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Land gönnt Bäumen ein biblisches Alter

Stolz auf viel naturnahen Wald im Hoheitsgebiet: Revierchef Heinz Mainitz zählt auf die Vielfalt der Waldbewirtschaftung.
Stolz auf viel naturnahen Wald im Hoheitsgebiet: Revierchef Heinz Mainitz zählt auf die Vielfalt der Waldbewirtschaftung. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schönberg / 22.07.2016, 18:18 Uhr
Flecken Zechlin (MZV) Von Methusalem heißt es in der Bibel, er sei 969 Jahre alt geworden. Von solch einem Alter können selbst Bäume nur träumen - insbesondere jene in den Wirtschaftswäldern. Im Methusalem-Projekt sind Einzelexemplare vor rund zehn Jahren aus der Bewirtschaftung herausgenommen worden. Das Projekt wird nun ausgeweitet - als Methusalem 2.0.

Allein 3000 von 2000000 Brandenburger Waldbäumen im Zechliner Revier von Heinz Mainitz sind als Methusalems geschützt. Kleine, weiße Plaketten zeugen davon. Bisweilen sind sie schon zu Boden gefallen. "Das Wachstum des Stammes hat die Nägel rausgedrückt", sagt Mainitz. So soll es ja auch sein, fügt er hinzu. Der Baum soll alt werden und - falls ihn ein Sturm umlegt - über Jahrzehnte als Totholz vergehen können.

In der nun startenden zweiten Phase des Projekts sind es nicht Einzelexemplare, die geschützt werden, sondern ganze, mehr oder weniger große Areale, auf denen schützenswerte Bäume vergreisen dürfen. 6000Hektar sollen es bis 2026 im ganzen Land sein. Die Landeswaldoberförsterei Alt Ruppin mit ihrem Zechliner Revier müsste damit zwei Prozent ihrer Flächen als solche ausweisen.

Es ist ganz im Sinne von Heinz Mainitz, der stolz ist, dass in seinem Wald noch sehr viel Altbaumbestand vorhanden ist. Es gibt sogar kleine Flächen mit Betretungsverbot, die seit 55Jahren nicht mehr bewirtschaftet worden sind. Mainitz zeigt auf eine Buche, die noch Grün trägt, deren Stamm aber sehr angegriffen ist: Kleine Höhlen reihen sich wie die Griff-Löcher einer Blockflöte auf. Darunter klafft eine tiefe Furche. Fledermäuse lieben solch einen Stammriss als Unterschlupf: "In einem einzigen Baum haben wir schon 13Arten gefunden", sagt Mainitz.

Darum geht es auch, bei der Ausweitung des Methusalem-Projekts: um biologische Vielfalt. Hirschkäfer und Eremit - ebenfalls eine Käferart - kommen nur dort vor, wo Eichen und Buchen alt werden können. Auch seltene und einst fast ausgestorbene Greifvögel haben im Zechliner Revier ihr Zuhause gefunden. Zwei Fischadler-Paare brüten dort. Wanderfalken, die einst fast ausgestorbenen Vettern der häufigeren Turmfalken, ziehen seit Kurzem Junge auf. Und erst vor 20Tagen streifte sogar ein Uhu durch die Wälder.

Neben den mindestens tausend Quadratmeter großen Altbaumflächen gehört zum Projekt Methusalem 2.0 auch das Anreichern von Totholz. Bäume, die der Sturm umwirft, bleiben im Wald. Jahrzehnte brauchen sie, um sich zu zersetzen. Und tot sind sie nicht: Pilze, Insekten und andere Spezialisten, die anderen Tieren wieder als Nahrung dienen können, bemächtigen sich der Stämme. Wenigstens 15 Kubikmeter Totholz pro Hektar - das ist ebenso Landeswald-Ziel für die nächsten zehn Jahre.

Für Mainitz Revier dürfte es nicht schwer werden, das zu erreichen. Er zeigt auf eine alte Buche - eine Methusalem-Baum von 2005, den der Sturm umgerissen hatte. Der Stamm allein hat ein Zigfaches von der 15-Kubikmeter-Vorgabe. Da es sich beim Zechliner Revier größtenteils um eine Flora-Fauna-Habitat mit strengeren Schutzvorschriften handelt, ist der Totholzanteil hier aber ohnehin größer.

Dass einem Pilzsammler ein vergreister Baum oder einer seiner Äste mal vor oder auf die Nase fällt, soll niemand befürchten müssen, betont Mainitz. Bei der Umsetzung des Projekts werde auch sehr darauf geachtet, dass die Verkehrssicherung gewährt bleibt.

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