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Die Super-Kühe der Frau Fehlberg

Gut behütet: Das sind die Kühe von Anneliese Fehlberg. Warum ausgerechnet ihre Tiere zu den besten weit und breit gehören, kann sie nicht sagen. Sie lächelt stattdessen still. Gerade wurde "Fine", stehend, für ihre Milchleistung ausgezeichnet. 100 000 Lit
Gut behütet: Das sind die Kühe von Anneliese Fehlberg. Warum ausgerechnet ihre Tiere zu den besten weit und breit gehören, kann sie nicht sagen. Sie lächelt stattdessen still. Gerade wurde "Fine", stehend, für ihre Milchleistung ausgezeichnet. 100 000 Lit © Foto: MOZ
Mandy Timm / 30.06.2016, 06:19 Uhr
Altwustrow (MOZ) Anneliese Fehlberg aus Güstebieser Loose gehört zu den besten Rinderzüchtern im Landkreis. Sie wird regelmäßig bei wichtigen Tierschauen ausgezeichnet. Jetzt erhielt sie wieder eine Urkunde - für Fine. Die Kuh brachte 100 000 Liter Milch. Das schaffen nur wenige.

In aller Bescheidenheit bekennt Anneliese Fehlberg, dass sie nicht weiß, mit wie vielen Urkunden, Pokalen, Auszeichnungen sie mittlerweile bedacht worden ist. Es müssen knapp 30 sein, schätzt sie irgendwann. Ihre letzte Ehrung liegt nur ein paar Tage zurück. "Fine" stand diesmal im Mittelpunkt. Die Kuh brachte in ihrem bisherigen Leben 100 376 Liter Milch. So eine Menge schaffen nur die wenigsten Artgenossen. Dafür gab es eine Auszeichnung in Altwustrow, wo Anneliese Fehlbergs Kühe auf der Wiese stehen. Registriert und erfasst wird die Milchmenge aller Betriebe in einem Leistungskontrollzentrum. Jedes Bundesland habe so eine Stelle eingerichtet, sagt der stellvertretende Geschäftsführer, Jörg Höfener. Die hiesige hat ihren Sitz in Waldsieversdorf.

Anneliese Fehlberg ist dort keine Unbekannte. 749 sogenannte 100 000-Liter-Kühe gab es in Brandenburg seit 1990. Im Landkreis Märkisch-Oderland schafften es davon 50. Darunter sechs vom Bäuerlichen Familienmilchbetrieb der Frau Fehlberg.

Erst im vergangenen Jahr holte die Züchterin zum wiederholten Male mit einer Kuh aus ihrem Stall den begehrten Titel "Miss Märkisch-Oderland". Tara, so ihr Name, ist mittlerweile verkauft und steht jetzt in der Uckermark auf der Weide. Sie ist nicht das einzige Tier, das in Altwustrow den Hof verlassen hat. Anneliese Fehlberg ist 68 und kümmert sich so gut wie alleine um ihre Kühe. Morgens melken, abends melken. Dazwischen füttern, die Kälber versorgen, Zäune flicken, wenn sich ein Loch auftut. Nicht selten kommt die Bäuerin gegen Mitternacht aus dem Stall. Schon lange spielt sie mit dem Gedanken, aufzuhören. Diesmal ist es ernst. Im letzten Herbst standen noch 80 Tiere auf ihrer Wiese. Jetzt sind es 50. Die soll Gerd Brunckhorst, Zuchtinspektor der Rinderproduktion Berlin-Brandenburg, kurz RBB, auch noch verkaufen. Bestandsabbau heißt das bei ihm, eine Lebensaufgabe abbauen bei Frau Fehlberg. Vergangenes Jahr wäre sie beinahe alle Kühe mit einmal losgeworden. Als sie hörte, dass der potenzielle Käufer ihre Kühe direkt zum Schlachtbetrieb führen wollte, machte Fehlberg einen Rückzieher. "Kommt nicht in Frage", sagt sie kurz. Ihr Leben lang hat sie sich ums Vieh gekümmert, hat es gehegt und gepflegt. Selbst Tiere mit Sehnenriss, die der Tierarzt am liebsten eingeschläfert hätte, hat die Frau aus Güstebieser Loose gerettet. "Hinkefuss" hat sie die Kuh getauft. Sie steht noch immer auf ihrer Wiese. Delia Kowalski vom Landeskontrollverband gratulierte Frau Fehlberg ebenfalls zu Fine. Dass sie mit dem Melken aufhören will, kann sie noch nicht recht glauben. "Genetisch bedingt könnte sie ja mit 90 Jahren noch im Stall stehen", sagt sie. Denn: Ilse Fehlberg, die Mutter, hat gerade ihren 90. Geburtstag gefeiert. Anneliese Fehlberg sei ein Unikum, sagt Delia Kowalski. "Wenn andere mit zehn Kühen zur Leistungstierschau fahren und einen Titel einheimsen, fährt Frau Fehlberg mit drei Tieren und holt mit allen einen Preis." Und das, obwohl sie immer still und unscheinbar im Hintergrund bliebe.

Genetik spielt im übrigen auch im Wustrower Kuhstall eine wichtige Auszeichnungs-Rolle. Schon Fines Mutter, Pina, war eine 100 000 Liter Kuh. In den knapp 16 Jahren ihres Lebens, gab sie 113 896 Liter Milch. Und Fines drittgeborenes weibliches Kalb, es heißt Mrs. Biene, hat bislang eine Milchleistung von 51 000 Liter hingelegt. "Das ist fast doppelt soviel wie der Brandenburger Durchschnitt", erklärt Jörg Höfener. Der liege bei etwa 26 500 Liter. Fine gab stattdessen fast viermal soviel. "Und Mrs. Biene ist auf dem besten Weg, in ihre Fußstapfen zu treten", so Höfener.

Die erste 100 000-Liter-Kuh ist in Brandenburg 1997 registriert worden. Seit dem schaffte das bis 2005 jedes Jahr ein weiteres Tier. Vor elf Jahren waren es bereits acht Milchkühe - seit dem steigt die Zahl aufgrund des besseren "Kuhkomforts", wie Höfener erklärt, kontinuierlich. "Haltung, Futter und Genetik sind für Milchkühe immer besser geworden. Dadurch steigen Lebenserwartung und Milchleistung." 2015 gab es in Brandenburg 115 "Super-Kühe". Dieses Jahr wird die Zahl noch einmal übertroffen. Bis jetzt brachten bereits 79 Tiere die enorme Milchmenge hervor.

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