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Original unter 19 Farbschichten entdeckt

Originalfarbe über dem Lichtkamin: Ortwin Jäger (l.), Vorsitzender des Kurmarkvereins, sowie der Maler. Grafiker und Restaurator Otto Schack führen kundig durch das Lehmhaus in Beerbaum
Originalfarbe über dem Lichtkamin: Ortwin Jäger (l.), Vorsitzender des Kurmarkvereins, sowie der Maler. Grafiker und Restaurator Otto Schack führen kundig durch das Lehmhaus in Beerbaum © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 08.05.2016, 07:22 Uhr
Beerbaum (MOZ) Der Kurmarkverein hat die Saison am Lehmhaus in Beerbaum bei Heckelberg gestartet. Mitglieder arbeiten derzeit am benachbarten Stallgebäude, in dem ein Café und Toiletten eingerichtet werden sollen. Auf Anfrage kann das Lehmhaus besichtigt werden.

Gelb leuchtet das kleine mit Biberschwanzziegeln gedeckte Häuschen in Beerbaum. Was aussieht wie ein Einfamilienhaus auf einem Feldsteinsockel, birgt eine interessante Geschichte. Sophie Gräfin von Dönhoff (1768 -1838) baute ihren Landarbeitern menschenwürdige Unterkünfte. Damit deren Kinder nicht mehr täglich nach Tuchen in die Schule laufen mussten, errichtete sie in Beerbaum eine Schule und bezahlte einen Lehrer. Eines dieser um 1810 für zwei Landarbeiterfamilien errichtete Gebäude, ist das Lehmhaus. Das Volksgut Beerbaum hatte kurz vor der Wende alle alten Gebäude, darunter auch die Lehmhäuser abgerissen. "Dieses Lehmhaus nahm man sich fürs kommende Jahr vor, doch dann kam die Wende", so Ortwin Jäger,Vorsitzender des Kurmarkvereins.

Heute ist darin ein kleines Museum eingerichtet. Dort informiert der Kurmarkverein, dem das Lehmhaus gehört, über das Leben der Gutsherrin, über das Bauen mit Lehm und das Leben und Wohnen der Landarbeiter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das leuchtende Gelb der Fassade, aber auch die Farben im Inneren des Hauses seien belegt, versichern Ortwin Jäger und Otto Schack. Die Restauratorin habe die Farben teilweise unter 19 Farbschichten gefunden und als Originalfarbei bestimmt.

Auch der klassizistische Fries, der oben an den Wänden verläuft, sei überliefert und kretischen Ursprungs. Vermutlich habe der Dorfmaler die Häuser innen und außen gestrichen und habe auch den Fries gemalt, vermutet Otto Schack. Er sei bei der Farbanalyse der Wände entdeckt und freigelegt worden. Teile der ursprünglichen Bemalung sind indes absichtlich nicht übermalt worden und noch gut zu sehen.

Das Haus sei vergangenes Jahr fertig geworden. "Was wir noch machen müssen, ist die gemauerte schwarze Küche", sagt Otto Schack. Sie befindet sich in der Mitte des Hauses und trennt die Wohnbereich der beiden Familien. Sie heißt "schwarze Küche", weil ein offenes Feuer zum Kochen und Heizen diente. Der Rauch, der oben durch den Schornstein abzog, färbte die Wände kohlrabenschwarz. Zurzeit dient die schwarze Küche als Abstellkammer, der Verein will sie jedoch restaurieren.

Den sogenannten Lichtkamin in einer der Wohnungen, haben die Mitglieder der Kurmarkvereins bereits ausprobiert. "Wir mussten uns immer weiter entfernen, so warm wurde es uns", erzählt Ortwin Jäger, fasziniert von der effektiven Wärmeerzeugung. Er diente einst der Landarbeiterfamilie, die sich darauf kleine Mahlzeiten zuzubereiten konnte. In der in der kalten und dunklen Jahreszeit spendete er Licht, erläutert Otto Schack.

Das Haus glich einer Ruine und stand lange leer. Im Jahr 2011 hatte die Lokale Aktionsgemeinschaft (LAG) Oderland unter dem Vorsitz von Landrat Gernot Schmidt (SPD) dem Kurmarkverein 104 000 Euro aus Leader-Mitteln für die Sanierung des Lehmhauses zur Verfügung gestellt. Schack und Jäger heben Michael Busch, ehemaliger Bürgermeister von Heckelberg-Brunow heraus, dessen Verdienst es sei, dass das Projekt noch mal richtig an Fahrt gewann, sodass die Fördermittel schließlich flossen. Schrittweise wurde das Lehmhaus denkmalgerecht saniert.

Das in rotem Backstein errichtete Stallgebäude neben dem Lehmhaus bietet noch einen erbärmlichen Anblick. Um Besucher zu Verweilen anzuregen, will der Verein darin ein kleines Café einrichten. Draußen planen die Vereinsmitglieder den Bau eines Lehmofens. Mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises müssen sie sich noch einigen, in welchem Abstand er vom Lehmhaus stehen darf.

Die Geschichte des Lehmbaus in Brandenburg ist ein Baustein des Museums. "Man kann die Lehmbauweise gut nachvollziehen", erklärt Otto Schack. Das Fachwerk sei in Wellentechnik mit Lehm ausgefacht worden. "Der Lehm wurde in Etappen getrocknet", fügt Ortwin Jäger hinzu. In den Lehm kamen kreuzweise Knüppel mit hinein. Der preußische Landbaumeister David Gilly (1748-1808) habe die Lehmbauweise in Brandenburg etablieren wollen, konnte sich mit seiner Idee aber nicht durchsetzen, erklärt Otto Schack. Das Beerbaumer Lehmhaus ist komplett in Lehmbauweise errichtet und wiederaufgebaut worden.

Wegen der Verdienste von Sophie Gräfin von Dönhoff ist Beerbaum 2012 zum FrauenOrt in Brandenburg erklärt worden. "Beerbaum hat kulturell viel zu bieten", versichert Ortwin Jäger. In den siebziger Jahren hätten Studenten der Humboldt-Universität bei einem Ernteeinsatz per Zufall ein Urnengräberfeld aus der Bronzezeit entdeckt.

Wer das Lehmhaus in Beerbaum besichtigen will, kann sich bei Ortwin Jäger unter Telefon 0173 8338401 oder bei Otto Schack unter Telefon 033451 60612 anmelden.

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