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"Fluchtgedanken" in Gollwitz

Mervete Bobaj (Projektleiterin), Arber Tahiri aus dem Kosovo, Amer Al Ammouri aus Syrien und Shukrullah Joya aus Afghanistan stellten sich den Fragen der Besucher und erzählten von ihren Erlebnissen auf den Weg nach Deutschland.Foto: Herrmann
Mervete Bobaj (Projektleiterin), Arber Tahiri aus dem Kosovo, Amer Al Ammouri aus Syrien und Shukrullah Joya aus Afghanistan stellten sich den Fragen der Besucher und erzählten von ihren Erlebnissen auf den Weg nach Deutschland.Foto: Herrmann © Foto: MZV
Erhard Herrmann / 13.04.2016, 09:05 Uhr
Gollwitz (MZV) Hunderttausende Flüchtlinge kommen in diesen Monaten ins Land, über Einzelschicksale wissen wir nichts. Trotz vieler Bilder und Berichte bleibt "Flucht" für viele häufig abstrakt. Doch was heißt es, seine Heimat zu verlassen? Was, auf der Flucht zu sein, sein Leben zu riskieren? In einem fremden Land anzukommen, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Kultur sich grundlegend von der des eigenen Landes unterscheidet? Im Juli 2015 initiierte deshalb das Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste ein besonderes Projekt in der Begegnungsstätte Schloss12 Jugendliche mit Fluchterfahrungen fanden zu einem Sommercamp zusammen, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten und diese in einer Filmdokumentation festzuhalten. "Es war uns wichtig, den Menschen hinter einer anonymen Masse zu zeigen", betonte Dr. Niels Haberlandt, der Geschäftsführer der Begegnungsstätte SchlossDie Jugendlichen haben das Drehbuch geschrieben, geschauspielert und gefilmt. Das Ergebnis, zwei Filme mit den Titeln "In Transit" und "Das Filmprojekt". Die Filme versuchen anhand von Einzelschicksalen den allgemeinen Begriff "Flüchtling" vor allem auch aus der Perspektive der Betroffenen zu erklären. Vor kurzer Zeit sind die Protagonisten erst nach Deutschland gekommen. Sie kamen auf Umwegen, zum Teil ohne Pass oder illegal und wurden von den Behörden aufgegriffen. "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" ist ihre offizielle Bezeichnung. Mit diesen Filmprojekten wollen sie anderen Flüchtlingen sowie der Aufnahmegesellschaft Mut machen, aufeinander zuzugehen. "Denn niemand flüchtet freiwillig aus seiner Heimat. Es sind immer regionale Umstände die Menschen zur Flucht zwingen, wie aktuell z. B.: Der Krieg in Syrien und die Bedrohung durch die Truppen des Islamischen Staats", erzählten sie in der anschließenden Diskussionsrunde. Was haben sie zurückgelassen? Wonach sehnen sie sich? Was vermissen sie am meisten? Würden sie die Flucht noch einmal wagen? Die Besucher der Filmveranstaltung nutzen die Möglichkeiten sich ein Bild aus nächster Nähe zu machen. In einem guten Deutsch erzählten Arber Tahiri aus dem Kosovo, Amer Al Ammouri aus Syrien und Shukrullah Joya aus Afghanistan von ihrer Flucht. Einige der Gäste stellten ihre Frage in Englisch. "Wir sind hier in Deutschland. Deshalb sollten wir in Deutsch weiter diskutieren", Amer Al Ammouri hatte mit dieser schlagfertigen Antwort die Lacher auf seiner Seite. Aber ihm und allen anderen war nicht bewusst welche Gefahren und Mühseligkeit sie auf sich nehmen mussten um dort hinzukommen wo sie jetzt sind. Als "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" stehen sie unter einem besonderen Schutz, sie erhalten bessere Betreuung, können sofort Sprachkurse besuchen und müssen keinen Asylantrag stellen, um vorerst bleiben zu dürfen. Sie erhalten die große Chance zur schnellen Integration und wollen sie auch nutzten.

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