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Parzival fand den Heiligen Gral

Rene Wernitz / 24.07.2016, 06:42 Uhr
Landin/Havelland (MOZ) Der Heilige Gral fasziniert seit dem Mittelalter die Christenheit. Die einen suchen wie Parzival, einer von zwölf Rittern der Tafelrunde, nach dem Gegenstand, als wäre er ein realer Schatz. Andere finden größtes Vergnügen darin, das Gralsthema zu interpretieren und den Faden weiter in die Realität zu spinnen. Zu diesen Leuten gehörte der spirituell angehauchte Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner (1861-1925), der vor fast 110 Jahren im westhavelländischen Landin über "Das Gralsgeheimnis im Werk Richard Wagners" referierte.

Der Komponist war in der Tat, das zeigen zwei seiner Werke, stark durch das Gralsthema inspiriert. Sowohl die 1850 uraufgeführte Oper "Lohengrin" als auch Wagners Schlusswerk "Parsifal" (1882) basieren auf dem, was der deutsche Minnesänger Wolfram von Eschenbach zu Beginn des 13. Jahrhunderts reimte. - rund 25.000 paarweise Verse mit dem Gesamttitel "Parzival". Lohengrin ist ebenso Bestandteil der Story. Bei ihm handelt es sich um den Sohn des Titelhelden. Parzival hatte den Gral eher zufällig gefunden in einer Landschaft voller Wälder und Moore, wo es auch einen See gab. Ein Fischer, der keine Kinder hatte, entpuppte sich dort als König und Hüter des Grals. Parzival wurde letztlich sein Nachfolger. Derweil prägte Lohengrin das Bild vom tapferen Schwanenritter.

In Wikipedia stolpert man bei der Recherche über den Anthroposophen Werner Greub (1909-1997), der dort als Gralsforscher erwähnt wird, der in der "Historisierung des Parzival" so weit gehe, "dass die wichtigsten Schauplätze der Gralssuche lokalisierbar seien, die sich ihm zufolge im 9. Jahrhundert abgespielt hat." Tatsächlich gab Greub im Jahr 1974 ein Buch heraus mit dem vielversprechenden Namen "Wolfram von Eschenbach und die Wirklichkeit des Grals" (Lochmann-Verlag), 40 Jahre später erschien eine unveränderte Neuauflage.

Greub war mit Sicherheit durch Rudolf Steiner inspiriert worden. Ob aber dem Werk Richard Wagners ein Geheimnis inne wohnt, das gelüftet werden will, bleibt eher fraglich. Allerdings überrascht die räumliche und geschichtliche Nähe verschiedener Orte in Franken, wenn es um Wagners "Parsifal" geht.

Wolframs-Eschenbach, also der Lebensmittelpunkt des mittelalterlichen Minnesängers, liegt nur etwa 13 Kilometer südöstlich von Ansbach entfernt. Bayreuth, wo der "Parsifal" 1882 als sogenanntes Bühnenweihfestspiel uraufgeführt wurde und die Wagner-Festspiele stattfinden, liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Wolframs-Eschenbach und Ansbach. Dazwischen befindet sich Nürnberg. Und das alles tangiert in nicht unerheblicher Weise auch die brandenburgische Geschichte.

Denn in Nürnberg war Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern als Burggraf tätig, ehe er 1415 als Friedrich I. zum Kurfürsten Brandenburgs aufstieg. Seine Ländereien in Franken behielt er derweil. Durch seinen zweitgeborenen Sohn entstand die spirituelle Verbindung zwischen Brandenburg/Havel und Ansbach. Auf dem Marien- bzw. Harlungerberg der Havelstadt gründete Friedrich II. im Jahr 1440 einen Orden, der später kurz Schwanenorden genannt wurde. Der Dom zu Brandenburg zeigt ein originelles Messgewand mit Schwanensymbol. In Ansbach entstand ein Filialorden dieser Schwanenritterschaft. Ehe Bayreuth zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu einer Residenzstadt der Kurfürsten erhoben wurde, residierten sie auf der etwa 20 Kilometer nördlich gelegenen Plassenburg (Fürstentum Kulmbach). Der drittgeborene Sohn Albrecht war daher zunächst Markgraf von Ansbach und Kulmbach. Er wurde 1470 zum dritten Kurfürsten der Hohenzollern. Sein Reich Ansbach-Kulmbach ging dadurch im Kurfürstentum Brandenburg auf.

Zwar deutet nichts darauf hin, dass die Kurfürsten ein Gralsgeheimnis gehütet haben könnten oder selbst nach dem Gral suchten. Doch gibt es mit Friedrich Streng (1904-1990) einen Autor, der vor Jahrzehnten über Schwanenritterschaft, Gral, Brandenburg, Ansbach und Hohenzollern stolperte. Ganz ohne esoterische Gedankengänge. Was er zum Thema beizutragen hatte, findet sich in dem e-Book "Die Ordenskette des Schwanenordens". Es ist im Wieken-Verlag erschienen und ist nicht nur im Onlinebuchhandel erhältlich. Und wer sich für das Gralsthema aus Sicht Rudolf Steiners interessiert, ist am Freitag, 29. Juli, auf den Landiner Hof Dittrich, Steinstraße 13, eingeladen. Ehe ein Benefizkonzert (Klavier/Klarinette) zu Gunsten der Dorfkirche erklingt, gibt es Erläuterungen zu Steiner sowie seiner Schülerin und Landiner Gutsherrin Eugenie von Bredow. Später wird unter anderem eine Bearbeitung des Vorspiels aus der Wagner-Oper "Parsifal" zu hören sein.

Los geht es um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden für die Kirche sind willkommen. Mehr Infos auf www.kirche.landin-havelland.de.

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