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Berliner Spezialfirma montiert funkgesteuerte Variante am Gotteshaus / Förderverein kostet sie 12 000 Euro

Eine Turmuhr für Cöthener Kirche

Mandy Timm / 21.07.2016, 05:34 Uhr
Cöthen (MOZ) Die Alte ist ausrangiert. Eine neue Turmuhr wird zurzeit in der Cöthener Kirche von einer Berliner Spezialfirma montiert. Rund 12 000 Euro kostet das Vorhaben den Förderverein. Zahlreiche Spenden und Fördermittel machten es möglich. Im Oktober steht ein Turmfest an. Denn die Bauarbeiten an der Schinkelschen Landkirche sind nun abgeschlossen.

Thomas Scholz hat alles dabei, was ein Uhrenbauer braucht: Hammer, Schweißgerät, Kettensäge, Akkuschrauber sogar einen Staubsauger verstaut er im Korb, deren Hebebühne ihn und seinen Kollegen Thomas Stübing gleich nach oben bringen wird, an ihren Arbeitsplatz. Der ist schätzungsweise 20 Meter hoch, im obersten Stübchen der Cöthener Kirche.

Thomas Scholz ist Fachmann für Turmuhren und Glockentechnik. Sein Arbeitgeber ist eine Berliner Firma, Wolfgang Schmidt gehört sie, die schon Baustellen im Magdeburger Dom betreute oder Brandenburgs größtes Glockengeläut, das der Evangelischen Marienkirche in Frankfurt/Oder. 2014 wurde dies feierlich geweiht und eingebaut. Hier, in Cöthen, montierte Scholz am Mittwoch vier Schrittmotoren unterm Fachwerkdach. Eins für jede Himmelsrichtung. "Die Motoren werden das Zeigerwerk antreiben", erklärte er. Diese würden später elektronisch angesteuert und setzen sich so in Bewegung. Wenn die Funkuhr komplett installiert ist, schlägt sie auch die Glocke an. Zur vollen Stunde oder nur zum Gottesdienst, je nachdem was programmiert ist. Vorher müssen aber erst die übergroßen Ziffernblätter nach oben. Die haben einen Durchmesser von 1,50 Meter. Die Edelstahlplatten baute auch Firma Schmidt.

Das alte, ausrangierte Uhrwerk steht eine Etage tiefer. Wuchtig sieht es aus im Vergleich zu den handgroßen Motoren, die die Cöthener Uhr in Zukunft in Bewegung setzen werden. Die mechanische alte Uhr, zu der eine Kurbel gehört, mit der man das Uhrwerk regelmäßig aufziehen musste, rostet, Einzelteile fehlen ganz. Kein Wunder nach 100 Jahren, die sie etwa alt ist. "Könnte man wieder auf Vordermann bringen", versichert Scholz, der solche historischen Geräte auch restaurieren kann.

Marlies Sydow ist erst einmal glücklich, dass die Kirche eine neue Turmuhr bekommt. Der Förderverein, dem sie vorsteht, hat die Sanierung des Gotteshauses möglich gemacht. Vor drei Jahren feierten die Christen und ihre Gäste die Wiedereröffnung. "Irgendwann sollte auch die Uhr nachgerüstet werden", erzählte sie am Mittwoch. Seit anderthalb Jahren beschäftigte sich der Verein intensiv mit der Idee. Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde wurden getroffen, Spenden eingeworben, Fördermittelanträge gestellt. Geld gibt unter anderem der Landkreis Märkisch-Oderland, 3000 Euro insgesamt, der Förderkreis Alte Kirchen 1000 Euro. "Aber auch zahlreiche private Spender unterstützten uns", sagt Sydow. Den größten Anteil der insgesamt 12 000 Euro trägt der Förderverein. "Vielleicht unterstützen uns noch weitere Spender", hofft Marlies Sydow. "Uns jedenfalls freut es."

Nicht nur für die Cöthener Kirch-Sanierer ist der Neubau ihrer Turmuhr etwas besonderes. Thomas Scholz macht das auch nicht alle Tage. "Häufig elektrifizieren wir Ziffernblätter", sagt er, "oder warten Großuhren." Einmal im Monat, eher noch seltener steht ein kompletter Neubau in seinem Terminkalender. Gewartet werden muss die Cöthener Funkuhr später einmal im Jahr. Als Neuanlage müsste zunächst ein engerer Zyklus eingehalten werden - wegen des Nachspannens, sagt der Finsterwalder Scholz.

Für die Mitglieder der Cöthener Kirche endet mit dem Einbau der Kirchturm-Uhr demnächst ein langjähriges Vorhaben - die Sanierung der 1830 von Carl Friedrich von Jena erbauten und geweihten Kirche inmitten des "Cöthener Bergterritoriums". Der kleine rechteckige Putzbau, mit dem dreistöckigen Turm wurde einst als Schinkelsche Normalkirche erbaut.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das Gotteshaus "verletzt". Es hatte fortan tiefe Risse. Ein Bombeneinschlag in der Nähe war die Ursache. Die letzte Trauung fand 1956 statt. Danach wurde die Kirche gesperrt und diente als Lagerraum. Die Fenster wurden mit den Sitzflächen der Kirchenbänke vernagelt. Die evangelischen Christen trafen sich zu ihren Gottesdiensten nun im Keller des Pfarrhauses.

1998 gründete sich mit Unterstützung des Förderkreises Alte Kirchen, ein Förderverein für die inzwischen ziemlich verfallene Kirche. Seit dem wurde vermessen, eingerüstet, gebaut, neu gedeckt. Wann immer der Verein das Geld dafür hatte. Im Inneren entdeckten Restauratoren die ursprüngliche Wandfarbe, himmelblau. Sie ist nun wieder aufgebracht und macht die Cöthener Kirche auch gewissermaßen im Herzen zu etwas besonderem.

Am 14. Oktober ist nun zu Ehren der neuen Kirchturm-Uhr ein Fest geplant. Eingeladen sind auch die Alphornbläser, die vor zwei Jahren schon einmal aufspielten.

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