurde die Aikido-Klasse mit offenen Armen empfangen. "Die Unterstützung hier kann man gar nicht oft genug loben", ist die gebürtige Berlinerin überzeugt und dankbar.

Aus einer Handvoll Kinder sind mittlerweile 22 geworden. Gerade hat Ishlar Smolny-Thoms eine weitere Gruppe eröffnet. Der Jüngste ist fünf, der Älteste 13. Einige der Kinder, so wie Jó und Jaro (beide 7), lernen erst Klavier bei Ishlar, danach Aikido. Denn von Beruf ist die 46-Jährige Pianistin. Sie spielt Konzerte und ist Lehrerin, gibt Kurse in Aikido, für Mädchen auch in Selbstverteidigung. Seit 1993 trainiert sie die Kampfkunst. Sie war dafür in Frankreich und Japan.

Ichi. Arme hoch, Blick zur Decke. Ni. Seitenwechsel. San. Anderer Arm und Blick zur Decke. Shi. Seitenwechsel. Arme und Beine schmerzen vom Strecken. "Das ist guter Schmerz", sagt Ishlar Smolny-Thoms. "Bewegungsschmerz." Einige Kinder nicken. Niemand beschwert sich. Als nächstes gehen sie auf den Knien. Das ist mehr ein Abrollen und sieht sehr elegant aus. "Es geht nicht um Schnelligkeit", erklärt die Aikido-Lehrerin. "Sondern darum, Spannung zu entwickeln und sich rhythmisch zu bewegen." Flexibilität, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Gleichgewicht, innere Aufrichtung, Kraft und Ausdauer. Das alles lernen die Kinder und jungen Leute mittwochs spielend. Aikido sei die Grundlage für vieles, ist Ishlar Smolny-Thoms überzeugt. Vor allem die Fallübungen seien hilfreich - für die Jungs beim Fußballtraining etwa.

In Möglin zeigen die Jugendlichen aber noch etwas anderes. Etwas, was über die Beweglichkeit hinaus geht. Das ist ihnen vielleicht gar nicht so bewusst. Aber ihre Verbeugungen vor jeder Übung haben sehr viel mit Respekt zu tun. Hier ist egal, ob ein Junge oder ein Mädchen, der Partner oder was der Familienhintergrund ist. Jeder akzeptiert sein Gegenüber.

Es soll demnächst noch einen weiteren Kurs geben, erzählt Ishlar Smolny-Thoms. Dieser richtet sich dann an Erwachsene. Im Mai soll es losgehen, in Strausberg will die Aikido-Lehrerin den Kurs anbieten. So wie schon die Jugendlichen werden die Erwachsenen ein Stück fernöstliche Kultur lernen - und die japanischen Zahlen eins bis zehn. Ichi, ni, san, shi, go...

Kontakt: ishlar@gmx.de

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