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Rettungsaktion für Denkmal Spritzenhaus

Aus alt wird neualt: Das Altwustrower Spritzenhaus von 1812 stand zuletzt als Ruine im Dorf. Seit vieren Jahren setzen sich Udo Schagen und andere für die Sanierung ein
Aus alt wird neualt: Das Altwustrower Spritzenhaus von 1812 stand zuletzt als Ruine im Dorf. Seit vieren Jahren setzen sich Udo Schagen und andere für die Sanierung ein © Foto: MOZ
Mandy Timm / 12.06.2016, 05:31 Uhr
Altwustrow (MOZ) Es war Rettung in letzter Minute, die das Altwustrower Spritzenhaus vor dem Einsturz bewahrte. Retter sind einige Dorfbewohner und die Hofgesellschaft. Für 130 000 Euro war die Sanierung einst geplant. Jetzt sind rund 18 000 Euro geflossen -mit beachtlichem Erfolg.

Jeder Bau kann eine kuriose, dramatische, schelmische Geschichte erzählen. Die vom Altwustrower Spritzenhaus geht so: Weil nicht ganz klar ist, wo die Grundstücksgrenze verläuft und nach deutschem Recht der Abstand zum Nachbarn mindestens zwei Meter betragen muss, um ein Fenster einbauen zu können, werden in das Häuschen, das sonst keinen einzigen Lichtblick hätte, Brandschutzfenster eingebaut. In einem Fachwerkbau, der vorwiegend aus Holz besteht. Udo Schagen nennt das wahnwitzig. "Eine unsinnige Vorschrift", sagt er. "Wenn das Haus tatsächlich abbrennt, bleiben wenigstens Fenster übrig."

Das Wustrower Spritzenhaus, ein Einzeldenkmal und fester Bestandteil des Ortsbildes, wurde 1812 erbaut. Kurz zuvor hatten Brände das halbe Dorf vernichtet. Ein Karren samt Feuerwehrspritze war die meiste Zeit einziger Hausherr in dem 3,70 mal 8,50 Meter großen Bau. Bis die Feuerwehr in den 1950-er Jahren auszog, in einen Neubau ans Dorfende. Zuletzt stand der Fachwerkbau leer und als Ruine. Der Gemeinde Oderaue fehlte Geld, um das Haus wieder aufzubauen. Dabei gab es schon einmal Pläne, zu sanieren. Veranlasst hatte diese 2011 die damalige Bürgermeisterin Heike-Doreen Ehling. 130 000 Euro sollte der Bau verschlingen. Die zweite unglaubliche Geschichte ums Spritzenhaus.

Die Pläne allerdings sind vor vier Jahren von Bürgern wie Udo Schagen wieder aufgenommen worden. Ohne die zahlreichen Partner, wie das Amt Barnim-Oderbruch, dem Architekten, Handwerkern, der Hofgesellschaft, Ziegelei Altglietzen, der Feuerwehr Altreetz und vielen Spendern wäre das Projekt kaum möglich, steht für Schagen fest. Das Dach ist inzwischen neu mit alten Biberschwänzen gedeckt. Das komplett fehlende Feldsteinfundament ist wieder fachmännisch aufgebaut. Der Lehmputz ist fertig, in privater Eigenleistung werden alte Mauersteine verbaut. Tatsächlich sind bis jetzt in die Sanierung 18 000 Euro geflossen. Eine Hälfte aus Fördermitteln des Landkreises, die andere Hälfte sind Spenden, die die Hofgesellschaft sammelte.

Die nächsten Vorhaben für die kommenden zwei Jahre stehen bereits fest. "Wir bereiten gerade weitere Förderanträge vor", sagt Udo Schagen, "und hoffen, nächstes Jahr erneut Geld zu bekommen." Dann soll das letzte Stück fertig gestellt werden. Das frühere Spritzenhaus wird, wenn es fertig ist, als Nebenraum von der Kirche genutzt. "Den gibt es nämlich nicht", sagt Udo Schagen. Eine Küchenzeile soll eingebaut werden, eine Toilette. Bislang nutzen die Gottesdienst- oder Konzertbesucher die privaten Waschräume der Anwohner.

Spendenkonto: Hofgesellschaft, IBAN DE14170540403000224032, Sparkasse MOL; Kennwort: Spritzenhaus

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