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Rettung für alte Dampfmaschine

Einst dampfte und zischte sie: die alte Dampfmaschine in der Cöthener Brennerei. Heute liegt das Gebäude von 1803 in Trümmern. Die Maschine allerdings könnte erneut das Brandenburgische Denkmalsiegel erhalten. Viele von diesen Maschinen gibt es nicht mehr
Einst dampfte und zischte sie: die alte Dampfmaschine in der Cöthener Brennerei. Heute liegt das Gebäude von 1803 in Trümmern. Die Maschine allerdings könnte erneut das Brandenburgische Denkmalsiegel erhalten. Viele von diesen Maschinen gibt es nicht mehr © Foto: moz
Mandy Timm / 31.03.2016, 19:58 Uhr
Cöthen (MOZ) Schon vor mehr als 170 Jahren muss es in der Brennerei Cöthen eine Dampfmaschine gegeben haben. Darüber sind sich Fachleute einig. Ein Nachfolgermodell wurde nun vom Landesamt für Denkmalpflege begutachtet. Eine erneute unter Schutzstellung ist wahrscheinlich.

Kartoffelschnaps kam eher nicht aus Cöthen. Eher Hochprozentiges aus Korn und Obstbrand. Matthias Baxmann zückt die Kamera und knipst den Stahlkoloss vor sich von allen Seiten. Es gibt nicht mehr viele im Dorf, die die alte Dampfmaschine noch in Betrieb gesehen haben. 1969 lief die Destille zum letzten Mal. Die Brennerei Cöthen war damit Geschichte. Ihr Haus, ihre monströsen Maschinen, überhaupt die gesamte Gutsanlage, zu der die Brennerei einst gehört, aber noch lange nicht.

Matthias Baxmann ist Historiker und beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf für technische Denkmale zuständig. Er scheint Dinge nüchtern zu betrachten, pragmatisch. Eine gewisse Bewunderung für die Dampfmaschine aber kann er nicht verhehlen. "Es gibt hier in der Umgebung nicht mehr viele davon", sagt Baxmann. Vier von dieser Größe waren im Altkreis Bad Freienwalde und in Hohenfinow einst bekannt, zwei davon existieren noch heute: eine in Beerbaum und das Cöthener Exemplar.

Die historische Maschine und sämtliches Zubehör gehören seit einem halben Jahr Falk Richwien und Johanna Frohberg, bildende Künstler von Beruf, Wahl-Cöthner und daran interessiert, die Dampfmaschine zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie kauften das Gebäude samt des alten Wirtschaftstraktes nebenan. Dort leben die Künstler inzwischen. Beim Termin mit den Denkmalschützern, Ingetraud Senst, Gebietsreferentin für Inventarium, war auch dabei, machen beide mehrmals deutlich, dass sie den Wert durchaus zu schätzen wissen. "Die Rettung der Dampfmaschine und des Gebäudes stehen im Vordergrund", sagt Johanna Frohberg. "Beides ist für die Gemeinschaft wertvoll, ob aus pädagogischer Sicht oder kulturell." Baxmann gefällt der Ansatz. "Sofern eine Förderung möglich ist", versichert er, "sollte das Vorhaben unterstützt werden. Da können Sie auf mich bauen." Allein um eine Art Notdach - eine moderne Variante schwebt dem Künstlerpaar vor - samt Verankerung aufzubauen, müssten die neuen Eigentümer etwa 129 000 Euro aufbringen. "Das können wir aber nicht allein", bekennt Falk Richwien.

Warum das Gebäude, dessen Grundstein 1803 gelegt worden ist, heute in einem so desolaten Zustand ist, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Eine besagt, die Treuhand habe es vor etlichen Jahren einreißen lassen, um eine Abwertung zu erreichen. Vorher sei ein Verkauf nicht möglich gewesen.

Das Dach ist eingestürzt, innen liegt meterhoher Schutt und Müll. Das Gebäude wurde erst zugänglich, nachdem Frohberg und Richwien tonnenweise Müll vor der Tür geräumt und Brombeersträucher in den Griff bekommen hatten. Ingetraud Senst bescheinigt ihnen, eine Menge zum Guten gewendet zu haben.

Die alte Dampfmaschine unterdessen ist bereits unter Schutz gestellt worden. Zu DDR-Zeiten sei die Alteintragung erfolgt, erklärt Denkmalschützer Baxmann. Warum allerdings das Funktionsgebäude in dem Zusammenhang keine Unterschutzstellung erhielt, bleibt ihm ein Rätsel. Er wird nun entscheiden, ob die Dampfmaschine weiter dieses besondere Siegel erhält oder nicht. Seine Kollegin Ingetraud Senst machte schon deutlich, dass das Gebäude, so mitten im Dorf gelegen, im Zusammenhang mit der restlichen Gutsanlage zusehen ist. "Die alte Brennerei gehört zum Ortsbild dazu", steht für sie fest. "Alles zusammen bildet einen Rahmen." Anhand der Gebäude, die die Zeit überdauert haben, könne sich die sehr interessante Ortsgeschichte von Cöthen erzählen lassen.

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