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Glambeck - win märkisches Bilderbuchdorf

Hingucker: Das ehemalige Schulgebäude beeindruckt mit seinen Verzierungen, die in die Steinfassade eingearbeitet wurden.
Hingucker: Das ehemalige Schulgebäude beeindruckt mit seinen Verzierungen, die in die Steinfassade eingearbeitet wurden. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 05.07.2016, 07:00 Uhr
Glambeck (GZ) Über manche Sachen muss einfach Gras wachsen, dann ist die Idylle perfekt. In Glambeck ist das tatsächlich der Fall, wenn endlich der Schotter rechts und links der angelegten Regenmulden unter dem satten Grün verschwunden sein wird.

Der ist für viele Anwohner, die das angelegte Grün vor ihren Häusern gern pflegen, insofern ein Ärgernis, weil durch das Rasenmähen die Steine immer wieder hochgeschleudert werden. Aber was dagegen tun? Da kann auch Ortsvorsteherin Hilde Peltzer-Blase nur die Schultern zucken. "Das war damals eine falsche Entscheidung, den Schotter zu verwenden. Vielleicht verschwindet er ja tatsächlich bald unter dem Rasen", sagt sie, oder vielmehr, hofft sie.

Viel zu kritisieren hat die Ortsvorsteherin bei ihrem Spaziergang durch das Dorf nicht. Zu erreichen ist es von der B 96 aus über Großmutz. Viele Häuserfassaden wurden in den zurückliegenden Jahren herausgeputzt. An manchen wird noch gearbeitet. Das Grün vor fast allen Grundstücken ist gestutzt. Einige Anwohner haben sogar Blumenkübel aufgestellt oder die Vorgärten bunt bepflanzt. Glambeck ist eine Bilderbuchidylle. Daran kann auch der "nervige Storch", der das märkische Dorf jüngst in die Schlagzeilen der Gazetten brachte, nichts ändern. "Sogar das Fernsehen war hier, um sich das ungewöhnliche Treiben des Vogels anzusehen", verrät die Ortsvorsteherin. Tatsächlich taucht Meister Adebar auch immer wieder vor einem Terrassenfenster oder einem blankgeputzten Grill auf, um sich mit seinem Spiegelbild einen Schaukampf zu liefern. Das ist auch der Grund dafür, dass kaum Autos auf der Dorfstraße zu sehen sind. Aus Angst vor Lackschäden, parken die Eigentümer doch lieber in der Garage.

Glambeck als Wohn- und Schlafdorf zu bezeichnen, nimmt die Ortsvorsteherin gelassen hin. Ein paar Pferde und Schafe gebe es auf den verschiedenen Gehöften schon noch, doch landwirtschaftliche Betriebe nicht mehr, erklärt sie. Auch ein Laden und eine Kneipe sind nicht mehr zu finden. Ein mobiler Verkaufskiosk übernimmt die Versorgung der Glambecker mit dem Nötigsten. Treffpunkt ist meist am Kreisverkehr. Was sonst gebraucht wird, müssen die Einwohner aus der Stadt mitbringen. "Das war aber nicht immer so", fällt Hilde Peltzer-Blase dazu noch eine Anekdote ein, die ihr Ruth Grabow erzählt hat. Sie war zu DDR-Zeiten die Wirtin im Dorf. Kneipe und Kirche lagen sich übrigens gegenüber. "In der Kirche wurde geheiratet, gleich gegenüber wurde gefeiert. Außerdem gab es in den Gottesdiensten meist einen Frauenüberschuss, was daran lag, dass die Männer ihre Frauen zwar zur Kirche brachten, dann aber doch lieber in der Kneipe auf das Ende des Gottesdienstes warteten", erzählt sie.

Was sich indes wieder gefestigt hat, ist der Zusammenhalt der Einwohner. "Die Glambecker kennen sich, verstehen sich und kommen auch gern zum Feiern zusammen", sagt die Orts-Chefin und lädt alle zum Kirchen- und Dorffest am 16. Juli an der Kirche ein. Dort wird dann auch Gelegenheit sein, sich über die Zukunft des ehemaligen Spritzenhauses gleich neben der Kirche auszutauschen. Denn das wollte der Ortsbeirat eigentlich in Eigenregie sanieren und zu einem Treffpunkt und Unterstand umbauen, an dem müde Wanderer und Radfahrer rasten können. Doch der Denkmalschutz hat den Kommunalpolitikern einen Strich durch die Rechnung gemacht und sich für den Erhalt des maroden Gebäudes ausgesprochen. Dafür kann finanzielle Unterstützung eingeworben werden. Doch das ist mühsam und zieht sich vor allem in die Länge, wie Hilde Peltzer-Blase weiß. Denn ohne Konzept und Planungen kein Geld. Als mögliche Nutzungsvariante steht nun ein kleines Museum. Durchaus möglich, denn die historischen Wurzeln von "Glambecke" reichen bis ins Jahr 1348 zurück, als das Dorf noch dem Kloster Lindow unterstand. 1530 "wüst gefallen", brachten Schweizer Kolonisten um das Jahr 1690 neues Leben ins Dorf. Skelette unter der Dorfstraße, gefunden beim Bau der Kanalisation, zeugen vom einstigen Leben im Ort. Nachzulesen ist das auf den Schautafeln an der Kirche. Vielleicht kommen die ja bald in dem Museum unter?

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