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Aus für in zehn Jahren gewachsene Strukturen

Gabriele Rataj / 11.05.2016, 07:02 Uhr
Garzau (MOZ) Der Landkreis lädt Vermieter zum Gespräch, um aufenthaltsberechtigte Flüchtlinge in Wohnungen unterbringen zu können. Denn die langjährige Wohnstätte Garzau soll zum 30. Juni geräumt werden. Fragen nach der Sinnhaftigkeit werden dazu dennoch laut.

Es ist gegenwärtig das am längsten in Funktion befindliche Objekt zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Landkreis. Das Gebäude im ehemaligen NVA-Rechenzentrum Garzau ist 2007 bezogen worden und bot seither meist über 100, manchmal sogar bis zu 180 Personen Unterkunft.

Fast zehn Jahre fungiert der Plattenbau aus DDR-Zeiten als Wohnstätte für Flüchtlinge verschiedener Nationen. Die Bedingungen wurden trotz klammer Kassen nach und nach verbessert. Ein kombinierter Rad- und Gehweg bis zum Heim und eine befestigter Buswendeschleife wurden gebaut. Ein Sportraum wurde auf dem Gelände angemietet und mit Kraftsportgeräten bestückt. Ein Spielplatz entstand am Haus.

Vor zwei Jahren griff der Landkreis in die Tasche, um das Objekt an die Abwasserleitung anschließen zu können. Wasserleitungen im Haus wurden erneuert, eine bessere Entlüftung für Waschräume und Gemeinschaftsküchen installiert. Vor gut zwei Wochen die Nachricht: Es wird geräumt! Was sich in der und rund um die Garzauer Einrichtung an Strukturen entwickelt hat, endet damit ziemlich abrupt.

Dazu gehören u. a. wöchentliche Kinderbetreuung und Hilfe bei Hausaufgaben durch Mitglieder des Kinderhilfevereins Petershagen-Eggersdorf, regelmäßige Musikstunden mit Ehrenamtlichen, die Integration in Schule und Kita, den Rehfelder Sportverein. Erst im Vorjahr hatte sich das vom Jugendförderverein Chance initiierte Internationale Café in Rehfelde etabliert - ein Ort ungezwungenen Austauschs und Miteinanders, ein Willkommenskreis hatte zusätzlich seine Arbeit aufgenommen.

Die Logik hinter der Entscheidung des Kreises sei schon nachvollziehbar, sagte der Leiter der Wohn- und Begegnungsstätte der Kulturen, Wolfgang Türke, der MOZ auf Nachfrage. Angesichts abnehmender Flüchtlingszahlen und freier Plätze in landes- und kreisweit mittlerweile vertraglich gebundenen Unterkünften sei Handlungsbedarf entstanden - zumal ja alles Geld kostet.

Der Vertrag mit dem Betreiber der Wohnstätte Garzau, dem Sozialpark Strausberg, wäre ohnehin zum 30. Juni ausgelaufen. Aus neu abgeschlossenen Verträgen mit weiteren Betreibern im Kreis sei indes nicht so schnell herauszukommen. So liege nahe, das Garzauer Objekt zu räumen.

Zudem hätten Bewohner mit Aufenthaltsstatus keine Berechtigung mehr für die Gemeinschaftsunterkunft, sollen Wohnraum erhalten. Wie schnell das allerdings gelingt, sei offen. Als Reserve ist das Garzauer Objekt ohnehin bis Jahresende gemietet. Die bisher zuständigen, langjährigen Mitarbeiter indes sind zum 30. Juni vom Sozialpark gekündigt.

Nun werden Verbindungsstränge gekappt werden, Kontaktorte aufgegeben. Einiges an Veränderung werde wohl erst nach und nach spürbar, heißt es im Ort. Hier kauften schließlich zusätzlich 150 bis 200 Leute ein, Ärzte hatten sich darauf eingestellt. "Was soll's", sagen die einen, "schade drum" andere und manche versuchen, eine gewisse Enttäuschung über die Art der Abwicklung nicht spüren zu lassen.

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