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Bio-Blumenkohl und Broccoli

Kai-Holger Dech baut auf seinem Demeter-Hof als einziger in Brandenburg Blumenkohl und Broccoli in Bio-Qualität an.
Kai-Holger Dech baut auf seinem Demeter-Hof als einziger in Brandenburg Blumenkohl und Broccoli in Bio-Qualität an. © Foto: weber
Simone Weber / 14.07.2016, 17:13 Uhr
Hohennauen (MOZ) Insgesamt 150 Hektar bewirtschaften Kai-Holger Dech und seine Ehefrau Christine mit fünf Mitarbeitern und Lohndienstleistern zur Feldbearbeitung auf seinem nach Demeter-Richtlinien geführten Bio-Hof inRund die Hälfte der Fläche wird als Grünland genutzt. Auf dem Rest werden jedes Jahr auf zwölf Hektar Gemüse und auf fünf Hektar Kartoffeln sowie Getreide angebaut. Nach zwei, drei Jahren Kleegras als Futter für die Milchkühe, folgt auf dem Acker, nach einer Zwischenfrucht, Kohl.

"Wir bauen fast alles an Kohl an. Spitzkohl, Wirsing, Rosenkohl", sagt Kai-Holger Dech. "Vor allem Weißkohl, den wir in Großderschau zu Sauerkraut verarbeiten." Nach dem Kohl kommen Kürbisse, Zuckermais und Wurzelgemüse. Auf den leichteren Böden sind es Kartoffeln und danach Futtergerste für die Kühe und vor allem Backweizen. "Eigentlich sind die Böden hier für Blumenkohl und Brokkoli zu mager und mit 500 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr ist es zu trocken. Ohne zusätzliche Beregnung geht das nicht", so der Landwirt weiter. "Der starke Unkraut-Druck kann nur mit Hilfe von Maschinen, aber auch mit Handarbeit bekämpft werden." Bio-Gemüse-Anbau findet man in der weiten Region nicht mehr. Blumenkohl und Brokkoli bauen Dechs gar als einzige im gesamten Land Brandenburg in Bio-Qualität an. "Zur Erntezeit liefern wir wöchentlich fünf bis zehn Tonnen Gemüse an den Bio-Großhändler Terra in Berlin", sagt Kai-Holger Dech. Das Motto dort lautet 2Regional ist erste Wahl":

Kai-Holger Dech kam eher zufällig zur Landwirtschaft. Ende der 80er Jahre kaufte er von seinem Cousin den Hof der Großeltern. Nach Reiterhof, etwas Landwirtschaft und Kinderbauernhof entschieden sich Dechs aus Überzeugung und mit Leidenschaft für den Bio-Landbau. Sie haben viel ausprobiert und dazu gelernt. Noch heute probiert der Landwirt neue Wege beim Pflanzenschutz und zur Bodenverbesserung aus. Als Untersaat auf dem Getreidefeld sät Dech Kleegras und Leindotter. "Das unterdrückt das Wachstum von Unkraut. Die Aussage, dass Bio-Landwirte ohne Einsatz von Chemie deutlich weniger ernten, kann ich so nicht nachvollziehen. Bei meinem Backweizen erwarte ich zirka 40 bis 50 Doppelzentner je Hektar", erklärt Kai-Holger Dech. "Um die Pflanzen zu stärken, behandle ich sie mit Kompost-Tee mit Mykorrhizapilz. So nehmen sie Nährstoffe besser auf." Den Kartoffelkäfer bekämpft Dech mit dem erlaubten Bacillus thuringiensis. Der Kohl wird durch Fließnetze vor der Weißen Fliege geschützt.

Die Bodenverbesserung liegt Dechs genauso am Herzen. Mit der Agrargenossenschaft Gülpe und einem weiteren Bio-Bauern betreibt Dech ein vom Landkreis gefördertes Projekt zur Kompostierung von ungenutztem Grünschnitt vom Grünland im Naturpark zur Verbesserung des Humusgehalts. "Durch intensiven Anbau und Bearbeitung über Jahrzehnte hat der Boden hier nur noch zirka 1,5 bis 1,8 statt um 3,8 Prozent Humus", so Kai-Holger Dech. "Ein Freund, der in Wolsier Biokräuter anbaut, hat auf seinem Gartenland sieben Prozent Humusgehalt."

"Die 25 Milchkühe sind eher eine Art Hobby. Bei den aktuellen Milchpreisen kann man kaum Geld verdienen. Die wirtschaftliche Basis des Betriebs ist die Spezialisierung auf den Gemüseanbau", erzählt Kai-Holger Dech. "Das System der massiven Förderung der Landwirtschaft durch die EU ist fragwürdig. Da sind andere Konzepte gefragt. Nicht jeder konventionelle Bauer kann auf Bio umstellen. Wir brauchen einen Kulturwandel, was unsere Ernährung betrifft."

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