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Fliegende Untermieter willkommen

Wird Quartiergeberin: Die Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Oderlandes, Kathrin Todt, hat zwei Fledermauskästen unterm First ihres Hauses in Hohenjesar angebracht. Fledermaus-Experte Norbert Bartel vom BUND half ihr mit Tochter Rosa bei der Montage
Wird Quartiergeberin: Die Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Oderlandes, Kathrin Todt, hat zwei Fledermauskästen unterm First ihres Hauses in Hohenjesar angebracht. Fledermaus-Experte Norbert Bartel vom BUND half ihr mit Tochter Rosa bei der Montage © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 05.06.2016, 06:32 Uhr
Hohenjesar (MOZ) Die Fledermaus-Populationen haben sich dank verschiedener Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren zwar stabilisiert, doch gefährdet sind Abendsegler, Zwergfledermaus und Co noch immer. Durch das Bereitstellen von Unterkünften helfen Menschen den Insekten fressenden Säugetieren. Kathrin Todt will dafür ein Beispiel geben.

Die Zeit des Nachwuchses hat zwar bereits begonnen: Zwischen Mai und Juli bekommen die Fledermäuse ihre Jungen. Doch Kathrin Todt hofft, dass die beiden Fledermauskästen unterm First ihres Hauses im Alt Zeschdorfer Ortsteil Hohenjesar noch zur Wochenstube für Große Abendsegler, Breitflügel- oder Zwergfledermäuse werden. Die gehören zu den so genannten Gebäude-Bewohnenden Arten, weiß die Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Oderland.

Todt will mit ihrem privaten Engagement anderen Bewohnern des Oderlandes ein Beispiel geben. "Fledermäuse machen keinen Schaden und keinen Krach. Ihre Laute hören wir höchstens als leises Zwitschern", sagt die Naturschützerin.

Sie hatte sich für das Anbringen ihrer beiden Fledermauskästen in dieser Woche einen fachkundigen Helfer besorgt: Norbert Bartel vom BUND-Kreisverband Märkisch-Oderland. Der Kienitzer ist Fledermaus-Experte, betreut seit mehr als 20 Jahren Fledermaus-Quartiere im Oderland.

"Fledermäuse wechseln die Quartiere im Laufe eines Jahres mehrfach", weiß Bartel. So gebe es spezielle Paarungs-, Zwischen- und Winterquartiere. In den Wochenstuben seien nur Weibchen ein und derselben Art zugelassen, Männchen und Weibchen anderer Arten werden vertrieben. In der Regel bekomme ein Fledermaus-Weibchen nur ein Junges pro Jahr, berichtet Bartel.

Er hat das Anbringen der aus jeweils zwei Teilen bestehenden Fledermauskästen an Todts Haus übernommen. Denn die halbrunden Schalen aus Holz-Beton sind nicht ganz leicht. Sie müssen erst unterm Hausdach zusammen geschraubt werden.

Im Kasten fungieren zwei Winkelelemente als Art Raumteiler. An die Wände geklebte Hobelspäne ermöglichen es den Tieren, sich festzukrallen. Je nach Größe passen bis zu 20 Fledermäuse in einen der 58 mal 35 Zentimeter großen Kästen, sagt Norbert Bartel.

Er weiß auch, wie es in einer Fledermaus-Wochenstube zugeht: Die Jungen saugen sich an den so genannten Haftzitzen ihrer Mütter fest. Wenn diese abends auf Nahrungssuche aufbrechen, bleibt stets eine Wächterin zurück. Ab Juli werden die Jungen flügge und müssen sich selbst einen Winterspeck anfuttern.

Dass auf ihrem Speiseplan Insekten stehen, kommt menschlichen Quartiergebern sehr zugute. Sie hoffe auf weniger Fliegen und Mücken in ihrem Umfeld, sagt Kathrin Todt. Die Nabu-Vertreterin kennt die natürlichen Feinde ihrer künftigen Untermieter. Es sind vor allem Katzen, Eulen, Marder und Füchse.

Aber auch den Rotoren von Windrädern seien schon viele Fledermäuse zum Opfer gefallen, weiß die Hohenjesarer Schäferin im Nebenerwerb.

Sie ermuntert die Oderland-Bewohner, es ihr gleich zu tun. Die Fledermauskästen hat sie im Spezialhandel via Internet bestellt und zur Hausfassade passen angestrichen - natürlich mit giftfreier, atmungsaktiver Farbe. Die Kästen sollten in drei bis fünf Meter Höhe angebracht werden, empfiehlt Norbert Bartel.

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