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Asphalt dort, Feuchtbiotop hier

Bisher nur Grünland: Hinter den einzelnen Sträuchern soll ein kleines Feuchtgebiet entstehen.
Bisher nur Grünland: Hinter den einzelnen Sträuchern soll ein kleines Feuchtgebiet entstehen. © Foto: MOZ
Andreas Wetzel / 03.03.2016, 07:50 Uhr
Demnitz (MOZ) Im Steinhöfler Rathaus liegen zurzeit die Pläne für die neue Ortsdurchfahrt der L33 in Eggersdorf aus - warum eigentlich? Die Baustelle ist doch in einer anderen Gemeinde, sogar in einem anderen Landkreis. Und doch hat Steinhöfel etwas damit zu tun: Demnitz profitiert davon.

Das Stichwort heißt "Ausgleichsmaßnahmen". Die muss ein Bauherr häufig dann leisten, wenn er für ein Projekt Flächen versiegelt oder Bäume abholzt. Und weil das nicht immer an Ort und Stelle funktioniert, darf es auch anderswo sein - in gewissen Grenzen. Spezialisiert auf solche Fälle ist die eigens dafür gegründete Flächenagentur Brandenburg. Deren Mitarbeiter Martin Szaramowicz betreut das Demnitzer Ausgleichsprojekt für den Eggersdorfer Straßenbau. "Das ist nur ein Teil der Kompensation, die geleistet werden muss", sagt er. An anderer Stelle muss das Land Brandenburg - es geht um eine Landesstraße - knapp 2000 Quadratmeter Wald aufforsten; Ausgleich für 75 Bäume, die dem seit zehn Jahren geplanten Ausbau der zwei Kilometer langen Ortsdurchfahrt samt Geh- und Radwegen zum Opfer fallen.

Laut Martin Szaramowicz ist das im Naturschutzrecht festgeschriebene "Schutzgut Boden" bei Bauprojekten am häufigsten betroffen - in Eggersdorf allein durch die neue Regenentwässerung. "Also bot sich an, in Demnitz zwei kleine Teiche anzulegen." Die dafür benötigten Flächen hatte die Flächenagentur schon vorher in petto: "Die Fürstenwalder Agrarbetriebe Buchholz haben uns ein Stück Grünland angeboten, das sie wegen der besonderen Lage nur noch schlecht bewirtschaften können." Südöstlich von der Ortschaft gelegen, würde es dort reichen, ein paar Baggerschaufeln tief, so Szaramowicz, zu graben, um ein Gewässer zu schaffen, das ganzjährig Wasser führe. Ein Feuchtbiotop für Amphibien wäre geschaffen.

Formell laufen solche Ausgleichsmaßnahmen, die die Flächenagentur betreut, so ab, dass sie die Grundstücke für ihren Gesellschafter, den Naturschutzfonds, erwirbt. "Wir kümmern uns auch um die langfristige Pflege der Projekte. Das ist in der Vergangenheit von manchen Investoren oft mal vernachlässigt worden." So aber kauft sich ein Investor, in diesem Fall der Landesbetrieb Straßenwesen, mit seinem Vertrag mit der Flächenagentur von den Auflagen frei, die ihm im Zuge des Planfeststellungsverfahrens auferlegt worden sind.

Um nicht für jeden Investor erst hektisch ein passendes Objekt suchen zu müssen, halte die Flächenagentur immer diverse "Flächenpools" bereit. Es habe auch schon mal einen Flächenpool Steinhöfel gegeben, damals sei es ebenfalls um die Umwandlung von Grünland gegangen, entlang des Kuhluchgrabens. Martin Szaramowicz: "Dieser Pool ist inzwischen ausgeschöpft." Wie aufwendig eine Ersatzmaßnahme ausfallen muss, hänge dabei immer von der Art und Größe des Eingriffs in die Natur ab: Ein Supermarktparkplatz sei eher klein zu bewerten, eine Ortsdurchfahrt wie in Eggersdorf falle schon in die Kategorie "mittel".

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