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Swiss Krono überbietet eigenen Weltrekord

Abgefahren: Die Schwerlast-Transporte hatten am Donnerstag Rekord-OSB-Platten geladen. Sie werden mehrere Tage unterwegs sein und ihre Ladung wegen des Wochenendes erst am Montag im schweizerischen Stein am Rhein loswerden.
Abgefahren: Die Schwerlast-Transporte hatten am Donnerstag Rekord-OSB-Platten geladen. Sie werden mehrere Tage unterwegs sein und ihre Ladung wegen des Wochenendes erst am Montag im schweizerischen Stein am Rhein loswerden. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 10.03.2016, 17:03 Uhr
Heiligengrabe (MZV) Normalerweise sind es Sportler, die ihren eigenen Weltrekord brechen. Oder verrückte Vögel, die im Guinness-Buch landen wollen. In dieser Woche war es aber ein Unternehmen, das eine selbst aufgestellte Höchstleistung überboten hat - eines aus Ostprignitz-Ruppin.

Schon zuvor war es keinem anderen Hersteller gelungen, so lange OSB-Platten zu produzieren wie Swiss Krono in Heiligengrabe. Solche Platten - OSB steht als englische Abkürzung für ausgerichtete Späne - bestehen aus hochverdichteten und speziell verleimten, groben Fichtenspänen. Bis zu 15Meter lang konnte solch ein Bauteil in Heiligengrabe sein - Weltrekord. Doch nun gelingt es dem Unternehmen dank einer Umstellung in den Produktionsanlagen und der Logistik, bis zu 18Meter lange Platten zu fertigen und abzutransportieren.

Am Donnerstag war es so weit: Erstmals sind die Rekordplatten verladen und zu einem Kunden abtransportiert worden. 17,5 Meter lang waren sie. Die zweieinhalb Meter Breite und die 25Millimeter Dicke sind für alle genormt. Sieben Spezialtransporte waren gekommen, um die Platten abzuholen; 27Stück pro Lkw dürfen verladen werden. Um Mitternacht war damit schon begonnen worden. Es sei schließlich das erste Mal, sagt Vertriebschef Uwe Joest: "Da müssen wir erst Erfahrung sammeln, wie lange es dauert, solch schwierige Güter komplett zu verladen."

Auch wenn es erstmal ein einziger Auftrag war - Joest rechnet damit, dass weitere folgen. Hoffnung machen nicht nur politische Pläne für ein Wohnungsbauprogramm. Immer mehr Kunden schätzen zudem die durchgehende Platte. Der Grund: "Sie lässt eine Bauweise ohne Stöße zu", sagt Joest. Mit Stößen meint der Fachmann zum Beispiel Fugen, die entstehen, wenn Bauteile aneinandergefügt werden müssen. Solche Brüche in der Fläche einer Wand oder eines Fußbodens bringen Schallprobleme mit sich. Vor allem aber machen sie eine Bauwerk weniger energieeffizient.

Der Auftraggeber hat diese Probleme erkannt und deshalb die durchgehenden Riesenplatten bestellt. Sie werden aber nicht direkt von Heiligengrabe auf die Baustelle nach Nürnberg transportiert. Die Riesen-OSB-Platten gehen erst zum Schweizer Werk der Erne AG in Stein am Rhein(Kanton Schaffhausen). Dort werden sie für den Bau hergerichtet, also speziell zugeschnitten und mit anderen Bauteilen zu Modulen zusammengefügt. Diese Produkte werden dann zur Baustelle nach Nürnberg geliefert. Der Bauherr will dort eine Schule errichten und hat durch solche Großmodule eine erhebliche Zeitersparnis beim Bau. Laut Joest ist solch eine Bauweise angesichts der aufwendigen Vor-Produktion "nicht unbedingt viel billiger". Aber der Bauherr kann deutlich schneller als mit herkömmlicher Bauweise das Gebäude aus dem Boden stemmen - und damit schneller für die Nutzung bereit stellen. Einnahmen werden schließlich erst erzielt, wenn ein Gebäude vollkommen fertig ist. Im Endeffekt ist die schnellere Bauweise damit auch günstiger und findet immer mehr Freunde. "Dieser Markt steigt derzeit an", ist sich Joest sicher.

Die Neuheit kommt zu einem Zeitpunkt, in dem sich das Unternehmen ohnehin neu aufstellt - zumindest dem Namen nach. War in Heiligengrabe die OSB-Plattenproduktion Sache der Kronoply GmbH und die sogar noch lukrativere Laminat-Produktion Sache von Kronotex, firmiert das alles jetzt unter der Benennung Swiss Krono. Die Schweizer Firmengruppe hat damit ihr Image vereinheitlicht, betont Hendrik Hecht, Geschäftsführer des Heiligengraber Standorts. "Für uns ist das natürlich eine sehr große Veränderung", sagte er. So fällt der in der Region etablierte, aber von der Aussprache her immer wieder Unsicherheit hervorrufende Name Kronoply ganz weg. Die Kronotex bleibt im Firmentitel der Swiss Kronotex GmbH noch lebendig.

Vor allem aber das Firmenlogo ist jetzt deutlich schweizerisch geworden: ein roter Kreis mit einem weißen "K", das in seinem Rücken über einen roten Trennstrich das landestypische weiße Kreuz nachbildet. Die Visitenkarten sind jetzt neu gedruckt und auch die aktuelle Ausgabe der Firmenzeitung "Swiss Krono Kurier Heiligengrabe" ist schon entsprechend umgestaltet worden.

Insgesamt blickt Hecht auf ein gutes Geschäftsjahr zurück - auch wenn es unter schwierigen Vorzeichen stand. Die Erlöse pro verkauftem Produkt sind zurückgegangen. Das hat auch mit dem Rohstoffpreis-Verfall zu tun. Eine OSB-Platte besteht zum Beispiel nur zu zwei Dritteln aus Holz. Das andere Drittel machen Leime oder Kunststoffe aus, die auf Öl basieren. "Dass es so billig ist, kommt in gewisser Weise auch uns zugute", sagt Hecht.

Doch die Umsatzsteigerung von zweieinhalb Prozent (siehe Infokasten) spiegelt wegen der ungünstigen Preissituation nicht wider, was an Produkten ausgestoßen wurde. "Die Steigerung des Produktionsvolumens lag deutlich über dem Wert von zweieinhalb Prozent", so der Standort-Chef. Der Ausblick fürs laufende Geschäftsjahr, das am 1.Oktober begonnen hat, stimmt Hecht aber sehr zuversichtlich. Swiss Krono ist mit seinen Heiligengraber Produkten auf allen wichtigen Messen der Welt präsent: Hecht wird demnächst bei einer Produktschau in Shanghai dabei sein, Vertriebschef Joest in Melbourne. "Wir sind auf allen Märkten der Welt präsent", sagt Hendrik Hecht. "Das hat uns immer geholfen."


■ Die Schweizer Krono-Gruppe ist vor genau 50 Jahren mit der Inbetriebnahme eines Werkes in Menznau(Kanton Luzern) gegründet worden.
■ 1993 wurde der Grundstein für die Produktion in Heiligengrabe gelegt.
■ Das verkehrsgünstig an der A24 liegende Werksgelände umfasst insgesamt 85Hektar
■ Beschäftigt werden an dem Standort derzeit 734 Mitarbeiter - 15 mehr als noch zum Jahresende 2015. Swiss Krono ist damit der größte privatwirtschaftlich betriebene Arbeitgeber im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.
■ Drei Viertel der Beschäftigten leben in einem Umkreis von 25Kilometern um das Werk herum. Insgesamt knapp 90 Prozent der Belegschaft stammen aus einem Umkreis von 50 Kilometern.
■ Im Geschäftsjahr 2014/2015 ist ein Umsatz von 400Millionen Euro erzielt worden - zweieinhalb Prozent mehr als 2013/2014.
■ Die in Heiligengrabe hergestellten Produkte werden in alle Welt exportiert. Vor allem die Laminat-Erzeugnisse gehen zu drei Vierteln ins Ausland. Die Spezial-Bauplatten, zum Beispiel OSB, gehen zu 60Prozent ins Ausland.
■ Der wichtigste Hauptabnehmer derzeit sitzt beispielsweise in Chile.
■ Weltpolitische Entwicklungen beeinflussen das Geschäft: So behindern Embargos wie zum Beispiel nach Russland den Absatz. Durch das Atom-Abkommen mit dem Iran und das damit entfallende Embargo zu dem 75-Millionen-Einwohner-Land hofft das Unternehmen, dort rasch einen neuen großen Absatzmarkt zu erreichen. Auch nach Indien werden verstärkt die Fühler ausgestreckt. (crs)

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