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Weniger Abschüsse in der Heide gefordert

Außergewöhnlich: So viele besonders große Geweihe wie bei der Trophäenschau am Sonnabend in Gühlen-Glienicke gibt es sonst kaum einmal zu sehen.
Außergewöhnlich: So viele besonders große Geweihe wie bei der Trophäenschau am Sonnabend in Gühlen-Glienicke gibt es sonst kaum einmal zu sehen. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 14.03.2016, 08:00 Uhr
Gühlen-Glienicke (NEU) Ernste Kritik übten Mitglieder der Hegegemeinschaft "Ruppiner Heide" bei ihrer Jahresversammlung am Sonnabend in Gühlen-Glienicke an einer zu starken Bejagung von Teilen des Areals durch die Landesforst. Auch die Tatsache, dass sich einige Jagdbezirke trotz des zurückgehenden Wildbestandes nicht nach den Regeln ihrer Gemeinschaft zu richten brauchen, störte die um die geordnete Hege bemühten Jäger. Mehrfach sollen in dem zum 1. April zu Ende gehenden Jagdjahr Wölfe gesichtet worden sein. Erst kürzlich lag ein totgebissenes Hirschkalb in der Nähe von Heinrichsdorf.

Die von der Hegegemeinschaft in 65 Jagdbezirken betreute Fläche ist 57 000 Hektar groß. Auch der frühere Truppenübungsplatz der Sowjets gehört dazu. Mit der Abschussrate des zurückliegenden Jahres ist Rüdiger Cours, zuständiger Wildmeister der Piepenbrock-Forstverwaltung, zufrieden. Beim Rotwild wurden 788 Tiere erlegt, beim Damwild waren es 110. Insgesamt 1198 Wildschwein-Abschüsse verzeichnete die Gemeinschaft. Außerdem wurden 1100 Rehe geschossen.

Leider würden vor allem im Landeswald zu viele Jungtiere erlegt, die nicht Bestandteil dieser Zählung sind, schätzte Cours ein. Für das Land seien die recht häufigen Jagden eine Einnahmequelle, auf die laut Cours besser zumindest teilweise verzichtet werden sollte. "Der Wildbestand geht insgesamt zurück, worauf alle Rücksicht nehmen sollten", sagte der Wildmeister. Die Piepenbrock-Gruppe habe sich bei ihren Flächen bereits auf die veränderte Situation eingestellt: "Anders als früher haben wir nur noch eine große Jagd im November." Wild sei wichtiger Bestandteil des märkischen Walds. Auch Urlauber und heimische Naturfreunde würden sich freuen, wenn sie auch in einigen Jahren noch beim Waldspaziergang das eine oder andere Wildtiere zu Gesicht bekämen.

Auf einen wenig berechenbaren Jäger, den Wolf, habe sich die Hegegemeinschaft bereits eingestellt, schätzte ihr Vorsitzender Werner Ludwig ein. Teilnehmer der Landesjagden haben laut seinem Mitstreiter Cours bereits mehrfach zwei gemeinsam auftretende Wölfe gesehen, bei denen es sich wohl um ein Pärchen handele. Allerdings hätten diese Sichtungen ohne Fotos keine Beweiskraft. Selbst bei getöteten Wild- oder Nutztieren sei es nicht leicht, mit Sicherheit den Graupelz als Verursacher festzustellen. So sei erst kürzlich ein totgebissenes Rotwild-Kalb bei Heinrichsdorf gefunden haben. Cours kann sich sehr gut vorstellen, dass ein Wolf dafür verantwortlich ist. Allerdings gebe es auch andere Ansichten, berichtete er: "Der zuständige Wolfsbeauftragte Robert Franck meint, es könnte auch ein Hund gewesen sein."

Der Hegegemeinschafts-Vorsitzende Ludwig zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem zurückliegenden Jagdjahr. Allerdings bestehe ein großes Problem. Außer den 65 Mitgliedsbezirken gebe es auf dem Gelände auch sieben Jagdbezirke, die nicht Mitglied der Gemeinschaft sind. Es sei alles andere als schön, dass sich die Jäger dort nicht an die Regeln der Gemeinschaft zu halten bräuchten, die dem Wohl der Tier- und Pflanzenwelt dienten, meinte der Vorsitzende. Daher fordert die Hegegemeinschaft nun vom zuständigen Potsdamer Landwirtschaftsministerium, dass die Mitgliedschaft in Hegegemeinschaften generell zur Pflicht gemacht wird.

Viele Besucher waren am Sonnabend nur gekommen, um sich die lediglich für einen Tag aufgebaute Trophäenschau der Hegegemeinschaft anzusehen. Etwa 100 zumeist gewaltige Geweihe von Rot- und Damhirschen sowie wuchtige Wildschweingebisse waren zu sehen. In dieser Fülle waren die vielen besonders großen Ausstellungsstücke eine echte Besonderheit. Zwei Geweihe konnten nach den international gültigen Kriterien mit einer Goldmedaille und sieben mit dem silbernen Pendant ausgezeichnet werden. Außerdem wurden einige Bronzemedaillen verliehen.

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