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Der Manni, der Trabants liebt

Manfred Hüsges mit seinem Lieblingsexponat der aktuellen Sonderausstellung: einem DDR-Spielzeugtraktor.
Manfred Hüsges mit seinem Lieblingsexponat der aktuellen Sonderausstellung: einem DDR-Spielzeugtraktor. © Foto: Wagener
Carina Wagener / 13.07.2016, 14:34 Uhr
Döberitz (MOZ) 28 Mal musste ein LKW die Strecke zwischen Premnitz und Mönchengladbach zurücklegen, ehe alle der mehr als 40.000 Exponate für das DDR-Museum in Döberitz vor Ort waren. Betreiber Manfred Hüsges fährt die 520 Kilometer in seinen Geburtsort inzwischen nicht mehr. "Döberitz ist meine Heimat geworden, hier fühle ich mich wohl", sagt der 63-Jährige.

Vor rund sieben Jahren wusste Hüsges nicht, wo Premnitz liegt, vor 1993 hatte er nicht mal einen Bezug zum Osten und der ehemaligen DDR - weder Verwandtschaft noch sonstige Kontakte. Bei einer Fahrt nach Meinigen drei Jahre nach der Wende rieb er sich begeistert die Augen: Trabi, Wartburg, Barkas. "Solche Autos kannte ich von zu Hause natürlich nicht." Er sei von Anfang an fasziniert gewesen. "Das war wie auf einem anderen Stern." Es dauerte nicht lange, bis er seinen ersten Barkas-Transporter kaufte. "Dann einen Trabant, noch einen Barkas, wieder einen Trabant", erinnert er sich.

Schon bald war in Mönchengladbach kein Platz mehr für Autos, in Spitzenzeiten hatte "Trabi-Manni", der sich bei Auto-Treffen in Sachsen und Thüringen schnell einen Namen machte, 60 Fahrzeuge. So stieg er auf Miniaturen und DDR-Spielzeug um. "Kurz nach der Wende bekam man auf dem Trödel häufig echte Schätze für einen Kasten Bier oder eine Flasche Whiskey", schwärmt er.

Die Zeiten sind längst vorbei. Inzwischen läuft vieles online, etwa über Ebay. Dort lernte Hüsges auch seinen späteren Partner Peter Klapp aus Premnitz kennen. Längst war da die Idee in seinem Kopf, seine Exponate öffentlich auszustellen. Mehr als 80 Objekte hatte er sich als Ausstellungsfläche angeschaut, war häufig an Bauämtern gescheitert. 2010 kam er dann erstmals an die Havel, um sich den Vorschlag von Klapp anzusehen: Eine leerstehende Gaststätte am Bammer Weg in Döberitz, eingestürzter Dachstuhl, Müll, Putz, der von den Wänden bröckelte. Mit Fleiß und handwerklichem Geschick bauten Hüsges und Klapp nach und nach alles wieder auf. Im alten Tanzsaal sind originale Lampen und Decken erhalten.

Am 1. Mai 2014 konnte das DDR-Museum eröffnet werden: Mit Liebe zum Detail - einem Konsum etwa mit Konserven und Schnapsflaschen, einem Pebeland in Anlehnung an Legoland und vielem mehr. "98 Prozent unserer Exponate sind Dauerausstellung", sagt Hüsges. Aber er und Klapp haben so viel Material zusammengetragen, dass es jeden Monat eine kleine Sonderschau gibt.

Mit der Ausstellung im Juli schließt sich gewissermaßen der Kreis: "Alles rund ums DDR-Auto" heißt es da. Die Leidenschaft, die den "Wossi" Hüsges vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal in den Osten brachte. Reparaturhandbücher für den Trabi, Autoradios, Pflegemittel, Original-Kennzeichen und vieles mehr sind in diesem Monat von mittwochs bis sonntags zwischen 10.00 und 17.00 Uhr zu bestaunen.

Und "Trabi-Manni" hat viele Geschichten rund um das Thema zu erzählen: Etwa, dass man in der ehemaligen DDR auch Ersatzteile kaufte, die man eigentlich gar nicht brauchte. "Weil sie schwer zu bekommen waren und man so im Ernstfall Tauschware vorzuweisen hatte." Seine Bilanz nach gut zwei Jahren DDR-Museum fällt jedenfalls positiv aus: "Das Interesse ist da, und ich erlebe jede Woche mindestens eine schöne Geschichte."

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