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Gutengermendorf und kein Ende

So ist das Leben im Ort: Ein Plausch mit den Einwohnern gehört bei einem Ortsrundgang für die beiden Mitglieder des Beirates, Helmut Kohs (Mitte) und Jochen Harhues (rechts), einfach dazu. Schließlich kennt man sich.
So ist das Leben im Ort: Ein Plausch mit den Einwohnern gehört bei einem Ortsrundgang für die beiden Mitglieder des Beirates, Helmut Kohs (Mitte) und Jochen Harhues (rechts), einfach dazu. Schließlich kennt man sich. © Foto: MZV/Volkmar Ernst
Volkmar Ernst / 21.04.2016, 08:15 Uhr
Gutengermendorf (GZ) Gutengermendorf verliert sich in der Unendlichkeit. Kaum zu glauben, aber es ist so, zumindest was das Ortsende Richtung Buberow betrifft. Denn dort ist auf dem Ortsausgangsschild der rote Querbalken über dem Namen Gutengermendorf, mit dem das Ende des Ortes bekanntgegeben wird, irgendwie abhanden gekommen. Vielleicht hat ihn der Regen abgeweicht, vielleicht hat ihn auch jemand bewusst entfernt? Wer weiß das schon? Helmut Kohs und Joachim Harhues nehmen es beim Ortsrundgang gelassen. Sie schmunzeln und sagen: "Wir werden uns bei der Verwaltung erkundigen, ob Buberow inzwischen zu Gutengermendorf gehört. Wenn nicht, dann muss der Strich wieder angebracht werden."

Gutengermendorf ist ein typisches Straßendorf. Rechts und links der Fahrbahn reihen sich die Häuser aneinander. Viele sind schmuck hergerichtet, aber es gibt auch Bauruinen. Meist gehören sie Erbengemeinschaften, die sich über den Verkauf beziehungsweise den Verkaufspreis und dessen Verteilung nicht einigen können. Wie eine Trutzburg überragt und beherrscht die wuchtige, im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen errichtete Wehrkirche, den Ort. Sie markiert die Mitte des Ortes, dessen erste urkundliche Erwähnung bis ins Jahr 1459 zurückreicht. Als Grundherr wird 1525 das Kloster Zehdenick aufgeführt.

Beiderseits des Kirchengeländes befinden sich Freiflächen. Auf der vor dem Haupteingang zum Friedhof steht das Kriegerdenkmal mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen, ehemaligen Einwohner. Auf der anderen Seite der Kirche schließt sich der Dorfanger an. In den Gebäuden der ehemaligen Schule befindet sich heute eine kombinierte Kindereinrichtung. Kohs kennt die Schule noch. Er hat dort auf den Bänken gesessen und Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Lediglich zum Turnunterricht mussten die Kinder auf eine Fläche und in eine Halle am ehemaligen Bahnhof, erzählt er, und bestätigt noch einmal: "Ja wirklich, einen Bahnhof gab's mal."

Insgesamt sind die beiden Beiratsmitglieder zufrieden, wie sich der Ort entwickelt hat. Dass die Gutengermendorfer ihren Ort lieben und sich mit ihm verbunden fühlen, spiegelt sich auch darin wider, dass die Postanschrift nur Gutengermendorf plus Hausnummer lautet. Warum? "Weil die Ortsangabe Dorfstraße im Zuge der Gemeindereform, als das Löwenberger Land gebildet wurde, schon vergeben war", erklärt Kohs. "Also haben alle Einwohner gemeinsam entschieden, dass die Grundstücke nur durchnummeriert werden." In weiser Voraussicht wurde dabei gleich darauf geachtet, dass mögliche Baufelder mit eingerechnet werden.

Sein Hauptaugenmerk richtet der Beirat vor allem darauf, das Geschaffene zu bewahren. 2006 wurde die Straße instand gesetzt. Auch eine intakte Straßenbeleuchtung gibt es, ebenso einen Gehweg. Der allerdings ist ganz schön schmal, wie Jochen Harhues und Helmut Kohs zugeben müssen. Beide haben darauf nebeneinander geradeso Platz. "Wie gut, dass André heute nicht konnte, denn sonst hätte einer von uns immer über den Rasen latschen müssen", meint Kohs und lacht verschmitzt. (André Wildt ist das dritte Mitglied im Beirat.)

Etwas unglücklich gesetzt wurden die Straßenlaternen. "In den ursprünglichen Planungen sollte der neue Gehweg zwischen Fahrbahn und Baumreihe angelegt werden, um sozusagen die Privatsphäre der Anwohner zu respektieren. Doch dann blieb er vor den Häusern, weshalb nun die Baumreihe zwischen Gehweg und Straßenbeleuchtung steht", erklärt Harhues. Im Winter sei das weniger ein Problem, weil dann kein Laub an den Bäumen ist, aber im Sommer schon. "Das sind halt Fehler, die damals gemacht wurden, und mit denen wir leben müssen."

Was allerdings in Angriff genommen werden soll, das ist die Neugestaltung des Dorfangers. Dabei geht es allerdings nur um die Frage, ob und wie die stattlichen Bäume, die ihn einrahmen, erhalten und ersetzt werden können. Einige Lücken sind bereits zu entdecken. Dort neue zu setzen, wäre eine Möglichkeit. Dann jedoch würde das bislang einheitliche Erscheinungsbild des Angers gestört. Eine zweite Möglichkeit wäre, alle Bäume abzunehmen und durch neue zu ersetzen. Hier wollen die Beiratsmitglieder jedoch noch in Erfahrung bringen, wie gut beziehungsweise standfest die alten Linden sind, bevor eine Entscheidung gefällt wird.

Ebenfalls kein akutes, aber eben doch ein Problem, mit dem sich die Kommunalpolitiker langfristig beschäftigen müssen, sind die noch im Boden liegenden Wasserleitungen. Denn dabei handelt es sich um Asbestrohre. Von denen gehe zwar keine Gefahr aus, so lange sie intakt seien. Doch hätten alle Materialien irgendwann ihre Haltbarkeitsdaten erreicht, daran müssen wir für die Zukunft denken, so die beiden Kommunalpolitiker.

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