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Trabi-Motor und Ikarus-Achsen

Unikat: Der Traktor von Burkhard Menzel ist auch nach mehr als drei Jahrzehnten pannenfrei unterwegs.
Unikat: Der Traktor von Burkhard Menzel ist auch nach mehr als drei Jahrzehnten pannenfrei unterwegs. © Foto: MOZ
Hubertus Rößler / 08.07.2016, 05:37 Uhr
Lawitz (MOZ) Beim Heimwerken kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das Oder-Spree Journal stellt unter dem Motto "Marke Eigenbau" in loser Folge Hobby-Bastler und ihre Unikate vor. Heute: Burkhard Menzel aus Lawitz und sein Traktor.

Wenn Burkhard Menzel mit seinem Gefährt um die Ecke biegt und man nicht hinsieht, könnte man den Geräuschen nach vermuten, da kommt ein Trabant. Doch der Lawitzer fährt einen stattlichen Traktor, den er Mitte der 1980er-Jahre mit einem Kollegen selbst zusammengebaut hat. "Mein Kumpel Fritz Grimm und ich arbeiteten damals beide beim VEB Kraftverkehr Eisenhüttenstadt - er als Schweißer, ich als Elektronikmonteur. Eines Tage bekamen wir mit, dass ein ausgedienter Ikarus 66 verschrottet werden sollte, der zuvor als Mannschaftsbus für die Motorsportler des ADMV gedient hatte", berichtet Menzel.

Schnell war die Idee geboren, den alten Bus in einen Trecker umzubauen. "Drei Monate lang haben wir jeden Tag nach Feierabend gearbeitet. Die Vorder- und Hinterachse waren zu breit, daher haben wir sie durchgeschnitten, gekürzt und wieder zusammengeschweißt. Auch Motor, Schaltgetriebe und Lenkrad haben wir verwendet", erinnert sich der 63-Jährige. Das Schweißen des Rahmens wurde eigenständig übernommen, genau wie die Installation der Reifen. "Mein Schwiegervater war Vulkaniseur und hat alte Reifen besorgt. Das Kuriose ist, dass ich bei diesen in den ganzen dreißig Jahren nur ein einziges Mal die Luft aufpumpen musste."

Auch sonst ist der Traktor "Marke Eigenbau" äußerst robust und pannenfrei. "Bis zur Wende habe ich ihn sehr häufig benutzt, mittlerweile fahre ich nur noch etwa zehnmal im Jahr - um Heu zu wenden oder für den Transport von Holz, Erde und Mist", berichtet Menzel, der in seinem großen Garten auch Ackerland mit Kartoffeln und Rüben bewirtschaftet.

Als 1994 ein Trabant mit Berliner Kennzeichen auf den Hof des EKO-Schrottplatzes gefahren kam, ergriff der Hobby-Bastler seine Chance. "Der Besitzer wollte ihn verschrotten lassen, aber da das Auto offensichtlich ja noch längere Strecken fahren konnte, baute ich den 26-PS-Motor einfach aus und tauschte ihn gegen den alten Ikarus-Motor. Seitdem läuft er, ab und zu muss höchstens mal eine Zündkerze gewechselt werden. Da der Traktor viel steht, ist es außerdem wichtig, regelmäßig abzufetten. Ansonsten ist er sehr pflegeleicht." Die Motorabdeckung stammt von einem Framo-Kleintransporter aus DDR-Zeiten.

An der Seite wurde mit einem Augenzwinkern der Schriftzug "Menzel-Technik" angebracht. "Der Traktor ist mein ganzer Stolz. Ich hänge sehr daran, man hat eine ganz andere Beziehung als zu einem gekauften Fahrzeug." Menzel ist wichtig, dass er den Traktor niemals alleine hätte bauen können. "Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Kollegen hätte ich das nie geschafft. Man braucht dafür zumindest einen Schlosser, Elektriker, Hydrauliker und Schweißer", zählt er auf.

Das Talent und die Leidenschaft zum Basteln wurden ihm in die Wiege gelegt. "Ich war schon als kleiner Junge handwerklich begabt und mein Vater und Opa haben immer gesagt, dass ich nur einen Hammer in der Hand zu haben brauchte, um glücklich zu sein." Seit Anfang dieses Jahres ist Burkhard Menzel im Ruhestand - eigentlich mehr Zeit zum Basteln, müsste man meinen. Jedoch: "Das ist ein Trugschluss. Als Rentner hat man tatsächlich weniger Zeit. Man steht nicht mehr so zeitig auf, frühstückt in Ruhe und liest Zeitung. Auf einmal ist es neun Uhr, da hatte ich früher schon drei Stunden gearbeitet", erzählt er. An Ideen für neue Unikate verschwendet der Hobby-Bastler daher auch keinen Gedanken. "Ich habe mit unserem großen Grundstück reichlich zu tun. Und mein Sohn hat mittlerweile einen größeren und moderneren Traktor gekauft, der jetzt natürlich häufig zum Einsatz kommt", sagt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Haben Sie auch eine "Marke Eigenbau" zuhause? Dann melden Sie sich telefonisch unter 03364 403850 bzw. 03366 40250 oder per E-Mail an eisenhuettenstadt-red@moz.de bzw. beeskow-red@moz.de

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