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5000 Molche, Frösche und Kröten wandern durch Tunnel unter L15 / Bau während Naturschutztag als solide Investition bezeichnet

Amphibienretter lohnen

Knapp 200 000 Euro teurer Bau: Metallplanken folgen der kurvigen Landesstraße nach Altglobsow. Auf 750 Metern zwischen den drei Laichgewässern wurde das System installiert, dass die Tiere durch Tunnel unter der Straße hindurchführt.
Knapp 200 000 Euro teurer Bau: Metallplanken folgen der kurvigen Landesstraße nach Altglobsow. Auf 750 Metern zwischen den drei Laichgewässern wurde das System installiert, dass die Tiere durch Tunnel unter der Straße hindurchführt. © Foto: MZV
Mandy Oys / 19.02.2016, 06:22 Uhr
Altglobsow/Menz (GZ) Erdkröten, Moor-, Gras- und Teichfrösche, Kamm- und Teichmolche - tausende Amphibien wandern im Frühjahr bei Altglobsow zu ihren Laichgewässern. Ihre Population stellte Naturwächter Thomas Hahn am Donnerstag vor Fachpublikum vor - als einer von elf Referenten des Kleines Naturschutztages in Menz.

195 000 Euro waren 2008 an der L 15 investiert worden, um Leitplanken und 15 Amphibientunnel zu errichten. "Wir wurden angefeindet", erinnerte Naturparkleiter Mario Schrumpf am Donnerstag einleitend. Doch die Investitionen hätten sich ausgezahlt. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich die Amphibienpopulation verzehnfacht. Das zeigen die Effizienzkontrollen, die Thomas Hahn 2009 und 2015 durchgeführt hatte. Der Tunneltest, wie ihn Hahn nennt, ist eindeutig.

In die Erde eingelassene Eimer - vor den sechs Durchlässen auf dem Weg zum Schleiluch, den fünf Tunneln unter der L 15 zum Weißen See und vier weiteren für die Wanderung zum Kochsee - halten die Amphibien auf, so dass Hahn und die Schüler seiner AG Kleine Naturschützer sie von Februar bis Mai zählen konnten. Von weit mehr als 5 000 Tieren sprach Hahn am Donnerstag. Abhängig von den Temperaturen und dem Niederschlag beginnen Frösche, Kröten und Molche ihre Wanderungen im Februar und März. Dabei zeigte sich, dass die Zahl der Kammmolche am Schleiluch annähernd gleich geblieben ist, etwa 80 gingen den Naturschützern ins Netz, in diesem Fall den Eimer. 2010 war das Gewässer renaturiert worden, weil es zu verlanden drohte - dass auch dies sich gelohnt hat, zeige die stabile Population des streng geschützten Tieres.

Die Zahl der Moorfrösche, die zum Schleiluch wandern, hat sich Hahn zufolge indes verringert. Denn sie haben eine weitaus größere Population in den vergangenen Jahren am Kochsee gebildet. Möglicherweise waren die Tunnel einfach voll, sagte der Naturwächter. Andererseits hätten sich aber auch die Bedingungen am Kochsee für die Tiere verbessert, denn der Flachwasserbereich habe zugenommen.

Thomas Hahn benannte aber auch den Schwachpunkt des Amphibienleitsystems bei Altglobsow: die Wendeschleifen am oberen und unteren Ende des 750 Meter umfassenden Leitplanken entlang der Landesstraße. Sie funktionierten nicht wie sie sollten. Die Tiere folgen der Wende, laufen hinter der Schleife aber nicht entlang der Planken zurück zum nächsten Tunnel, sondern auf die Straße.

Anzeichen dafür waren 84 tote Erdkröten hinter der Wendeschleife am Kochsee. Die langsamsten unter den Amphibien fielen Autos zum Opfer, sagte Hahn. Während der Zählung im Frühjahr vergangenen Jahres ließ der Naturwächter auch an der Wende Eimer in den Boden ein. Die Zahl der Tiere, die sich dort fanden, stützt seine Theorie. Die Populationen hätten sich dennoch deutlich erhöht im Vergleich zur Mitte der 1990er-Jahre.

Vor 1996 war das Überqueren der Straße für weit mehr Tiere tödlich, bis Naturschützer begannen, transportable Zäune aufzustellen, die Amphibien einzusammeln und über die Straße zu tragen. Als die L 15 ausgebaut wurde, gelang es die stationäre Leiteinrichtung bauen zu lassen, aus Mitteln des EU-Programms zur Sicherung des natürlichen Erbes und des Naturschutzfonds Brandenburg, erklärte Naturparkleiter Mario Schrumpf. Die Stiftung Naturschutzfonds war es auch, die die Renaturierung des Schleiluchs möglich machte.

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