Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sternenpark als regionales Kapital

Alter Hafen in Rathenow: Der Wassertourismus auf der Unteren Havel hat sich, wie hier im Mai 2016 zu sehen, in den letzten Jahren stark entwickelt.
Alter Hafen in Rathenow: Der Wassertourismus auf der Unteren Havel hat sich, wie hier im Mai 2016 zu sehen, in den letzten Jahren stark entwickelt. © Foto: weber
Simone Weber / 16.07.2016, 10:30 Uhr
Hohennauen (MOZ) Während ihrer jüngsten Kreismitgliederversammlung im Fischrestaurant Strandgut in Hohennauen informierten sich die Bündnisgrünen des Landkreises am vorigen Samstag über die Arbeit im Naturpark Westhavelland. Mit 131.500 Hektar Gesamtfläche, davon rund 100.000 Hektar Landschafts- und 17.300 Hektar Naturschutzgebiet unterliegt dieser speziellen Gesetzen zur nachhaltigen Bewirtschaftung, Förderung der biologischen Vielfalt, der Verbesserung des Wasserhaushalts und der Förderung der nachhaltigen Regionalentwicklung.

"Bei der Nutzung der Flächen im Schutzgebiet, wie durch die Landwirtschaft, lassen sich Konflikte nicht immer vermeiden", sagte Ilona Langgemach. "In den letzten Jahren ist die Situation für Landwirte bezüglich der auf dem Zug auf dem Grünland rastenden Gänse schwieriger geworden."

Als Naturparkleiterin setzt sie die Entwicklungsziele gemeinsam mit ihren vier Mitarbeitern und mit ihren fünf Naturwacht-Rangern um. "Ein weiteres Problem ist der überständige Grünschnitt auf Feuchtwiesenflächen. Der Wasserhaushalt in der Havelniederung ist ein generelles Thema. In diesem Jahr haben wir ein Wasserdefizit."

Mit insgesamt rund 45 Landwirten, allein um Buckow im Amt Nennhausen sind es 16, hat der Naturpark Vereinbarungen zum Vertragsnaturschutz geschlossen. Mit Landesgeldern zum Ausgleich halten sie sich zum Schutz der Großtrappe und der Wiesenbrüter an spätere Mahdtermine auf ihrem Grünland: den 16. Juni und 1. Juli.

"Um das Bild der Landschaft zu erhalten, muss das bestehende Grünland gemäht und auch genutzt werden. Wir arbeiten intensiv und gut mit den Landwirten zusammen. Aber sie kommen bezüglich des Wasserhaushalts an ihre Grenzen. Wasserbüffel sind nicht überall die Lösung. Aber im Naturschutzgebiet müssen die Landwirte akzeptieren, dass das Wasser länger auf den Ackerflächen steht", so Ilona Langgemach. "Ein generelles Umdenken ist nötig. Die Menschen in unserer Gesellschaft lösen sich immer stärker von der Landwirtschaft. Die Landwirte wollen immer weniger so wirtschaften, dass sie sich täglich um ihre Tiere kümmern müssen."

Insgesamt 40.000 Hektar Grünland, davon 15.000 im Feuchtgebiet, will der Naturpark erhalten und extensiv nutzen. "Der Mensch hat ein ambivalentes Verhältnis zur Natur", sagte Jean-Luc Meier, der Bündnis'90/Die Grünen in der Rathenower Stadtverordnetenversammlung vertritt. "Er kann nicht aushalten, dass sich durch extreme Wetterumstände oder schwankend verstärktem Auftreten von Schädlingen das Bild der Natur zeitweilig verändert. Natürliche Regularien können das Gleichgewicht wieder herstellen. Aber das braucht seine Zeit."

Ilona Langgemach sieht im Naturpark und seit 2014 im Sternenpark Westhavelland auch Chancen, vor allem für den Tourismus und die Vermarktung regionaler Produkte. "Im Bereich der Unteren Havel besteht noch großer Bedarf an wassertouristischer Infrastruktur, wie Steganlagen für Wasserwanderer", meinte die Naturparkleiterin. "Das Vermarktungspotential der landwirtschaftlichen Produkte aus dem Naturpark ist zum größten Teil noch ungenutzt. Dazu sind wir in Gesprächen mit dem Kreisbauernverband. Den Sternenpark sehe ich als ein Kapital und Chance für Naturschutz aus anderer Sicht."

Das fand offene Ohren und die Unterstützung durch die havelländischen Bündnisgrünen. "Der sanfte Tourismus, wie auf dem Wasser, muss mit der nötigen Infrastruktur stärker gefördert werden. Die Kreistagsfraktion fordert immer wieder verbesserte Angebote im Busverkehr, auch zur touristischen Nutzung", sagte Frank Vossnacker, Parteisprecher auf Kreisebene. "Mit dem erweiterten Angebot mittels Rufbus-Halten in Stölln und Großderschau auf der Linie 684 seit dem 30. Mai wurde eine lange Forderung der Grünen umgesetzt."

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG