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Die Limsdorferin Margot Jaeuthe spricht mit ihrem Buch "Stehaufmädchen" verschiedene Generationen an

"Ja, so war es damals"

Erinnerungen an die Kindheit in einer kleinen mecklenburgischen Stadt: Margot Jaeuthe aus Limsdorf mit ihrem Buch "Stehaufmädchen". Es ist in der Edition Märkische LebensArt erschienen und kostet 19,50 Mark.
Erinnerungen an die Kindheit in einer kleinen mecklenburgischen Stadt: Margot Jaeuthe aus Limsdorf mit ihrem Buch "Stehaufmädchen". Es ist in der Edition Märkische LebensArt erschienen und kostet 19,50 Mark. © Foto: MOZ/Iris Stoff
Iris Stoff / 07.06.2016, 19:39 Uhr
Limsdorf (MOZ) "Stehaufmädchen" heißt das Buch, in dem die Limsdorferin Margot Jaeuthe Erinnerungen an ihre Kindheit aufgeschrieben hat. Es ist in der hiesigen Edition Märkische LebensArt erschienen und wurde vor einigen Wochen auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

"Nachdem ich angefangen habe zu schreiben, floss immer mehr aus mir heraus", schildert die Autorin den Entstehungsprozess und hat dafür ein schönes Bild: "Dabei ist es gelungen, welke Blätter meiner Erinnerung wieder grün werden zu lassen." Schreiben hat der heute 72-Jährigen immer Spaß gemacht. Wie in ihrem Buch nachzulesen ist, hat sie sich schon als Schülerin mit Geschichten für die Lokalpresse etwas dazu verdient. Nach ihrem Studium der Biologie und Medizinpädagogik war sie in Berlin in verschiedenen Kliniken tätig und hat da auch Texte in Fachzeitschriften publiziert.

Das Domizil in Limsdorf mit dem wundervollen Garten haben Margot Jaeuthe und ihr Mann Günter, der früher Kameramann im DEFA-Spielfilmstudio war, schon seit 1972. Zunächst als Wochenendhaus. Später zogen sie ganz in diesen heutigen Storkower Ortsteil. "Nach der Wende haben wir uns erst einmal die Welt angesehen", sagt Margot Jaeuthe, "doch irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, wo bleibt die Ofenecke?" Zu früheren Zeiten erzählten Oma und Opa ja dort den Nachkommen immer aus ihrem Leben. Also schuf sich die Limsdorferin ihre eigene Ofenecke, indem sie begann, für Enkelin Isabell ihre Erinnerungen aufzuschreiben. "Dann hat sich das verselbständigt", so Margot Jaeuthe. "Freunde sagten, das muss ein Buch werden." Und mit der Edition Märkische LebensArt war im gleichen Ort auch unkompliziert ein Verlag gefunden.

Die 22 Episoden, deren zeitlicher Ablauf vom Kriegsende im Frühjahr 1945 bis zum Beginn des Studiums 1962 reicht, sind immer eine abgeschlossene Geschichte, lassen sich auch einzeln lesen. Im autobiografisch gefärbten Text, der in Margot Jaeuthes mecklenburgischer Heimatstadt Teterow angesiedelt ist, geht es um das Schicksal des Waisenmädchens Linda aus der Generation "Kriegskinder". Der Vater ist gefallen, die Mutter kurz nach dem Krieg an Typhus gestorben. Linda wächst mit der kleinen Schwester bei den Großeltern auf, die sich liebevoll bemühen. Weil die Menschen hungern, steht sie dem Großvater bei seinen lebensgefährlichen Schmuggel- und Tauschaktionen zur Seite. Durch die anschaulichen Schilderungen kann sich der Leser gut in das Geschehen und die Atmosphäre in dieser von Seen umgebenen Kleinstadt hineinversetzen. Auch hier musste das Leben nach dem Krieg neu geordnet werden. Margot Jaeuthe hat sich noch an viele Details erinnert. Den ersten Grundschullehrer, der unbarmherzig mit dem Rohrstock zuschlug. Wie es in dem kleinen Bahnhof der Stadt aussah, welche Spiele auf der Straße gespielt wurden, die Freude über ein Westpaket oder die Fahrt mit dem guten alten Landarzt auf seinem Pferdefuhrwerk. Die erste große Liebe, die nicht standhielt, weil die Mutter des Freundes für ihren Sohn kein Waisenmädchen wollte. Das fast gescheiterte Studium, als ihre Klasse im Jahr des Mauerbaus in Konflikt mit der Obrigkeit gerät. Linda hat in ihrer Kinder- und Jugendzeit Höhen und Tiefen, Liebe und Enttäuschung erlebt. Eine große Rolle hat dabei auch immer die Natur gespielt. Dazu gibt es in den Texten sehr stimmungsvolle Beschreibungen.

Seit das Buch auf dem Markt ist, hat Margot Jaeuthe schon zahlreiche Lesungen absolviert. Gleich auf der Buchmesse und gerade anlässlich der Veranstaltung Kultur in den Höfen in Storkow. "Es ist gut angekommen, ich hatte anschließend immer interessante Gespräche", freut sich die Autorin. Viele Ältere würden sich an die eigene Jugend erinnern. Oft falle da der Satz: "Ja, so war es damals." Aber auch Jüngere zeigten sich angetan. Auf der Leipziger Buchmesse sei eine Frau auf sie zugekommen und habe ganz bewegt gesagt: "Meine Großeltern leben leider nicht mehr. Schade, dass ich sie nie nach dieser Zeit gefragt habe." Es liege ihr am Herzen, die Menschen zu sensibilisieren für unsere Geschichte und auch Verständnis zu wecken für die Eltern und Großeltern, betont Margot Jaeuthe. "Ebenso für das Schicksal derer, die heute Mitgefühl und Hilfe brauchen, besonders für die Schwächsten, die Kinder."

Nächste Lesungen: Sonntag, 14.30  Uhr, in der Dorfkirche Wulfersdorf und am 10. Juli, 15 Uhr, in der Kirche Ahrensdorf

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