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Gülper Schweine auf Schlosstellern

Restaurantleiterin Ivonne Mertens und Koch Martin Blume präsentieren das Carreé vom Gülper Schwein mit Birnenrisotto in Schwarzbiersoße.
Restaurantleiterin Ivonne Mertens und Koch Martin Blume präsentieren das Carreé vom Gülper Schwein mit Birnenrisotto in Schwarzbiersoße. © Foto: MZV/Euent
Sandra Euent / 30.03.2016, 11:48 Uhr
Gülpe/Ribbeck (MOZ) Gülpe, der kleine Ort am gleichnamigen See im Naturpark Westhavelland, ist die Heimat einer Agrargenossenschaft, die 46 Menschen Arbeit bietet. Schon seit 1991 vermarktet die Agrargenossenschaft einen Teil ihrer Produkte direkt und regional. In der hauseigenen Fleischerei in Wolsier werden Schweine und Rinder zu Fleisch- und Wurstprodukten verarbeitet, die anschließend im Hofladen und in zwei Verkaufsstellen in Rhinow und Rathenow angeboten werden.

Die derzeitige Agrarkrise, die am stärksten die Milchwirtschaft betrifft, in der der Preis von rund 40 Cent pro Liter Milch im Jahr 2014 auf aktuell rund 22 Cent pro Liter fiel, macht auch den Gülpern zu schaffen. "Wir haben im vergangenen Jahr einen sechsstelligen Betrag dem Milchlaster hinterher getragen", so Enrico Voigt von der Agrargenossenschaft. Da ist es gut, dass die Milchviehwirtschaft nicht ihr einziges Standbein ist. Dazu kommen Schweine, (Fleisch-)Rinder und der Ackerbau.

Um unabhängiger von den schwankenden Preisen des Weltmarkts zu werden, sei es wichtig, noch stärker auf regionale Vermarktung zu setzen, darüber sind sich Dirk Peters Vorsitzender Kreisbauernverband, Johannes Funke, Geschäftsführer Kreisbauernverband, Landrat Burkhard Schröder und Agrargenossenschaftler Enrico Voigt einig. Ein erster kleiner Schritt wurde am Dienstag auf Schloss Ribbeck vorgestellt. Ab sofort ist dort "Carreé vom Gülper Schwein mit Birnenrisotto in Schwarzbiersoße" auf der Restaurant-Karte zu finden.

Es sei gar nicht so einfach, regionale Produkte auf die Speisekarten in der Umgebung zu bekommen, erklärte Johannes Funke. Denn oftmals fehle es an Zulassungen. So müsse eine Fleischerei eine EU-Zertifizierung haben, um Gastronomie-Betriebe beliefern zu dürfen. Für einen Verkauf nur im Hofladen sei dies nicht nötig. Die Gülper können diese Zertifizierung vorweisen.

In Gesprächen mit Restaurantleiterin Ivonne Mertens, Schloss-Ribbeck-Geschäftsführer Frank Wasser und Enrico Voigt entwickelte sich die Idee des nun auf der Karte zu findenen Gerichts. Wasser sieht die Zusammenarbeit als neues Marketinginstrument in der Küche und kann sich durchaus vorstellen, wenn es gut von den Gästen angenommen wird, mehr Produkte in die Karte aufzunehmen. "Eine Gülper Bratwurst, die zu besonderen Anlässen im Schlossgarten angeboten wird, ist zum Beispiel auch eine Überlegung." Eine weitere Stärkung des regionales Profils der Schlossküche erhofft sich Frank Wasser unter anderem durch das Wiederbeleben der Wildwochen, die er als Ergänzung zu regional erzeugten bäuerlichen Produkten sieht.

Regionale Vermarktung und regionale Wirtschaftskreisläufe seien eine gute Möglichkeit, sich von den Folgen der Agrarkrise zu lösen, führte auch Kreisbauernchef Dirk Peters aus. In einigen Bereichen sei dies im Havelland durchaus schon gelungen. So seien Pferde zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, der Umsätze von geschätzten 20 Millionen Euro erbringt und zu dem ein Netzwerk von Arbeitsplätzen gehört. Gleiches gelte für die Bioenergie. Durch Anbau von Erbsen, Lupinen, Luzernen und ähnlichem versuchten die havelländischen Bauern, sich vom weltweiten Sojahandel unabhängig zu machen.

Bei regionalen Lebensmitteln sieht Peters aber noch Nachholbedarf. Auch wenn einige Bauern durch ihre Hofläden ihre Produkte regional an den Mann und die Frau bringen, so sei das doch noch zu wenig. Ein Anfang, ein Startsignal, sei mit dem Gericht auf der Speisekarte des Schlosses gemacht worden. Ob es sich bewährt, werde die Zeit zeigen. Langfristig müsse man sich etwa mit einer Dachmarke für regional erzeugte Produkte befassen, so Peters.

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