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Versuch mit eigenem Pappel-Anbau

Christian Schönberg / 21.06.2016, 17:57 Uhr
Heiligengrabe (MZV) Der Holzverarbeiter Swiss Krono aus Heiligengrabe baut erstmals selbst den Rohstoff an, aus dem er seine hochwertigen Produkte fertigt. Auf sechs Hektar Fläche werden in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk an der A24 schnell wachsende Pappelsorten gepflanzt.

Die rund 8000Gewächse sind in bereits acht bis zehn Jahren schlagreif. Ihr Stoff kann in der Produktion von Grobspan- beziehungsweise OSB-Platten verwendet werden, die in allen Größen in Heiligengrabe produziert und weltweit vertrieben werden.

Laut Geschäftsführer Hendrik Hecht handelt es sich um eine Versuchsfläche. Keineswegs wolle das Unternehmen eine Konkurrenz zu den Forstunternehmen sein, von denen man sonst den Rohstoff - so vor allem im Waldgebiet der Wittstocker Heide - bezieht. Deshalb meidet er auch den Begriff Wald und spricht, was die sechs Hektar betrifft, von einer "Kurzumtriebsplantage": "Es bleibt also eine landwirtschaftliche Fläche", stellt er klar.

Ganz neu ist die Idee nicht. Vattenfall bebaue im Land bereits viele tausend Hektar mit Pappelhybriden, die nach zwei bis drei Jahren geerntet werden können - um sie zur Energiegewinnung zu verfeuern. "Dabei ist Holz eigentlich viel zu schade, um es gleich zu verheizen", sagt Hecht. Holz sollte als wertvoller Rohstoff erst einmal in ein brauchbares Produkt umgewandelt werden. Erst wenn dieses ausgedient hat, könne es verfeuert werden. "So nutzt man den Rohstoff zweimal", sagt Hecht.

Dennoch ist der Anbau aufwendiger, wenn es darum geht, das Material für die Grobspan-Platten zu gewinnen. Swiss Krono braucht Gewächse mit größerem Durchmesser - deshalb auch die wesentlich längere Anbauzeit als bei Vattenfall.

Anders als sein Ruf sei Pappelholz auch ein idealer Baustoff. Es sei leicht, habe wenig Rinde und es wachse eben schnell, so Hecht. "Wir sind mit unseren Produkten eine relativ junge Industrie", so der Geschäftsführer. Dass die Waldwirtschaft die Pappel als Wertholz erkennt, habe sich noch nicht durchgesetzt. In Ländern Südosteuropas und in der Türkei sowie in China seien großräumige Plantagen dieser heimischen Baumart längst verbreitet.

Dennoch bleibt die Kurzumtriebsplantage für Swiss Krono in Heiligengrabe lediglich ein Experiment - auch wenn ein Unternehmensstandort in Ungarn Pappel-Anpflanzungen schon länger erprobt hat. Aber Land ist selbst im vergleichsweise dünn besiedelten Kreis Ostprignitz-Ruppin ein knappes Gut. "Unsere Versuchsfläche ist deshalb auch dafür gedacht, anderen Landbesitzern zu zeigen, was eigentlich möglich ist", sagt Hecht. Schließlich hat der Anbau von Gehölzen auch seine Vorteile: Es handelt sich um ein einheimisches Gewächs, es ist kaum oder gar keine Düngung nötig, und umgepflügt werden muss das Land auch für einige Jahre lang nicht.

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