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Sieg der teuren Piste

Dieses Radlerpaar ächzt auf dem Oder-Neiße-Radweg hinauf. Er verläuft hier direkt auf der Bundesstraße 113. Das ist wegen des Kfz-Verkehrs kreuzgefährlich.
Dieses Radlerpaar ächzt auf dem Oder-Neiße-Radweg hinauf. Er verläuft hier direkt auf der Bundesstraße 113. Das ist wegen des Kfz-Verkehrs kreuzgefährlich. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Eva-Martina Weyer / 29.05.2016, 07:50 Uhr
Mescherin (MOZ) Der Grenzübergang bei Mescherin ist eine viel befahrene Straße. Dort verläuft die B 113. Sie ist auf einem hügeligen Abschnitt durch den Wald der Oder-Neiße-Radweg. Eine extra-Spur für die Radler gibt es bisher nicht. Nun soll für fast eine Million Euro ein Radweg gebaut werden. Es wäre preiswerter gegangen.

Die neue Radwegtrasse soll begleitend zur Bundesstraße 113 geführt werden. Dazu wird die vorhandene Dammlage der Straße genutzt und mit einer Anschüttung für den Radweg erweitert. Die Länge der Strecke beträgt 1450 Meter. Der Radweg ist zwei Meter breit und bietet Schutz vor Kraftfahrzeugen.

Das Bauvorhaben nennt sich "Fernradweg Oder-Neiße" und kostet 877 000 Euro. Damit wird die unsichere Lücke zwischen Mescherin und Staffelde geschlossen. Die Bauarbeiten sind nur möglich, weil das Land eine Förderung von 75 Prozent der Baukosten beisteuert. Den "Rest" von 220 000 Euro teilen sich der Landkreis Uckermark und Mescherin.

Zwischen Landkreis und Gemeinde wird deshalb ein Vertrag abgeschlossen. Dem muss der Kreistag auf seiner Sitzung am 15. Juni zustimmen und damit auch die Eigenmittel bewilligen. Mescherin muss fast 140 000 Euro aufbringen, damit der Lückenschluss auf dem Radweg klappt. Die Gemeindevertreter haben das auf ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen.

Mescherins Ortsvorsteher Volker Schmidt-Roy fasst das Ergebnis so zusammen: "Ich hätte mir bei diesem Beschluss Einstimmigkeit gewünscht, bin aber dennoch froh, dass wir das so zusammengekriegt haben." Er selbst sieht eine große Dringlichkeit für den Radwegbau. "Ich kann das gut beobachten. Auf dieser Bundesstraße sind so viele Radler unterwegs. Aber auch wir Einheimischen fahren ja auf dem Oder-Neiße-Radweg."

Aus Gemeindesicht ist die Finanzierung des Baus offenbar klar. Dennoch haben Eingeweihte ein schlechtes Gefühl dabei. Denn der Radweg hätte weitaus günstiger gebaut werden können. Die vorgeschlagene Trasse ist ihrer Meinung nach die schlechteste und teuerste Variante.

Zu den Kritikern gehört der ehemalige Ortsvorsteher von Mescherin Karl Menanteau. Die Bemühungen um eine Trasse abseits der Bundesstraße gehen bis ins Jahr 2011 zurück. Karl Menanteau hatte damals vorgeschlagen, den Radweg mit Führung auf der alten Wegetrasse durch den Staffelder Tanger zu bauen. Rund 400 000 Euro hätte das gekostet.

Durch den Tanger führte schon immer ein Waldweg nach Staffelde. Dort lief und radelte es sich abseits von Verkehr und Abgasen erholsam. Es gab kaum Steigung. Ende 2013 kündigte das Land Brandenburg an, dass es für den Ausbau Fördermittel gibt. 2015 hätte der Weg fertig sein können. Aber die Gemeindevertretung Mescherin lehnte das Vorhaben mit fünf zu sechs Stimmen ab.

Die Fördermittel verfielen. Die Ablehnung maßgeblich beeinflusst hatten damals naturschutzfachliche Belange. Der Radweg durch den Tanger würde den Nationalpark zerschneiden, hieß es zur Begründung aus der Nationalparkverwaltung. Jetzt ist das Vorhaben mehr als doppelt so teuer.

Mit dem Wegebau soll 2017 begonnen werden. Da Mescherin in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hart umkämpftes Gebiet war, wird im Wald noch manche Granate vermutet. Der Munitionsbergungsdienst muss dort anrücken. Dann wird Vermessen und der Baugrund vorbereitet.

Vermutlich werden die ersten Radfahrer der Tourismussaison 2018 in den Genuss eines gefahrlosen Radweges kommen. Ins Ächzen wegen des Anstiegs geraten sie dann wohl immer noch.

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