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17. Sommer-Werkstatt von Künstlerin Christine Hielscher geht in zweite Woche / Bildhauerei und Aktmalerei

Höchste Konzentration

Stück für Stück: Rosemarie Wilutzki aus Berlin hat sich in den zurückliegenden Tagen in der Bildhauerei ausprobiert. Mit ihrem ersten eigenen Kunstwerk ist die 67-Jährige sehr zufrieden. Der Marmorstein wird in ihrem Garten einen passenden Platz finden.
Stück für Stück: Rosemarie Wilutzki aus Berlin hat sich in den zurückliegenden Tagen in der Bildhauerei ausprobiert. Mit ihrem ersten eigenen Kunstwerk ist die 67-Jährige sehr zufrieden. Der Marmorstein wird in ihrem Garten einen passenden Platz finden. © Foto: Heike Jänicke
Heike Jänicke / 31.07.2016, 18:28 Uhr
Gersdorf (MOZ) Zum 17. Mal hat Malerin und Bildhauerin Christine Hielscher zur Sommer-Werkstatt ins "Atelier an der Weide" nach Gersdorf eingeladen. Acht Teilnehmerinnen zeigten sich in der ersten Woche mit Kreide und Hammer kreativ. Heute geht es in die zweite Runde des freien künstlerischen Schaffens.

Musik erklingt. Durch die weit geöffnete Ateliertür trägt der Wind frische Luft herein. An den acht Staffeleien stehen bzw. sitzen Frauen unterschiedlichen Alters. Konzentriert schweifen ihre Blicke von ihren Skizzenblättern auf die junge Frau, die vor ihnen auf einem weißen Laken posiert. Nackt. Aktmalerei ist auch in diesem Jahr wieder das große Thema der Sommer-Werkstatt von Christine Hielscher. Die Gersdorfer Künstlerin beobachtet ihre Schützlinge, gibt ihnen Tipps, hält sich aber ansonsten dezent zurück und lässt den Teilnehmerinnen ihren Freiraum. Es muss schnell gehen. Das 27-jährige Model wechselt die Positionen im Drei-Minuten-Takt. Kein leichter Job für die junge Frau. Sechs Stunden am Tag üben sich die Teilnehmerinnen in der Aktmalerei. Doch sie kommt an. "Sie macht das unglaublich gut und hat eine natürliche Begabung", sagt Ruth Frank. Die 70-Jährige ist zum ersten Mal in Gersdorf dabei. Über die Städtepartnerschaft zu Bad Freienwalde sei die in der Nähe von Bad Pyrmont lebende Hobbymalerin zur Sommer-Werkstatt gekommen. Für ihre Skizzen verwendet sie Kreide. "Da kann ich schnell noch etwas korrigieren", meint sie. Allein an einem Tag habe sie 50 Skizzen angefertigt. Dieser Kurs sei schon eine große Herausforderung. Es wird kaum gesprochen. Nur das Rascheln beim Wechseln der Skizzenblätter mischt sich unter die musikalischen Töne.

Neben Ruth Frank sitzt Lore Jotter. Auch für sie ist die Teilnahme an der Sommer-Werkstatt eine Premiere. Die 81-Jährige allerdings hält nichts von Kreide. "Kreide ist mir zu weich. Ich mag es lieber widerstandsfähiger", sagt sie und bringt in schnellen, feinen Minen-Strichen ihre Interpretation aufs Papier. Dass sie gleich von zwei Akt-Models profitieren dürfen, damit hatten die Frauen wohl nicht gerechnet. Die 27-Jährige konnte ihren Bruder dafür begeistern. "Der männliche Part ist sehr reizvoll, ganz anders als die weiblichen weichen Formen", so Christine Hielscher.

Um Formen geht es auch in der Bildhauerei. Vier Frauen hämmern im Garten unter einem überdachten Arbeitsstand. Zu ihnen gehört Rosemarie Wilutzki. Die 67-Jährige hat von Sigrid Alutis-Lange, die ebenfalls dabei ist, von der Sommer-Werkstatt erfahren. Vor ihr liegt ein weißer Marmorstein, der seinen Ursprung in Italien hat. Auf der einen Seite des ovalen Objekts ist ein Gesicht deutlich erkennbar. Was daraus entstehen könne, ergebe sich erst, "wenn man den Stein entkleidet", sagt die Berlinerin. Stück für Stück hat sie sich mit Hammer und Meißel vorgearbeitet. Zum Schutz trägt sie eine Brille. Sie ist mit sich und ihrem ersten Kunstwerk zufrieden. Das bekommt in ihrem Garten einen besonderen Platz. Und vielleicht nimmt sie gleich an dem zweiten Kurs teil. "Jetzt weiß ich ja, wie es geht", lacht sie.

Überhaupt herrscht bei bestem Sommerwetter eine tolle Atmosphäre - sowohl beim Arbeiten als auch in den Pausen im idyllischen Garten der Gastgeber. Für die nötige Stärkung sorgt Dietrich Jacobs, Textilkünstler und Lebenspartner von Christine Hielscher. Er schwingt in der Küche den Kochlöffel und zaubert aus frischen Zutaten leckere Speisen. Wer nach der intensiven Arbeit an der Staffelei bzw. mit dem Hammer nicht nach Hause fahren möchte bzw. kann, der findet im Atelier ein Quartier.

Es sei immer wieder toll, sagt Christine Hielscher. Das Angebot - Aktmalerei und Bildhauerei, habe sich in den Jahren durchgesetzt. Am schönsten sei es, wenn sich die Teilnehmer erst in der Aktmalerei und danach in der Bildhauerei ausprobieren. Denn beim Aktmalen lerne man das räumliche Sehen.

Nach fünf Tagen endet für die Hobbymalerinnen bzw -bildhauerinnen der einwöchige Kurs. Sie werden jede Menge Erfahrungen und Inspirationen mit nach Hause nehmen. Und für weitere acht Frauen und Männer beginnt heute das Abenteuer "Bildhauerei" und "Aktmalerei".

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