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Traumberuf Herdenmanager

Nicht seine erste Auszeichnung: Kai Buchwald ist Herdenmanager bei der Agrar GmbH in Manker. Er bekam bei der BraLa eine Urkunde und eine Medaille für seine Leistung. Obwohl er seinen Beruf liebt, gibt es einige Probleme.
Nicht seine erste Auszeichnung: Kai Buchwald ist Herdenmanager bei der Agrar GmbH in Manker. Er bekam bei der BraLa eine Urkunde und eine Medaille für seine Leistung. Obwohl er seinen Beruf liebt, gibt es einige Probleme. © Foto: MZV
Judith Melzer-Voigt / 13.05.2016, 18:11 Uhr
Manker (MZV) Wer Kai Buchwald nach seinem Hobby fragt, nach seiner liebsten Freizeitbeschäftigung, der bekommt eine klare Antwort: die Arbeit mit Kühen. Dabei ist das in erster Linie sein Beruf. Für sein ungewöhnliches Engagement und seine Erfolge wurde der 49-Jährige vor Kurzem mit dem Tierzuchtpreis der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BraLa) ausgezeichnet.

Eigentlich war ganz logisch, welchen beruflichen Weg Kai Buchwald einmal einschlagen wird. Er ist in Wutike bei Kyritz aufgewachsen. Und immer, wenn Kindergarten oder Schule beendet werden, zog es ihn in den Stall der nahegelegenen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Dabei stammt er gar nicht aus einer tierbegeisterten Familie: Der Vater war Maler, die Mutter Verkäuferin. Woher Kai Buchwald seine Hingabe für Tiere hat, ist also ein wenig rätselhaft. Doch selbst als kleines Kind hatte er nie Berührungsängste, wenn es um Kühe ging: "Je dichter ich rankam, desto besser", sagt er.

Daher war es auch ganz natürlich, dass Kai Buchwald nach der Schule eine Ausbildung bei der LPG Tierproduktion "Freundschaft" in Neustadt machte. Anschließend arbeitete er als Besamungstechniker bei der Rinderproduktion Berlin-Brandenburg, bevor er - mittlerweile Dabergotzer - schließlich zur Agrar GmbH Manker wechselte, wo er seit April 2003 als Herdenmanager beschäftigt ist. Sein Arbeitsplatz ist die Milchviehanlage in Garz.

"Dort gibt es 400 Kühe", erklärt Kai Buchwald. Elf Mitarbeiter sind ihm unterstellt. Der Vorschlag, dass er Tierzuchtpreisträger bei der BraLa sein könnte, kam vom Rinderzuchtverband und vom Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg. Der Grund: die Leistungen, die die von Buchwald betreuten Kühe bringen.

"Wir hatten bisher allein 26 Kühe, die eine Milchleistung von mehr als 100 000 Kilogramm gebracht haben", erklärt der 49-Jährige. "Das ist ein wahnsinniger Erfolg." Dazu kommen zwei Tiere, die sogar 150 000 Liter Milch produziert haben. Die Spitzenreiterin im Stall ist jedoch die Kuh Carola. Am 15. Februar 2016 wurde ihre Milchleistung verzeichnet. Sie lag bei 160 259 Kilogramm - und es ist noch kein Ende in Sicht. "Sie ist topfit", sagt Kai Buchwald. "Außerdem ist sie tragend und wird im Mai kalben. Davor zieht jeder Züchter den Hut."

Doch was genau ist eigentlich das Geheimnis der guten Pflege von Buchwald und seinen Mitarbeitern? "Die Tierbeobachtung entscheidet, aber am wichtigsten ist das Tierwohl", sagt der Fachmann. Der Züchter müsse Respekt vor den Kühen haben.

Die Frage nach dem Geheimnis des Erfolgs musste Kai Buchwald schon oft beantworten. Schließlich ist die BraLa-Auszeichnung nicht die einzige, die er bisher bekommen hat. Immer, wenn eine Kuh der Agrar GmbH Manker die 100 000-Liter-Marke in Sachen Milchproduktion knackt, wird das anerkannt. "Und da muss ich oft Reden halten, also war ich bei der BraLa nicht besonders aufgeregt, auch wenn Ministerpräsident Dietmar Woidke und Minister Jörg Vogelsänger dabei waren", sagt er. "Das ist schon eine andere Liga, aber es fiel mir nicht schwer." Für Buchwald gab es eine Urkunde und eine Medaille. "Das ist schon die größte Auszeichnung, die ich bisher bekommen habe - und man kriegt sie ja auch nur einmal im Leben."

Kai Buchwald liebt seinen Job, das merkt jeder, der sich mit ihm unterhält. Nur eines bereitet ihm derzeit große Sorgen: der niedrige Milchpreis. 23 Cent bekommen Erzeuger derzeit für einen Liter - viel zu wenig, so Buchwald. "Wir machen seit einem halben Jahr monatlich 40 000 Euro Miese" erklärt er. Das Überangebot bei der Milch sei schuld daran. Buchwald sieht aber eine Chance darin, beispielsweise Milchpulver zu produzieren und in Länder zu liefern, in denen die Menschen wenig zu essen haben. "Als Sofortmaßnahme kann man nur die Milchproduktion drosseln." Das geschehe bei der Agrar GmbH Manker bereits, indem der Eiweißgehalt im Futter der Tiere reduziert wird. Statt 12 000 Litern Milch werden so nur 8 000 Liter produziert. "Aber auch die Lebensmittelpreise in Deutschland müssten deutlich steigen", so Buchwald. Etwas muss sich ändern, das steht für ihn fest. Der Dabergotzer möchte gern wieder mit mehr Mut zur Arbeit gehen, sagt er. Ein weitere Wunsch an die Politik: Buchwald würde es gern sehen, dass die Subventionen im Bereich der Landwirtschaft zurückgefahren werden und dafür die Erzeugerpreise steigen. "Der Staat bestimmt durch die Subventionen die Erzeugermenge", sagt er. "Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun."

Geht es um seinen Beruf, ist Kai Buchwald immer erreichbar und immer zur Stelle. Seine Familie muss dann schon mal allein in den Urlaub fahren. "Aber die Arbeit mit den Tieren ist eben mein Hobby, mein Leben", sagt der 49-Jährige.

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